Bernhard Peter
Windeldermatitis
Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens!

Was ist eine Windeldermatitis?

Man nennt Hautreizungen, die im Windelbereich des Babys entstehen, Windeldermatitis. Es ist eine entzündliche Hauterkrankung, deren Entstehung von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Sie wird nicht durch das Material der Windel, sondern durch den ständigen Kontakt der Haut mit Urin und Stuhl ausgelöst. Dieser und das feuchtwarme Klima schwächen den natürlichen Abwehrschutz der zarten Kinderhaut und begünstigen sekundär die Besiedelung durch Mikroorganismen, Bakterien und Pilze, hauptsächlich durch den Hefepilz Candida albicans (alter Bekannter vom Soor).

Es kommt zu typischen Anzeichen einer Entzündung: Schwellung, Rötung, Nässen, Schmerzen, Pustelbildung, Bläschenbildung, Krustenbildung oder auch Schuppung, die sich vom Gesäß in Richtung Genitalien/Unterbauch und Oberschenkelinnenseite ausbreiten. Ist die Haut erst einmal angegriffen, ist eine Abheilung schwierig, solange das feuchtwarme Windelmilieu bestehen bleibt. In besonders schweren Fällen gehen die Pickelchen oder Bläschen des Ausschlags auf und beginnen zu bluten.

Wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung wie zur Behandlung ist das Trockenhalten der Haut. Weitere Maßnahmen sind häufiger Windelwechsel, das Anwenden von Cremes zum Schutz der Haut bzw. von entzündungshemmenden Salben oder Pasten. Ist eine Besiedlung mit Bakterien oder Pilzen erfolgt, muß auch gezielt mit Medikamenten gegen diese vorgegangen werden.

Die Windeldermatitis ist eine Standard-Erkrankung im Säuglingsalter, fast jedes Baby macht sie mindestens einmal in zumindest leichter Form durch. Am häufigsten beobachtet man die Windeldermatitis zwischen dem 2. und dem 4. Lebensmonat. Zumindest in ihrer leichten Form bleibt die Windeldermatitis so gut wie keinem Kind im Windelalter erspart. Alter, Ernährung, soziale Bedingungen, Hygienebedingungen und Klima beeinflussen die Häufigkeit und Schwere einer Erkrankung.

 

Wodurch wird eine Windeldermatitis hervorgerufen?

Zweierlei muß unterschieden werden: Zum einen die Schaffung von Bedingungen, unter denen die ohnehin zarte Babyhaut angegriffen wird und zum anderen solcher, unter denen sich die Mikroorganismen pudelwohl fühlen. Die Keime selbst sind omnipräsent, sie nutzen nur optimale Bedingungen zur massiven Vermehrung. Während eine intakte Haut für Erreger aller Arten schwer angreifbar ist, kommt es auf der vorgeschädigten Haut leicht zu einer Superinfektion durch Bakterien (häufig Staphylococcus aureus) und Pilze (meist Candida albicans) und einer Abwehrreaktion des Körpers in Folge, die dann für die typischen Beschwerden (Entzündung) verantwortlich ist.

Die Haut verliert ihren natürlichen Schutz wie folgt:

Weil der natürliche Schutzmantel der Haut, sowohl die mechanische Barriere als auch der chemische Schutzschild angegriffen ist, können sich leicht krank machende Bakterien und auch Hefepilze, die immer irgendwie und irgendwo vorhanden sind, auf der Haut ausbreiten. Feuchtigkeit und Wärmestau begünstigen die Vermehrung der Mikroflora (Keimflora) im Windelbereich. Auf diese massive Besiedlung reagiert die Haut mit Entzündung.

 

Wie äußert sich eine Windeldermatitis?

Die sichtbaren Merkmale einer Windeldermatitis können je nach Sachlage verschieden stark ausgeprägt sein, die Babys zeigen sich auch unabhängig von der Ausprägung unterschiedlich stark betroffen.

Am häufigsten ist das Bild einer Windeldermatitis mit folgender Hefepilz-Besiedlung geprägt von scharf begrenzten, feucht glänzenden Rötungen mit Schuppensaum in der Gesäßfalten- und Genitalregion. In der weiteren Umgebung sieht man einzelne, stecknadelkopfgroße Knötchen, manchmal auch kleine Pusteln.

