Bernhard Peter
Ausgestorben wie ein Dinosaurier? Mitnichten! Diphterie
(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens)

Was ist Diphtherie?
Die Diphtherie ist eine durch Tröpfcheninfektion übertragene, schwere, manchmal lebensbedrohliche Infektionserkrankung, die durch die Giftstoffe von Bakterien hervorgerufen wird. In der infizierten Region, also meist den Mandeln sowie dem Hals-Nasen-Rachenraum wird eine Entzündung hervorgerufen, die zum Absterben des Gewebes führt. Die besondere Gefährlichkeit erklärt sich durch die Fernwirkung der Giftstoffe auf andere Organe. Durch das Vorhandensein einer Schutzimpfung, eine mögliche Behandlung mit Antibiotika und die Entwicklung eines Gegengiftes hat die Diphtherie heutzutage ihren Schrecken verloren. Dennoch sollte die Erkrankung nicht auf die leichte Schulter genommen werden, nur durch konsequente Impfmaßnahmen lässt sich ein sicherer Schutz erreichen.

 

Diphtherie – gibt’s die Krankheit überhaupt noch?
Die Diphtherie ist durch die aktive Impfung zwar zurückgedrängt und als Krankheit aus dem Bewußtsein der Bevölkerung verdrängt, aber nicht vollständig verschwunden. Sie tritt aufgrund von Impflücken immer wieder lokal begrenzt auf, und ist dann aber mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Insbesondere durch die Öffnung zu Ländern des ehemaligen Ostblocks hat die Krankheit neue Aktualität erlangt. Die Weltgesundheitsorganisation warnt aktuell vor einer neuen Epidemie, vor allem in der ehemaligen Sowjetunion, wo z.B. im Jahr 1994 rund 48.000 Fälle von Diphtherie auftraten, an denen 1.700 Personen starben, 1995 über 50 000 Erkrankungen mit mehr als 1500 Todesfällen. Die WHO hat deshalb in diesen Ländern ein Impfprogramm gestartet. Dazu kommt Diphtherie noch in vielen Reiseländern in Afrika und Asien endemisch vor.

 

Wer ist der Erreger von Diphtherie?
Der Erreger ist ein Bakterium namens Corynebacterium diphtheriae, dessen besondere Fähigkeit die Bildung von Giftstoffen ist. Dabei sind nicht alle Stämme gleich pathogen, die Gefährlichkeit korreliert mit der Eigenschaft, bestimmte Exotoxine zu produzieren. Die beiden Giftstoffe arbeiten zusammen, der eine bindet an Zielzellen und schleust den anderen ein, der andere dringt in die Zielzellen ein und blockiert in den Zellen endgültig die Herstellung von Eiweißen. Das führt letztendlich zum Untergang der betroffenen Zellen. Der Schaden wird also nicht durch die Bakterien selbst, sondern durch von ihnen produzierte Stoffwechselprodukte verursacht. Die Toxine gelangen auf dem Blutweg auch in andere Stellen des Körpers und wirken auch auf Organe ein, die von der eigentlichen Entzündungsstelle weit entfernt liegen, wie zum Beispiel auf Herz, Niere oder Leber. Dies erklärt auch die gefährlichen Komplikationen der Diphtherie.

 

Wie steckt man sich an Diphtherie an?
Die Übertragung erfolgt von Bakterienträgern durch Tröpfcheninfektion wie zum Beispiel durch Husten, Niesen und Küssen. Einziges Reservoir ist der Mensch. Eine indirekte Übertragung über Gegenstände ist zwar prinzipiell möglich, aber unwahrscheinlich.

 

Wie lange ist die Inkubationszeit?
Die Zeit von einer Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt im Durchschnitt zwei bis sechs Tage.

 

Wie verläuft eine Erkrankung an Diphtherie?
Die Verlaufsformen sind, je nach Immunitätslage des Infizierten, sehr unterschiedlich. Vor allem muß unterschieden werden zwischen lokaler Infektion im Hals einerseits und systemischer Giftwirkung sonst wo im Körper andererseits.

Innerhalb weniger Tage kommt es zu allgemeinem Krankheitsgefühl, Fieber, Hals-, Bauch- und Gliederschmerzen. Am häufigsten ist die Rachendiphtherie mit hochroter Entzündung, grau-weißlichen Belägen und kloßiger Sprache. Die Giftwirkung führt bei den gefürchteten, sog. toxischen Verläufen zu Herzmuskelentzündung, Lähmungen (häufig Schluckstörungen), Leber- und Nierenfunktionsstörungen.

