Bernhard Peter
Zeckeninfektion mit Tarnkappe: Borreliose!

(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit Ihrem Arzt)

 

Wie bekommt man Borreliose?

Die Krankheit Lyme-Borreliose wird durch Zecken übertragen. Die Erreger, schraubenförmige Bakterien, leben im Verdauungstrakt der Zecken. Beim Biß, um Blut zu saugen, gelangen die Bakterien in den menschlichen Körper. Das Risiko, an Borreliose zu erkranken, deckt sich mit Aktivitäten in freier Natur - typischerweise betroffen sind in der Landwirtschaft tätige Personen, Camper, im Freien spielende Kinder, Jäger, Förster, Gärtner, Wanderer, Natur­freunde, Hobbybotaniker, Haustierbesitzer, Angler, Schäfer, Hobbygärtner, Jogger.....

 

Achtung: Zecken sind Krankheitsüberträger!

Im Laufe der letzten Jahre hat die Bedeutung von Zecken als Krankheitsüberträger zugenom­men, dies vor allem, weil die Anzahl der Zecken in Wald und Flur durch die gestiegenen Rotwildbestände insgesamt zugenommen hat. Dabei übertragen Zecken neben weiteren, seltenen Erkrankungen vor allem FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis) und Borreliose, zwei ganz unterschiedliche Krankheiten. Gegen FSME kann man sich imp­fen lassen, gegen Borreliose noch nicht. Dagegen kann man Borreliose mit Antibiotika behandeln, während es gegen die Erreger von FSME noch kein Mittel gibt. Das Borreliose-Risiko ist überall gegeben. Dabei können alle Entwicklungsstadien der Zecken, die Larve, die Nymphe und die erwachsene Form die genannten Krankheiten übertrgen, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit zunehmendem Alter der Zecke und zunehmender Zeitdauer des Saugens steigt.

 

Wie verläuft eine Erkrankung an Borreliose?

Es gibt typischerweise drei Stadien der Erkrankung, die fließend ineinander überge­hen können oder aber auch durch lange, beschwerdefreie Zwischenräume getrennt sein können:

1. Stadium: Scheinbar harmlose Grippe-Beschwerden, die wieder vergehen. Typisch die Wanderröte: Um den Biß herum entwickelt sich eine erst scheiben-, später ringförmige Rötung, deren Durchmesser immer größer wird. Die Rötung kann auch an mehreren Stellen zugleich auftreten. Inkubationszeit 3-30 Tage.

2. Stadium: Vielfältige Rötungen der Haut (Ringe oder Flecken), vergeht aber wieder von alleine. Ansammlungen weißer Blutkörperchen können zu Schwellungen an verschiedenen Stellen des Körpers führen. Kurzfristige rheumatische Beschwerden an Gelenken.

3. Stadium: Gelenkentzündungen (an vielen versch. Gelenken, besonders häufig am Knie), Schäden im Nervensystem, Hautschäden, Herzkrankheiten (Rhythmusstörungen, Herzmuskelentzündungen) möglich. Vielfältiges Krankheitsbild.

 

Was ist das Problem bei Borreliose?

Häufig werden die Beschwerden nicht mit einem Zeckenbiß in Zusammenhang gebracht, weil ein Zeckenbiß häufig unbemerkt bleibt und weil zwischen Biß und Erkrankung oftmals viel Zeit vergeht

Das Erkennen der Frühstadien ist schwierig, weil nur in 50% aller Fällen die typische Wanderröte auftritt und weil diese Röte manchmal erst Wochen nach dem Biß auftritt (wenn die Zecke längst vergessen ist). Es ist dazu eine Tarnkappen-Infektion: Die Beschwerden umfassen fast alles, wie z. B. "Grippe", Bauchschmerzen, Binde­hautentzündung, Bronchitis, Durchfall, Erbrechen, Gelenkschmerzen, Gewichtsabnahme, Haarausfall, Rückenschmerzen, Schweißausbrüche, Herzstolpern, Nackensteifigkeit - wer denkt dabei gleich an einen Zeckenbiß als Ursache?

Die Beschwerden in den beiden ersten Stadien verschwinden "von selbst" und wiegen den Betroffenen in falscher Sicherheit.

Das Erkennen der Spätstadien ist schwierig, weil die Beschwerden denen anderer Erkrankungen (z. B. Rheuma, Bandscheibenvorfall, Thrombose, Karpaltunnelsyndrom, Sehnenscheidenentzündung, Multiple Sklerose etc. ) ähneln. Borreliose imitiert Krankheiten - es gibt an Beschwerden nichts, was es nicht gibt!

 

Gibt es eine Impfung gegen Borreliose?

