Bernhard Peter
Insuline: Gentechnische Herstellung von Human-Insulin in Saccharomyces cerevisiae
(Bitte besprechen Sie im Zweifelfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens!)

Eine weitere Möglichkeit der gentechnischen Herstellung von Humaninsulin ist die in Hefezellen, entwickelt von der Firma Novo Nordisk. Entscheidender Unterschied ist, daß das Wirtssystem jetzt keine Prokaryonten mehr sind, sondern eukaryotische Hefezellen, die Einiges mehr vermögen, z. B. können sie korrekte Disulfidbrücken liefern. Weiterhin ist die Synthese ohne endständiges Methionin möglich, sodaß insgesamt viele Aufarbeitungsschritte, wie sie bei Escherichia coli als Wirtszelle nötig sind, entfallen. Eine Besonderheit dieses Verfahrens ist die Codierung eines verkürzten C-Peptides – es besteht nur aus drei Aminosäuren. Es spart Material und wirkt sich sehr günstig auf die korrekte Verknüpfung der SH-Gruppen miteinander aus. Es ist nach Isolierung des modifizierten "Bonsai-Proinsulins" nur ein winziger partialsynthetischer Schritt notwendig: Das C-Peptid wird enzymatisch herausgeschnitten, an die C-terminale Schnittstelle wird die Aminosäure Threonin gesetzt, welche mit einem tert-Butylester als Schutzgruppe versehen ist. Trypsin schneidet immer nach basischen Aminosäuren, also hier nach Lysin (B29) bzw. nach dem Lysin des C-Peptids. Dieses Schneiden ist auch der Grund dafür, daß das endständige Threonin nicht gleich zur Synthese in der Hefe mitcodiert wird. Gefährdet wäre auch Arginin (B22). Die Bedingungen werden bei diesem Verfahren exakt so eingestellt, daß nur zweimal, und zwar an den richtigen Stellen geschnitten wird. In einem nächsten Schritt wird die Schutzgruppe des Threonins (B30) abhydrolysiert, wodurch man biologisch aktives Humaninsulin erhält.

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