Lokale Infektion: Sie betrifft in erster Linie die Schleimhäute in Rachen, Nase und Bindehaut der Augen. Die Erreger vermehren sich in den obersten Hautschichten, das Gift zerstört an Ort und Stelle die Zellen. Die Entzündung führt zu einer Bildung eines grauweißlichen Sekretes, das aus Bakterien, abgestorbenen Zellen, Fibrin, toten weißen Blutkörperchen, Zellmüll und weiteren Zellen des Immunsystems besteht. Dieses Sekret überzieht die befallenen Flächen mit einer Art festsitzender Membran (diphtherische Pseudomembran). Problematisch ist es, wenn die Beläge im Rachen so dick werden, daß sie die Atemwege verlegen. Örtliche Lymphknoten schwellen stark an. Der Höhepunkt der Beschwerden wird nach 4-5 Tagen erreicht. Dabei unterscheidet man unterschiedliche Formen hinsichtlich Ort und Schwere der Krankheit:

Lokalisierte Diphtherie, Mandeldiphtherie, Rachendiphtherie: Beginn mit Abgeschlagenheit, und leichtem, später ansteigendem Fieber. Übelkeit, Hals- u. Schluckschmerzen, oft auch Bauch- u. Gliederschmerzen, selten Erbrechen; auch ohne Allgemeinerscheinungen möglich.

Nasendiphterie: Bevorzugtes Auftreten bei Säuglingen und Kleinkindern. Hauptsächlich sind die Nasenschleimhäute befallen, was zu einer Behinderung der Nasenatmung, serösem oder eitrigem blutigen Schnupfen sowie Erosionen und Krusten am Naseneingang führt. Infolgedessen leiden die Kinder auch unter Unruhe und gestörter Nahrungsaufnahme.

Kehlkopfdiphtherie: Meist auftretend im Gefolge einer Rachendiphtherie, typisch sind ein bellender Husten, zunehmende Heiserkeit, tonlose Stimme. Erschwerte Einatmung führt zu einem Pfeifgeräusch beim Luftholen.

Fortgeschrittenes Stadium der Diphtherie: Intensive und rasche Ausbreitung der Pseudomembran, Membranbildung an mehreren Stellen zugleich, Befall von Mandeln, Rachen, Nasenschleimhaut, Gaumen, Zäpfchen etc. Stärkere Allgemeinerscheinungen. Schwellungen der für diesen Bereich zuständigen Lymphknoten.

Toxische Diphtherie: Schwere Verlaufsform, bei der durch massive Giftwirkung toxische Verläufe auftreten. Ausgedehnte, schmierige, bräunlich-blutige Beläge mit intensiv faulig-süßem Geruch treten auf. Hier ist die Prognose eher schlecht.

Seltenere Ausprägungen sind:

Systemische Giftwirkung: Das Gift entfaltet eine Wirkung an anderen Organen wie z. B. dem Herzen (Herzmuskelentzündung, Rhythmusstörungen), der Leber (Leberentzündung), der Nieren (Funktionseinschränkungen) oder Nebennieren sowie des Nervensystems (verschiedene Lähmungen sind möglich, z. B. eine Schlucklähmung). Häufig treten die Beschwerden erst als Spätschäden auf, wenn die eigentliche Erkrankung vor Ort im Rachen längst abgeklungen ist.

 

Wie kann der Arzt Diphtherie behandeln?
Wichtig ist es hier, zwischen den Bakterien selbst und dem von ihnen produzierten Gift zu unterscheiden.

Wichtig ist die lückenlose Überwachung des Patienten wegen der Erstickungsgefahr. Bei einem Verschluß der Atemwege durch das Zuschwellen der Luftröhre muß ein künstlicher Zugang gelegt werden.

Dazu gilt strenge Bettruhe für fünf bis sechs Wochen.

 

Wie können Sie Diphtherie vorbeugen?
Es gibt eine hervorragende Impfung gegen Diphtherie. Es handelt sich um einen Toxoid-Impfstoff, also nicht um attenuierte Erreger o.ä., sondern um einen ungefährlichen Nachbau des Giftstoffes. Damit ist es einer der sichersten Impfstoffe überhaupt. Ein Abstand zu anderen Impfungen ist ebenfalls nicht erforderlich. Damit lernt das menschliche Immunsystem, das gefährliche Gift, sollte es sich je in echt blicken lassen, sofort wirksam zu eliminieren. Damit können die schweren toxischen Schäden verhindert werden. Wichtig: Der Impfstoff schützt vor dem Gift, nicht vor den Bakterien. Auch ein Geimpfter kann also Keimträger sein, ohne daß er etwas davon merkt. Die Diphtherie-Schutzimpfung wird normalerweise routinemäßig im Säuglings- und Kindesalter vorgenommen (siehe unser Impfplan). Nach kompletter Grundimmunisierung (3 Impfungen, kein Höchstabstand, jede Impfung zählt) sind Auffrischimpfungen alle 10 Jahre notwendig, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten. Erwachsene erhalten eine gegenüber Kindern reduzierte Dosis. Idealerweise kann man die Diphtherie-Auffrischung mit der Tetanus-Auffrischimpfung durch einen Kombinationsimpfstoff verbinden.

 

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