Bernhard Peter
Röteln
(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens)

Was sind Röteln?

Röteln sind eine durch Tröpfcheninfektion übertragene weltweit verbreitete Viruserkrankung mit zyklischem Verlauf, verursacht durch das sogenannte Rubivirus, welches als Erbmaterial RNA besitzt und zur Familie der Togaviren gehört. Es handelt sich um eine Erkrankung, die aufgrund der hohen Ansteckungsfähigkeit meist im Kindesalter auftritt. Neben allgemeinen Krankheitssymptomen kommt es zu einem über den ganzen Körper verteilten Ausschlag, der von der Haut erhaben ist und kleine, rote Knötchen bildet, und schmerzhaften Lymphknotenschwellungen. Die Röteln hinterlassen eine lebenslängliche Immunität. Komplikationen sind in diesem Fall selten. Röteln werden meist mit harmlosen und leichten Erscheinungen im Kindesalter überstanden, verdienen jedoch Aufmerksamkeit wegen der durch sie verursachten Mißbildungen beim Fetus bei Infektion empfänglicher Schwangerer. Gefahr besteht bei einer Infektion in der Frühschwangerschaft. Sollte eine schwangere Frau an Röteln erkranken, sind schwere Schäden des ungeborenen Kindes zu erwarten. Röteln bei Schwangeren stellen eine medizinische Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch dar. Eine Impfung sollte aus diesem Grund bei allen Mädchen bis zur Pubertät durchgeführt werden.

 

Wer kann sich an Röteln anstecken?

Röteln sind eine typische Kinderkrankheit. Sie sind zwar nicht so hoch ansteckend wie Masern oder Windpocken, aber dennoch ist die Kontagiosität so hoch, daß im Alter von 20 bis 25 Jahren etwa 80-90 Prozent der Menschen schon Antikörper gegen das Röteln-Virus entwickelt haben. Jüngere und ältere Kinder sowie Jugendliche sind hauptsächlich betroffen. Aber prinzipiell ist eine Infektion in späteren Lebensjahren noch möglich. In vielen Fällen verursacht die Infektion mit dem Röteln-Virus nur eine stark abgeschwächte Form der Erkrankung, so daß die Erkrankung gar nicht festgestellt oder jedenfalls nicht als „Röteln“ angesprochen wird.

 

Wie steckt man sich an?

Die Rötelnviren sind außerhalb des Körpers nur kurzzeitig überlebensfähig. Es gibt folgende Übertragungswege:

Die Wahrscheinlichkeit, daß eine an Röteln erkrankte Person Viren überträgt, liegt bei 20% - 70%, ist also relativ hoch. Viren sind 1 Woche vor Ausbruch des Hautausschlages (bzw. ab 8. Tag nach der Ansteckung) bereits im Rachenspülwasser nachweisbar und findet sich hier noch bis mindestens eine Woche nach Abklingen des Exanthems, manchmal bis zu zwei Wochen. In diesem Zeitraum ist von einer hohen Ansteckungsgefahr auszugehen.

 

Wann ist die Gefahr einer Ansteckung am größten?

Zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit liegen zwei bis drei Wochen (Inkubationszeit). Röteln sind sieben Tage vor Erscheinen des Ausschlags bis sieben Tage danach ansteckend. Sie lassen sich aber besonders leicht während der Blüte der Krankheit übertragen.

 

Wie äußert sich eine Erkrankung an Röteln? Wie verläuft sie?

Die Inkubationszeit beträgt 2-3 Wochen, meist 14 - 16 Tage. Oft treten gar keine Beschwerden auf, bei vielen Kindern verlaufen Röteln unbemerkt. 40 % aller Rötelnerkrankungen bei Erwachsenen verlaufen subklinisch, d. h. ohne typische Symptome. Die Krankheit in ihrer klinischen Form zeigt einen zyklischen Verlauf mit zwei verschiedenen Stadien:

Nach der Krankheit besteht ein lebenslanger Schutz. Man kann Röteln also nur einmal bekommen.

 

Wie behandelt der Arzt Röteln?

