Bernhard Peter
Bilharziose als Reisekrankheit
(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit Ihrem Arzt)

Was ist Bilharziose?

Bilharziose nennt man die Erkrankung an Pärchenegeln. Das sind Saugwürmer, auch Schistosomen genannt, die in tropischen Gebieten große Bedeutung als Gefahrenquelle für die Bevölkerung haben. In Zentraleuropa tritt sie dagegen nur als Reisemitbringsel auf. Typisch für die Bilharziose ist ein parasitärer Kreislauf zwischen Mensch und Süßwasser-Schnecken. Die besondere Gefahr liegt darin, daß die Larven durch die intakte menschliche Haut eindringen können. Es gibt verschiedene Arten von Bilharziose, die im Nachfolgenden näher erläutert werden. Sie heißen Pärchenegel, weil das relativ dicke Männchen mit seinem Körper eine Rinne formt, in der das fadenförmige Weibchen lebt.

 

Wo kommt Bilharziose vor?

Die Bilharziose ist eine typische Tropenkrankheit. Sie hat eine große Bedeutung, ca. 250-300 Millionen Menschen sind weltweit mit Pärchenegeln infiziert. Besonders kritisch ist das Expositionsrisiko in tropischen Reisanbaugebieten (Südostasien) oder in amphibischen Lebensräumen (Iraqische Sümpfe, Sudd), weil die Menschen dem Wasserkontakt praktisch nicht ausweichen können und andererseits die Verbreitungsbedingungen für den Parasiten optimal sind. 600 Millionen Menschen sind weltweit der Gefahr einer Infektion ausgesetzt. Das Risiko einer Erkarnkung nimmt derzeit rapide zu, in erster Linie wegen Bewässerungsprojekten in der Landwirtschaft und Staudammbauten in den Tropen. Auf diese Weise werden neue Lebensräume für die zwingend notwendigen Zwischenwirte (Schneckenarten) geschaffen. Ein weiteres schlechtes Beispiel ist der Nasser-Stausee in Ägypten: Früher wurden mit der Nilschwelle einmal jährlich die ganzen Kanäle des Mündungsdeltas durchspült. Heute bleibt diese natürliche Reinigungsaktion aus, und die langsam dahinfließenden Delta-Arme und Kanäle bieten ein ideales Vermehrungsgebiet für Parasit und Zwischenwirt. Dazu wird in vielen Ländern bei schlechten hygienischen Verhältnissen sehr sorglos mit menschlichen Ausscheidungen umgegangen, was den Entwicklungszyklus der Parasiten weiter begünstigt. Insgesamt tritt die Bilharziose in 79 Ländern in Afrika, Asien und Südamerika auf. Es sind mehrere Erreger bekannt.

 

Erreger Region Länder mit ausgeprägter Verbreitung zusätzliche Erreger-Reservoire
Schistosoma haematobium Afrika und Südwestasien Ägypten, Algerien, Indien, Iran, Iraq, Jemen, Libanon, Libyen, Marokko, Madagaskar, Mauritius, Syrien, Saudi-Arabien, Türkei, Tunesien, weite Teile Schwarz-Afrikas Affen, geringe Bedeutung
Schistosoma intercalatum Afrika Gabun, Kamerun, Kongo, Tanganjika, Zentralafrikanische Republik Rinder, Pferde, Antilopen, Gazellen
Schistosoma mansoni Afrika, Südwestasien, Mittelamerika, Südamerika Ägypten, Brasilien, Jemen, Karibik, Libyen, Madagaskar, Oman, Saudi-Arabien, Surinam, Venezuela, weite Teile Schwarz-Afrikas Nagetiere, Affen, von geringer Bedeutung
Schistosoma japonicum Ostasien China, Indonesien (Sulawesi), Japan, Philippinen, Taiwan Rinder, Hunde, Ratten
Schistosoma mekongi Südostasien Kambodscha, Laos, Malaysia, Thailand Hunde

 

Die wichtigsten Verbreitungsgebiete von Bilharziose:

 

 

