Bernhard Peter
Flugthrombosen vorbeugen!

(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit Ihrem Arzt)

Urlaubszeit - Reisezeit: Wie hoch ist das Risiko, bei Flugreisen an einer Thrombose zu erkranken? In der "Münchener Venenstudie" waren 8% der postthrombotischen Symptome auf eine Fernreisethrombose zurückzuführen. Nach Untersuchungen am Flughafen Heathrow sind 18% der Todesfälle nach einem Langstreckenflug (> 4 h Dauer) auf eine Lungenembolie zurückzuführen. Prinzipiell gilt: Das Risiko, eine Reisethrombose zu erleiden, ist insgesamt gesehen zwar relativ gering. Individuelle Risikofaktoren lassen aber für den Einzelnen häufig ein wesentlich höheres Risiko entstehen. Wenn eine Reisethrombose auftritt, handelt es sich um ein ernstzunehmendes Krankheitsbild, das tödlich enden kann. Also: Finden Sie Ihr persönliches Risikoprofil und ergreifen Sie danach geeignete Gegenmaßnahmen, um unbeschwert in die Ferien fliegen zu können!

Risikofaktoren für thromboembolische Erkrankungen:

Wenn Sie einen oder gar mehrere Punkte für sich mit "Ja" beantwortet haben, sollten Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Das Risiko hängt auch von der Länge des Fluges ab: Langstreckenflüge bergen Risiken auch für Venengesunde. Kurz nach größeren Operationen, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt eine längere Flugreise meist überhaupt nicht in Frage.

 

Wie entsteht eine Reisethrombose?

Zur Entstehung einer Thrombose braucht es drei Faktoren.

  1. Stau des Blutstromes in den Venen, verringerte Fließgeschwindigkeit oder veränderte Strömungsdynamik
  2. Schädigung der inneren Oberfläche der Venen (Endothelschäden)
  3. Veränderte Gerinnung des Blutes

Das reglose mehrstündige Sitzen mit abgewinkelten Knien und wenig Bewegungsfreiheit für die Beine ("Economy Class Syndrom") erschwert den Rücktransport des Blutes aus den Beinen zum Herzen. Durch den Flüssigkeitsstau weiten sich die Adern, die Klappenmechanismen funktionieren schlechter, es kommt zu Stillstand des Blutstromes in bestimmten Bereichen (1.) und dadurch zum Zusammenbacken der Blutbestandteile. Allein schon durch den verminderten Druck in der Kabine kommt es zu einer Anschwellung der Unterschenkel und zu einer mechanischen Reduzierung der Fließgeschwindigkeit in den Venen (1.). Im schlimmsten Fall kann das Blut durch den Stillstand innerhalb der Adern gerinnen. Weil der Sauerstoffpartialdruck in der Flugzeugkabine geringer als sonst ist, ist die Gerinnung erleichtert (3.). Ob sich Blutbestandteile an den Gefäßwänden anhaften und den Ausgangspunkt eines Gerinnsels bilden, hängt von der individuellen Beschaffenheit der Adern ab (2.). Eine Thrombose ist die Verlegung oder der Verschluß einer Vene durch ein solches Gerinnsel. Löst sich dieses Gerinnsel, besteht die Gefahr einer lebensgefährlichen Lungenembolie.

 

Wie macht sich eine Thrombose bemerkbar?

Das Tückische: Die Erkrankung tritt meist erst bis zu 5 Tage nach dem Flug auf. In leichten Fällen wird man nur ein Schweregefühl in den Beinen haben. Ist aber eine Thrombose entstanden, macht sie sich durch Schwellung, Rötung, Spannungsgefühl und Schmerzen bemerkbar. Im Zweifelsfall einen Arzt aufsuchen!

 

Wie können Sie selbst vorbeugen?

Die Vorbeugung orientiert sich an den drei Faktoren zur Entstehung einer Reisethrombose:

1. Verhinderung eines venösen Staus, Erhöhung der Fließgeschwindigkeit oder verbesserte Strömungsdynamik

2. Endothelschäden können Sie nur langfristig durch gesunde Ernährung und Lebensweise etc. vermeiden. Eine kurzfristige Beeinflussung scheidet aus.

3. Erhöhung der Fließfähigkeit und medikamentöse Verringerung der Gerinnungsneigung des Blutes

Last, but not least: Das hier über Flugreisen Gesagte gilt natürlich sinngemäß genauso für lange Auto- oder Bahnfahrten ohne ausreichende Pausen!

Kommen Sie gesund aus dem Urlaub zurück!

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