Bernhard Peter
HIV - eine Quasispezies

Bei der Vermehrung von HI-Viren passieren relativ viele Fehler, die Mutationsrate ist hoch. Dabei ist die Schlüsselstelle das vom Virus selbst mitgebrachte Enzym Reverse Transkriptase: Im Gegensatz zu menschlichen Polymerasen ist sie schlampig. Pro Genom passieren durchschnittlich 10 Fehler in jeder Replikationsrunde. Natürlich entsteht dabei auch viel Schrott, der selber nicht mehr als replikationsfähiger Virus funktioniert, aber in jeder Vermehrungsrunde entstehen auch genetisch unterschiedliche Varianten, die unter einem äußeren Selektionsdruck (wie z. B. Medikamente) einen Selektionsvorteil haben. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Varianten des Virus herausgebildet.

Wir haben es hier mit einem natürlichen Polymorphismus zu tun, mit einer genetischen Vielgestaltigkeit mit jeweils subtypspezifischen Unterschieden z. B. in der Protease oder anderen wichtigen Schlüsselproteinen. Die genetische Verteilung differiert, und es ist ein geographisches Verteilungsmuster erkennbar. HIV-1 ist der Virus, der hauptsächlich in den USA und Europa vorkommt, HIV-2 hat sein Revier in Afrika, breitet sich aber in letzter Zeit in Richtung Südasien (Indien) aus. Der wichtigste Typ on HIV-1 ist der Main Typ („main“). Die meisten Infektionen werden durch den Typ M verursacht, Typ N und Typ O sind selten, sie kommen in Kamerun vor. Typ M ist in viele Subtypen aufgesplittet, wovon der häufigste der Subtyp C ist, gefolgt von A, dann von B, dann von D und den übrigen. Für Europa, die USA und Australien ist der Subtyp B der prädominante. Der Subtyp C dagegen dominiert in Indien, China, Pakistan. Afrika ist der Tummelplatz vieler verschiedener Subtypen. Dazu können sich die Viren rekombinieren und beispielsweise die Eigenschaften von Subtyp B und Subtyp F mischen. Eine solche Mischung ist der wichtigste Stamm in Brasilien und Argentinien. Die Rekombination BE kommt dagegen in Südostasien (Myanmar, Thailand) vor.

Aber in jedem einzelnen Menschen, egal mit welchem Subtyp er infiziert ist, entstehen ständig neue, genetisch abweichende Mutanten, die eine auf Dauer erfolgreiche Therapie zum Kampf gegen Windmühlenflügel werden läßt. Diese ständig auftauchenden Mutanten lassen Medikamente auch nach einiger Zeit aufgrund von Resistenzen unwirksam werden.

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