Bernhard Peter
HIV und AIDS: Sofortmaßnahmen nach einem Risikokontakt

Wenn ein Risiko-Kontakt stattgefunden hat, gilt es, so schnell wie möglich das Risikomaterial (Blut, Sperma) zu entfernen. Ob man sich mit HIV ansteckt, hängt vor allem davon ab, wieviel Viren aufgenommen werden, also auch davon, wie lange das infektiöse Material in Kontakt mit dem Gesunden ist. Je nach Art des Kontaktes werden verschiedene Sofortmaßnahmen empfohlen:

Schnitt- oder Stichverletzung mit HIV-kontaminierten Nadeln oder chirurgischen Instrumenten: Durch Druck (Pressen) auf das umliegende Gewebe soll der Blutfluß aus der Wunde heraus so schnell wie möglich erhöht werden, Ausstreichen der zur betreffenden Stelle hinführenden (proximalen) Blutgefäße zur Wunde hin spült die Wunde aus. Durch Spreizen der Wundränder nach einer Schnittverletzung kann das Ausschwemmen ebenfalls begünstigt werden. Danach sollte die Wunde mit einem Antiseptikum mindestens 10 Minuten lang gespült werden. Da die Viren aufgrund ihrer Hülle schnell in organischen Lösungsmitteln kaputt gehen, ist die einfachste Spüllösung Alkohol, idealerweise 70%iger Isopropanol oder Ethanol. Natürlich sind auch spezielle viruzid (virus-tötende) wirkende Antiseptika geeignet, aber in der Praxis meistens nicht zur Hand – also lieber mit „Schnaps“ spülen als gar nicht. Alternativ oder zusätzlich möglich ist das Anlegen eines antiseptischen Wirkstoffdepots.

Kontakt mit infektiösem Material auf vorgeschädigter oder entzündlich veränderter Haut: Sofortige Entfernung unter viel fließend Wasser, anschließend die Hautpartien großflächig mit einem Hautantiseptikum desinfizieren.

Augenschleimhaut: Sofortige Spülung mit desinfizierender 2.5%-iger PVP-Jodlösung. Falls eine solche Lösung nicht verfügbar ist, sollte das Auge mit isotonischer Spüllösung, zur Not auch mit Wasser gespült werden.

Mundhöhle: In jedem Falle Schlucken vermeiden! Mehrmalige Spülung mit Alkohol, idealerweise 70-80%iger Isopropanol oder Ethanol, jeweils für ca. 10-15 Sekunden – danach Spüllösung ausspucken, nicht schlucken! Natürlich sind auch spezielle viruzid (virus-tötende) wirkende Antiseptika geeignet.

Vaginal- oder Analsex, aktiver Part: Gründliches Waschen des Penis mit Seife unter fließendem Wasser. Wasser lassen, um virushaltiges Material aus der Harnröhre zu spülen.

Vaginal- oder Analsex, passiver Part: Aufgrund der hohen Verletzlichkeit der Schleimhaut sind keine Maßnahmen möglich. Eine Spülung von Scheide oder Darm verbietet sich aufgrund des zusätzlichen Verletzungsrisikos, wodurch zusätzliche Eintrittspforten geschaffen werden. Krankheitserreger würden außerdem so eher noch tiefer in den Körper gespült.

Wichtig: So schnell wie möglich einen Facharzt (idealerweise die örtliche HIV-Schwerpunktpraxis) aufsuchen, um das Risiko unter Abwägung der durchgeführten Sofortmaßnahmen abzuschätzen und um gegebenenfalls eine sog. postexpositionelle Prophylaxe einzuleiten. Eine Dokumentation der Vorgänge insbesondere nach beruflicher Exposition hilft Ansprüche zu sichern.

Rat gibt’s hier:
Die persönliche AIDS-Telefonberatung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (täglich ab 10 Uhr, Montag bis Donnerstag bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag bis 18 Uhr, Tel.: 0221 - 89 20 31, 01805-555444, 12 ct pro Minute) anrufen. Dort kann Ihnen auch eine PEP-Notfall-Klinik oder Arztpraxis genannt werden.

In Koblenz ist ein Ansprechpartner: Aidshilfe Koblenz e.V., Stegemannstr. 12, 56068 Koblenz, Telefon: 0261-166 99.

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