Bernhard Peter
Das Blutzuckerlangzeitgedächtnis: HbA1c
(Bitte besprechen Sie im Zweifelfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens!)

Was ist HbA1c?
Hb ist die Abkürzung für den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, welcher in den roten Blutkörperchen ist und den Sauerstoff transportiert. Von diesem Hämoglobin gibt es mehrere Untergruppen, eine davon wird A1c genannt, das ist diejenige, an die sich Traubenzucker (Glucose) nichtenzymatisch längerfristig fest binden kann, so daß „verzuckertes“ Hämoglobin entsteht. Die Untergruppe HbA1c macht ca. 25% des gesamten HbA1 aus.

Wie wird HbA1c gebildet?
Glucose kann sich prinzipiell an Hämoglobin binden. Wenn viel Glucose im Blut ist, wird sich viel binden, wenn wenig Glucose im Blut ist, kann sich nur wenig binden. Das Verhältnis aus „unverzuckertem“ und „verzuckertem“ Hämoglobin ist damit ein Maß für die Glucose, die frei im Blut ist.

Was ist der Vorteil einer Messung des HbA1c?
Glucose kommt und verschwindet wieder im Blut – wer zu spät mißt, findet sie nicht mehr. Dagegen ist der HbA1c das Langzeitgedächtnis: Wenn das Hämoglobin Glucose gebunden hat, dann hält es sie erst nur leicht fest, aber nach ca. 6-8 Stunden geht das in eine dauerhafte Bindung über, so daß wir auch noch Tage und Wochen später sehen können: Hier war mal längere Zeit sehr viel Glucose im Blut! Der Zucker bleibt so lange hängen, bis die roten Blutkörperchen recycelt werden – also maximal bis 120 Tage, denn das ist die durchschnittliche Lebensdauer eines roten Blutkörperchens. Kurzfristige Blutzuckerspitzen reichen nicht für eine dauerhafte Bindung von Glucose aus. Der HbA1c-Wert ist also ein Summen-Wert, der alle längerfristigen Ausrutscher und Ausreißer der vergangenen Wochen registriert und aufsummiert. Und wer mit einem reinen Gewissen zur Messung kommt, weil er die letzten drei Tage „brav“ war – der HbA1c ist nicht zu überlisten und sagt, was in den Wochen davor los war!

Was sagt der HbA1c aus?
Der Wert eignet sich zur Verlaufskontrolle einer diabetischen Erkrankung bzw. Behandlung. Je länger der Blutzucker in den letzten 6-12 Wochen überhöht war und je häufiger dies vorkam und je höher der Blutzucker jeweils war, desto höher ist der aktuelle HbA1c. Damit ist der Wert ein Maß für die Qualität der Einstellung eines Diabetikers in den zurückliegenden Wochen und auch ein Maß für die Disziplin des Diabetikers bei gegebener Einstellung.

Wo sollte der HbA1c liegen?
Gut eingestellte Diabetiker haben einen HbA1c von 6-7% oder weniger, das ist der Wert, den auch Stoffwechselgesunde aufweisen.

Wie kann man einen schlechten HbA1c-Wert wieder verbessern?
Der Blutzuckerspiegel muß über einen längeren Zeitraum niedriger liegen als vorher. Blutzuckerspitzen müssen vermieden werden. Nahrungsaufnahme, Insulin, Tabletten, körperliche Aktivität – das muß alles in Zusammenarbeit mit dem betreuenden Arzt besser aufeinander abgestimmt werden. So unangenehm das Wort auch klingt – Disziplin! Das heißt: häufigere Selbstkontrollen und besseres Gegensteuern bei Abweichungen!

Warum sollte man den HbA1c ernst nehmen?
Der HbA1c sagt letztendlich aus, in welchem Ausmaß der Stoffwechsel nicht mehr im Lot war. Und je weniger er im Lot ist, desto größer ist das Risiko für Folgeerkrankungen des Diabetes.

Wie oft sollte der HbA1c bestimmt werden?
1x pro Quartal. Höre ich da Protest? Ja? Dann denken Sie mal darüber nach, was Sie von einem Autofahrer halten, der schwarzes Klebeband auf die Tankanzeige klebt und sich dann wundert, wenn er liegenbleibt. Alles klar soweit?

Gibt es noch andere Mittel, den Verlauf eines Diabetes zu beurteilen?
Es gibt noch den Fructosamin-Wert. Dabei werden verschiedene verzuckerte Eiweiße im Blut gemessen. Fructosamin hat nichts mit dem Fruchtzucker namens Fructose zu tun, sondern kennzeichnet ein glykosyliertes Eiweiß im Blutplasma. Der Wert liegt normalerweise bei 205-285 µmol/l und erlaubt eine Verlaufsbeurteilung für die letzten 2-3 Wochen. Zu hohe Werte (ab 370 µmol/l signalisieren eine schlechte Einstellung. In der Praxis hat sich der Wert jedoch nicht bewährt.

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