Wenn sich sekundär Bakterien auf der Haut angesiedelt haben, ist ein hartnäckiges Nässen der geröteten Bereichte typisch, dazu Pusteln oder Bläschen. In schlimmen Fällen kann es zu offenen, blutenden Wunden kommen, die unter Zurückbleiben von Narben abheilen.

 

Welche Komplikationen können auftreten?

Es ist möglich, daß ein Kind außergewöhnlich häufig an einer Windeldermatitis erkrankt, also viele Rückfälle erleidet. Das ist insbesondere bei nachlässiger Hygiene der Fall, oder wenn erschwerend viele auslösende Faktoren zusammentreffen, etwa noch eine Behandlung mit Antibiotika oder ein Durchfall.

Es ist ferner möglich, daß die Erkrankung sich auf andere Körperregionen ausdehnt. In einigen Fällen treten plötzlich am Stamm, an Armen und Beinen, im Gesicht und am behaarten Kopf kleinfleckige, schuppende Rötungen auf, die im Extremfall zu einem großflächigen Befall der gesamten Haut führen können.

Kehrt die Windeldermatitis trotz guter Vorbeugung und Behandlung hartnäckig wieder, sollte das Baby auf grundsätzliche Erkrankungen wie Allergien, Erkrankungen des Immunsystems oder andere infektionsbegünstigende Allgemeinerkrankungen untersucht werden.

 

Wie können Sie eine Windeldermatitis behandeln?

Im Vordergrund stehen Maßnahmen zur Vermeidung von Feuchtigkeitsstau sowie Wärmestau. Gut sind:

Vermeidung von Reibung:

Entziehen Sie den Hefepilzen ihre Lieblingsnahrung: Eine zuckerarme Ernährung zeigt oft gute Ergebnisse.

Heilungsfördernde Salben: Wundschutzsalben oder -pasten mit

Das Zinkoxid deckt das Entzündungsgebiet ab, trocknet den Entzündungsherd aus und schützt vor äußeren Einflüssen, die die Heilung verzögern können. Eine hautfreundliche Paste mit Zink eignet sich besser zur Heilungsförderung als normale Fettcremes. Die Wundheilung wird auch durch Dexpanthenol beschleunigt, das in verschiedenen Darreichungsformen angeboten wird. Zinkhaltige Salben und Pasten enthalten meist fette Öle, damit sie leichter zu verstreichen sind. Die weiche Zinkpaste enthält hierzu etwas Paraffinöl. Besonders günstig sind zinkhaltige Zubereitungen, die zusätzlich noch Lebertran enthalten. Lebertran macht die Salbe weich und streichfähig und enthält außerdem Vitamin A, das die Heilung fördert.

Keimtötende Salben: Je nach Erreger (Hefepilze oder Bakterien) muß mit antibiotischen oder antimykotischen (z. B. mit Nystatin) Salben behandelt werden. Wenn Sie im Windelbereich Ihres Kindes Veränderungen auf der Haut feststellen, sollten Sie die Ursache vom Kinderarzt abklären lassen. Er kann feststellen, ob die Entzündung durch unverträgliche Nahrungsmittel oder durch eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen ausgelöst wurde und das richtige Medikament auswählen.

Bei einer Besiedlung mit dem Hefepilz Candida albicans ist manchmal auch gleichzeitig die Mundschleimhaut betroffen ist, dann sollte man eine Mitbehandlung des Magen-Darm-Traktes in Erwägung ziehen. Das ist sinnvoll, weil sonst aus dem Darm immer neue Hefekeime austreten, die die Haut von neuem besiedeln können.

Üblicherweise heilt eine Windeldermatitis innerhalb weniger Tage aus, wenn die begünstigenden Milieufaktoren im betroffenen Bereich ausgeschaltet werden und Erreger, die sich zwischenzeitlich breitgemacht haben, gezielt bekämpft werden.

 

Wie können Sie eine Windeldermatitis vermeiden?

Hier gelten genau die gleichen Maßnahmen zur Vermeidung von Reibung, Wärme- und Feuchtigkeitsstau:

Vermeidung von Reibung: Nur vorsichtig mit dem Handtuch trocken tupfen, nicht reiben.

Durch die Ernährung läßt sich der pH-Wert in den Ausscheidungen im Sauren halten. Auch bei gestillten Kindern, bei denen Windeldermatitiden seltener auftreten, hat man im Stuhl niedrigere pH-Werte festgestellt.

Pflege:

 

Zurück zur Übersicht Mutter und Kind
Andere pharmazeutische Seiten
Home

© Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de