Der parasitäre Kreislauf der Bilharziose

Eine infizierte Person scheidet Eier aus, je nach Art des Parasiten über den Stuhlgang oder über den Urin. Wenn diese Eier mit den Fäkalien in wäßrige Umgebung (Abwässer, Flüsse, Seen etc.) gelangen, werden aus ihnen sog. Mirazidien freigesetzt, welche einen passenden Zwischenwirt aufsuchen. Es handelt sich also um Parasiten mit Wirtswechsel, verschiedene Stadien pendeln zwischen Zwischenwirt (Schnecke) und Endwirt (Mensch) hin und her. In den Süßwasser-Schnecken wandeln sich die Mirazidien in weitere Stadien um, erst in Muttersporozysten, dann in Tochtersporocysten, aus denen schließlich sog. Zerkarien hervorgehen. Diese Zerkarien schwärmen ca. 3-6 Wochen nach dem Eindringen der Mirazidien in die Schnecke von der Schecke ausgehend im amphibischen Biotop aus und suchen sich einen Endwirt, also den nächsten Reisbauern oder Touri, der leichtsinnig seinen blanken Fuß in eine solche Pfütze steckt. Diese Zerkarien sind ca. 0,3 bis 0,6 mm lang. In der Regel sind sie, in Abhängigkeit von der Temperatur des Gewässers, zwei Tage lebensfähig. Mit einem kleinen gegabelten Ruderschwanz versehen, können die Zerkarien frei im Gewässer herumschwimmen, oder sie warten einfach an der Wasseroberfläche auf das nächste Opfer. Haben sie ein solches gefunden, genügen ihnen wenige Minuten, um durch die intakte Haut einzudringen. Das geschieht nicht mechanisch, sondern chemisch-enzymatisch – das Gewebe wird an der betreffenden Stelle einfach aufgelöst. Nach dem Einbohren in die Haut verlieren sie den jetzt nutzlosen Ruderschwanz und wandern durch das Gewebe, bis sie einen Eingang in das Blutgefäßsystem (Venen) bzw. Lymphsystem gefunden haben. Von dort lassen sie sich mit dem Strom des Blutes durch den großen Kreislauf bis ans Zielorgan treiben, irgendwann kommen sie in die Pfortader zur Leber, dort finden sie optimale Bedingungen, um sich zu richtigen, erwachsenen Pärchenegeln zu entwickeln. Wenn sie geschlechtsreif werden, vereinigen sich Männchen und Weibchen zu Paaren, wobei das fadenförmige Weibchen in der Körperfalte des Männchens wie in einer Rinne zu liegen kommt, zusammen wandern sie in die Venengeflechte des Darmes bzw. der Harnblase. Dort beginnen sie mit der Eiproduktion, die Eier gelangen durch die Gefäßwand in das umliegende Gewebe und rufen Entzündungen hervor. Je nach Schistosomenart produzieren die Weibchen zwischen 300 und 3000 Eier pro Tag. Diese Eier sind mit einem Stachel ausgerüstet, der es ihnen gestattet, sich im Gewebe zu verankern. Die Eier, denen es gelingt, in den Hohlraum der Harnblase bzw. des Darmes zu finden, begründen einen neuen Zyklus, die anderen rufen Gewebsentzündungen hervor und gehen selbst zugrunde. Die Zeit vom Eindringen der Zerkarien bis zum Auftreten von Beschwerden durch erwachsene Würmer beträgt je nach Art 5-12 Wochen; die Würmer überleben im Menschen im Schnitt 2-5 Jahre, einzelne jedoch deutlich länger.

 

 

Wie kann man sich an Bilharziose anstecken?

Folgende Faktoren halten den parasitären Kreislauf der Bilharziose aufrecht:

Auch eine Infektion über verseuchtes Trinkwasser ist möglich!

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch, also eine direkte Ansteckung ist in jedem Fall unmöglich.

 

Wie äußert sich Bilharziose?

Es lassen sich drei unterschiedliche Phasen beobachten:

 

Was ist die sog. Zerkarien-Dermatitis?

Die Badedermatitis, auch Zerkarien-dermatitis genannt, entsteht auch durch Zerkarien. Es gibt viele Arten von Schistosomen, auch solche, die sich eigentlich nicht im Menschen vermehren, sondern in anderen Tieren, z. B. Vögeln oder anderen Säugetieren. Der Mensch ist für sie eine Sackgasse, sie gehen in menschlichem Gewebe kaputt. Dennoch können die Zerkarien dieser Arten in die Haut eindringen und einige Tage überleben. Das reicht aus, um die Abwehrsysteme des Menschen zur Weißglut zu bringen. Wenn ein erneuter Kontakt mit diesen Zerkarien besteht, reagiert die Immunabwehr des Menschen über: Innerhalb weniger Stunden kommt es zu Juckreiz, Rötung, Quaddelbildung oder zu Papeln.

 

Wie kann man Bilharziose behandeln?

Mittel der Wahl ist Praziquantel, mit dem der Arzt eine diagnostizierte Bilharziose behandeln kann. Der Wirkstoff ist gut verträglich und ist gegen alle gängigen Schistosoma-Arten wirksam.

 

Kann man sich gegen Bilharziose impfen lassen?

Nein, eine Impfung ist nicht möglich, und das aus prinzipiellen Gründen. Es handelt sich bei dem Parasiten um ein Tier, dessen Zelloberflächen unseren eigenen zu ähnlich ist, um das menschliche Immunsystem gezielt und selektiv dagegen zu sensibilisieren. Die Frage der Immunität nach überstandener Erkrankung ist etwas komplizierter. Man findet häufig bei älteren Erkrankten eine Situation, daß zwar der Körper nicht in der Lage ist, die in ihm lebenden Schistosomen zu töten, daß die Patienten aber durch die bestehende Krankheit vor einer weiteren Infektion mit Zerkarien ganz oder teilweise geschützt sind.

 

Wie können Sie einer Erkrankung vorbeugen?

Zur Bekämpfung der Bilharziose kommen viele Maßnahmen in Frage, die außer der Abwässer-Hygiene alle mehr oder weniger rabiate Eingriffe in empfindliche Ökosysteme darstellen und erheblichen Kollateralschaden haben:

Als Tourist steht eine reine Verhütungsmaßnahme im Vordergrund, die konsequent eingehalten werden sollte:

Kommen Sie gesund aus dem Urlaub zurück!

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