Bernhard Peter
Frühsommer-Meningoencephalitis

(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit Ihrem Arzt)

 

Zecken - die Gefahr im hohen Gras

Denken Sie auch schon sehnsüchtig ans kommende Frühjahr? An Wärme, sprießende Natur, Endlich-wieder-rausgehen und - Zecken? Die Schildzecke, auch Gemeiner Holzbock genannt, ist ein Blutsauger, der in hohem Gras, niederen Büschen oder im Unterholz lauert! Der Zeckenbiß an sich ist mehr lästig, die eigentliche Gefahr liegt in den Krankheiten, deren Überträger die Zecke ist. Zecken kann man als Naturfreund kaum ausweichen, denn sie kommen von der Nord- und Ostseeküste bis zu den Alpen vor; infizierte Zecken kommen bis zu 1000m Höhe vor. Im Laufe ihrer Entwicklung durchläuft die Zecke drei Stadien:

Larve: 0.6 mm (nüchtern) bis 1.25 mm (vollgesogen), 6 Beine, hell- bis mittelbraun

Nymphe: 1.2 mm (nüchtern) bis 2.0 mm (vollgesogen), 8 Beine, hellgrau bis gelb mit dunkelbraunem Rückenschild

Erwachsene Form: 2.4-2.8 mm (nüchtern) bis 10-14 mm (vollgesogen), 8 Beine, schwarzbrauner Rückenschild, hellbrauner Körpersack

In jedem Stadium muß eine Blutmahlzeit eingenommen werden, um sich weiterentwickeln zu können. Nach jedem Blutsaugen wird der Wirt verlassen; durch Entwicklung und Häutung wird das nächste Stadium erreicht. Wichtig: Jede Form kann Krankheitsüberträger sein, auch die kaum sichtbaren "Winzlinge"!

 

Welche Krankheiten übertragen Zecken?

FSME: Frühsommer-Meningoencephalitis (Frühsommer-Hirnhautentzündung), Viren, keine medikamentöse Behandlung, Impfung möglich

Lyme-Borreliose, Bakterien, medikamentöse Behandlung möglich, (noch) keine Impfung

Ehrlichiose und Babesiose: Selten.

 

Wo und wann ist das Risiko am größten?

Ort: Zecken kommen hauptsächlich an Wald- und Wegrändern, auf Waldlichtungen mit hochwüchsigen Gräsern, in naturbelassenen Wiesen, Laub- und Mischwäldern, Laubstreu o.ä. vor. Wirtssuchende Zecken befinden sich je nach Stadium bis zu einer Höhe von 1-1,5 m an Gräsern, Büschen, Farnen etc. Auf hohen Bäumen sind keine Zecken. Sondern sie sitzen im Laub am Boden und verdauen ihre letzte Blutmahlzeit. Wenn sie wieder Gelüste nach Blut bekommen, erklettern sie Grashalme oder Stauden. Zecken lassen sich nicht von Bäumen fallen, sondern sie werden im Vorübergehen von Pflanzen abgestreift bzw. sie nehmen die höhere Körpertemperatur des Menschen wahr und streben der Wärmequelle zu. Zecken haben keine Augen, aber sie können Körperwärme, Buttersäure (Schweiß!) und ausgeatmetes Kohlendioxid wahrnehmen. Daran bemerken sie uns!

Jahreszeit: Generell März bis Oktober, höchste Aktivität der Zecken April bis Juli, September.

 

In welchen Regionen ist das Risiko besonders groß?

Das Borreliose-Risiko ist bundesweit bzw. europaweit gegeben. Dagegen gibt es bei FSME Naturherd-Gebiete. In Deutschland sind die wichtigsten in Bayern und in Baden-Württemberg. Hier gibt es 100-300 Erkrankungen pro Jahr! In Europa sind weitere wichtige Naturherde in Rußland, Lettland, Tschechien, Slowenien, Westungarn, Litauen, Polen, Estland, Österreich, Südostschweden, Kroatien, Schweiz und Albanien (aufgelistet nach Häufigkeit der Erkrankungen). FSME-frei sind offensichtlich bisher Großbritannien, Portugal, Benelux. Eine stets aktuelle Verbreitungskarte finden Sie unter http://www.zecke.de/fsme/fsme_p2002a.html.