Röteln müssen in vielen Fällen nicht besonders behandelt werden. Das Kind sollte sich aber ins Bett legen und schonen. Sie sollten aber immer einen Arzt hinzuziehen, zum einen um dem Kind die Beschwerden zu erleichtern, zum andern, um rechtzeitig Komplikationen durch einen Fachmann erkennen zu lassen. Die Erreger sind Viren, und anders als bei bakteriellen Infektionen steht hier kein Medikament zur Verfügung, um die Viren zu vernichten. Einmal passiert, kann man nur dem Körper helfen, selbst die Viren über sein eigenes Immunsystem zu vernichten. Man spricht auch von einer symptomatischen Therapie. Bei Fieber wird der behandelnde Arzt fiebersenkende Medikamente verschreiben, bei Gelenkentzündung zusätzlich entzündungshemmende.

 

Welche Komplikationen sind möglich?

 

Wann sollten Sie sofort den behandelnden Kinderarzt rufen?

 

Was können Sie unterstützend für ein an Röteln erkranktes Kind tun?

 

Impfung gegen Röteln: Wer, wann, wie?

Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten für zwei unterschiedliche Personengruppen:

Aktive Schutzimpfung: Impfung mit abgeschwächten Lebend-Viren ab dem 12. Lebensmonat, meist in Form der 3-er Kombination Mumps/Masern/Röteln (MMR), Wiederholungsimpfung frühestens 4 Wochen nach der ersten Impfung, in der Regel mit 2 Jahren, spätestens zur Einschulung.

Nur sicher nicht schwangere Frauen dürfen auf diese Weise geimpft werden.

Nebenreaktionen nach Impfung mit diesen Lebend-Impfstoffen sind zwar häufiger, jedoch harmlos. So werden flüchtige Gelenkbeschwerden von 8,1% der geimpften erwachsenen Frauen angegeben. Bei Mädchen im Alter von 12–14 J. werden diese Nebenwirkungen kaum geklagt. Da in diesem Alter Schwangerschaften zu den großen Seltenheiten gehören, wird die Rötelnimpfung vor der Pubertät, am besten wie oben beschrieben, empfohlen. Auch beim Haften einer Infektion nach Impfung scheint es nicht zur Virämie zu kommen. Auch bei unzureichendem Schutz ist eine geimpfte Frau hinsichtlich der embryonalen Komplikationen besser gestellt als eine ungeimpfte

Passive Schutzimpfung: Verabreichung von Antikörpern gegen den Rötelnvirus. Das ist der nachträgliche Schutz für Schwangere, die nicht sicher immun gegen Röteln sind. Trotz der hervorragenden Impfmöglichkeiten gegen die Rötelninfektion in Deutschland sind immer noch 6 % der gebärfähigen Frauen ohne Rötelnschutzimpfung. Wenn eine Frau mit unklarem Immunstatus schwanger wird, sollte als allererstes im Rahmen einer Blutuntersuchung die Rötelnimmunität abgeklärt werden. Wenn nicht ausreichend Antikörper im Blut vorhanden sind und damit die Schwangere noch für Röteln empfänglich ist, so sollte sie durch passive Schutzimpfung mit Rötelnimmunglobulin geschützt werden. Eine aktive Impfung kommt in keinem Fall in Frage!

 

Warum gegen Röteln impfen?

Nach dem oben Gesagten erscheint Röteln Vielen vielleicht als wenig bedrohliche Kinderkrankheit, etwa im Vergleich zu Masern und den dort möglichen Komplikationen. Manche Eltern mögen denken: Warum sollte ich also? Doch es gibt einen viel wichtigeren Grund als die Vermeidung einer Röteln-Erkrankung im Kindesalter, nämlich die Vermeidung einer Röteln-Erkrankung bei Schwangeren und die Verhinderung mißgebildeter Enkel! Und genau deshalb müssen wir in Deutschland flächendeckend gegen Röteln impfen! Manch einer mag einwenden, das geht ja sowieso nur die Frauen etwas an – ja, aber die stecken sich bei jedem an, egal ob Mädchen oder Junge! Damit sich die Röteln-Viren also nicht ausbreiten, sollten sich auch Jungen gegen diese Infektionskrankheit impfen lassen. Außerdem werden verantwortungsbewußte Eltern ihr Kind sowieso gegen Masern und Mumps impfen lassen, und es gibt eine so praktische Dreierkombination (MMR), daß überhaupt kein Grund besteht, nicht gegen Röteln zu impfen, aber sehr viele Gründe dafür sprechen. Also: Damit Sie sich später über gesunde Enkel freuen können, lassen Sie Ihr Kind impfen!

Zurück zur Übersicht Infektionskrankheiten
Andere pharmazeutische Seiten
Home

© Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de