Nein, derzeit noch nicht. In den USA ist bereits ein Impfstoff entwickelt worden, der aber nicht vor den in Europa üblichen Erregervarianten schützt. In den nächsten Jahren sind Neuheiten zu erwarten.

 

Wo und wann ist das Risiko am größten?

Zecken kommen hauptsächlich an Wald- und Wegrändern, auf Waldlichtungen mit hochwüchsigen Gräsern, in naturbelassenen Wiesen, Laub- und Mischwäldern, Laubstreu o.ä. vor. Wirtssuchende Zecken befinden sich je nach Stadium bis zu einer Höhe von 1-1,5 m an Gräsern, Büschen, Farnen etc. Sie verdauen ihre letzte Blutmahlzeit im Laub am Boden. Wenn sie dann wieder Gelüste nach Blut bekommen, erklettern sie Grashalme oder Stauden. Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, das ist ein hartnäckiges Gerücht, sondern sie werden im Vorübergehen von Pflanzen abgestreift bzw. sie nehmen die höhere Körpertemperatur des Menschen wahr und streben der Wärmequelle zu. Zecken haben keine Augen, aber sie können Körperwärme, Buttersäure (Schweiß!) und ausgeatmetes Kohlendioxid wahrnehmen. Daran bemerken sie uns!

Auch die Jahreszeit ist von Bedeutung: Generell ist Saison von März bis Oktober, höchste Aktivität der Zecken April bis Juli, September. Das Risiko nimmt rasant zu: Allein in Deutschland treten jährlich vermutlich mehrere zehntausend Neu-Infektionen auf! In Deutschland schätzt man die Zahl der chronisch Infizierten mittlerweile auf rund eine halbe Million! Man geht davon aus, daß 20% aller Zecken den Erreger der Borreliose in sich tragen.

 

Wie können Sie sich schützen?

Repellents: Insektenabwehrmittel wirken in begrenztem Umfang auch gegen Zecken. Das Mittel sollte häufiger angewandt werden als zur Mückenabwehr (ca. alle 2 Stunden).

Meiden von Infektionsgebieten in den Hauptmonaten, nur angelegte Wege benutzen, Unterholz meiden (Vorsicht beim "Austreten" im Gebüsch!

Geschlossene Kleidung, z. B. Jeans, dabei Saum eingesteckt in Stiefel oder lange Socken, langärmelige Hemden, hohe Stiefel, auch Gummistiefel. Die Gefahr für den Menschen kommt von unten, nicht von oben! Aus dem Laub und von den Gräsern, nicht von den Bäumen!

Beim Aufenthalt in Risikogebieten ca. jede Stunde Kleidung absuchen. Einfarbige, helle Kleidung erleichtert das Aufspüren auch der Nymphen. Nach Aufenthalt gesamte Kleidung wechseln und Körper gründlich absuchen. Die Zecken bevorzugen Stellen, an denen es feucht und warm ist und an denen die Haut schön dünn und gut durch­blutet ist: Kniekehlen, im Schritt, Achseln, Nacken, Haaransatz. Zeckenstiche bleiben häufig unbemerkt!

Picknick im Gras nur auf großflächiger Unterlage

 

Was ist mit unseren Haustieren?

Hunde, Katzen, Pferde z. B. können genauso an Borreliose als Folge eines Zeckenbisses erkranken wie ihre Besitzer. Deshalb ist auch ein Zeckenhalsband aus Ihrer Apotheke zum Schutz von Hund und Herrchen/Frauchen zugleich in der riskanten Jahreszeit sinnvoll!

 

Und wenn eine Zecke doch zugebissen hat: Keine Hysterie, sondern raus damit!

Wichtig: Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Infektion.

Wichtig: Mechanische Entfernung! Oft werden auch chemische Mittel oder Öl o.ä. empfohlen, doch Vorsicht: Der Zecke wird ganz fürchterlich unwohl, und sie "kotzt" in die Bißstelle - das Risiko einer Infektion steigt!

Wichtig: Zecke beim Herausziehen nicht quetschen oder beschädigen, denn damit würde man ihren Mageninhalt in den Einstich drücken - das Risiko einer Infektion stiege!

Ideal: Eine stabile Zeckenzange aus Ihrer Apotheke, mit der die Mundwerkzeuge direkt über der Haut erfaßt werden und der Zeckenkörper beim Herausziehen (nach hinten, entgegen der Stichrichtung) nicht gedrückt wird, sollte jeder bei sich führen!

Stichstelle sofort danach desinfizieren, z. B. mit Lösung oder Salbe aus Ihrer Apotheke!

Wenn sich die Stichstelle jedoch entzündet, eine diffuse oder ringförmige Rötung entsteht, oder wenn sonstige Beschwerden auftreten, auch Tage oder Wochen danach, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf und erzählen Sie ihm vom Zeckenbiß!

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