 

Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?

In der Landwirtschaft tätige Personen, Camper, im Freien spielende Kinder, Jäger, Förster, Gärtner, Wanderer, Naturfreunde, Hobbybotaniker, Haustierbesitzer, Angler, Jogger.....

 

Was ist FSME und wie gefährlich ist die Krankheit?

Nach ca. 7-14 Tagen kommt es zu leichtem Fieber und grippeähnlichen Anzeichen (Kopf- und Gliederschmerzen) oder Magen-Darm-Beschwerden. Nach einer beschwerdefreien Zeit von ca. 8 Tagen kommt es bei ca. 10% der Infizierten zu einem erneuten Fieberanstieg und Störungen im Nervensystem: Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, Risiko bleibender Lähmungen, psychischer Schäden, Gedächtnisstörungen. In ca. 10% aller Fälle wird mit Restschäden im Nervensystem gerechnet; die durchschnittliche Sterblichkeit ist 1-2%.

 

Wie können Sie sich schützen?

Impfung: Den FSME-Viren kann man zwar nicht mit Medikamenten beikommen, aber man kann sich vorher impfen lassen! Es stehen moderne, gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung. Ihr Hausarzt berät Sie gerne. Es lohnt sich, die Impfung nach der Grundimmunisierung alle 3-5 Jahre zu erneuern.

Repellents: Insektenabwehrmittel wirken in begrenztem Umfang auch gegen Zecken. Das Mittel sollte häufiger angewandt werden als zur Mückenabwehr (ca. alle 2 Stunden).

Meiden von Infektionsgebieten in den Hauptmonaten, nur angelegte Wege benutzen, Unterholz meiden

Geschlossene Kleidung, z. B. Jeans, dabei Saum eingesteckt in Stiefel oder lange Socken, langärmelige Hemden, hohe Stiefel, auch Gummistiefel. Die Gefahr für den Menschen kommt von unten, nicht von oben! Aus dem Laub und von den Gräsern, nicht von den Bäumen!

Beim Aufenthalt in Risikogebieten ca. jede Stunde Kleidung absuchen. Einfarbige, helle Kleidung erleichtert das Aufspüren auch der Nymphen. Nach Aufenthalt gesamte Kleidung wechseln und Körper gründlich absuchen. Die Zecken bevorzugen Stellen, an denen es feucht und warm ist und an denen die Haut schön dünn und gut durchblutet ist: Kniekehlen, im Schritt, Achseln, Nacken, Haaransatz. Achtung: Zeckenstiche bleiben häufig unbemerkt!

 

Wie können Sie Zecken entfernen?

Wichtig: Je schneller eine Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko einer Infektion.

Wichtig: Mechanische Entfernung! Oft werden auch chemische Mittel oder Öl o.ä. empfohlen, doch Vorsicht: Der Zecke wird ganz fürchterlich unwohl, und sie "kotzt" in die Bißstelle - das Risiko einer Infektion steigt!

Wichtig: Zecke beim Herausziehen nicht quetschen oder beschädigen, denn damit würde man ihren Mageninhalt in den Einstich drücken - das Risiko einer Infektion stiege!

Ideal: Eine stabile Zeckenzange aus Ihrer Apotheke, mit der die Mundwerkzeuge direkt über der Haut erfaßt werden und der Zeckenkörper beim Herausziehen (nach hinten, entgegen der Stichrichtung) nicht gedrückt wird, sollte jeder bei sich führen!

Stichstelle sofort danach desinfizieren, z. B. mit Lösung oder Salbe aus Ihrer Apotheke!

Wenn sich die Stichstelle jedoch entzündet, Verfärbungen entstehen oder sonstige Beschwerden auftreten, auch Tage/Wochen danach, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf und erzählen Sie ihm vom Zeckenbiß!

 

Die nächste Zeckensaison kommt bald.
Sie können durch Impfen vorbeugen!

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