Bernhard Peter
Mit Johanniskraut für seelisches Wohlbefinden

Depression - was ist das?

Als "deprimiert" bezeichnen wir oft jemanden, der aus einem aktuellen Anlaß verständlicherweise gedrückter Stimmung ist. Diese zeitweilige Niedergeschlagenheit hat nichts mit Krankheit zu tun, man wird damit fertig, sie bringt einen nicht dauerhaft aus dem Gleichgewicht.

Von einer Depression spricht man erst dann, wenn die depressive Verstimmung in ei­nen länger anhaltenden Zustand übergeht, der die gesamte seelische Verfassung des Menschen beherrscht und dadurch das alltägliche Leben stark beeinträchtigt.

Depressionen können sich in sehr unterschiedlichen Formen zeigen und auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Die Ursachen für die Entstehung einer Depression sind noch nicht vollständig geklärt.

 

Reaktive Depression

Wenn Lebenskrisen wie z. B. der Tod eines geliebten Menschen, Scheidung oder Arbeitsplatzver­lust in eine Depression münden, spricht der Arzt von einer reaktiven Depression, weil es sich - wie der Name schon sagt - um eine Reaktion auf ein belastendes Ereignis handelt. Nicht gemeint sind damit die normalen Gefühle der Trauer, der Wut und des Schmerzes, die wichtig und notwendig sind, um die Krise zu verarbeiten. Wenn jedoch dieser Bewälti­gungsprozeß nicht in einem angemessenen Zeitraum gelingt, wenn Gefühle verdrängt werden, so daß der Betroffene nicht wieder in seinen gesunden seelischen Zustand zurückfindet, handelt es sich um eine Depression.

 

Endogene Depression

Eine endogene Depression wird nicht durch derartige äußere Anlässe ausgelöst, sondern sie ent­steht "von innen heraus", scheinbar grundlos. Ursachen dafür sind wahrscheinlich eine genetische Veranlagung und Stö­rungen im Ablauf biochemischer Prozesse im Gehirn.

Die Erkrankung verläuft meist in mehr oder weniger regelmäßig auftretenden Phasen, die Wochen oder Monate anhalten können. Zwischen diesen Phasen ist der Betroffene in einer gesunden seelischen Verfassung.

Die depressiven Phasen können sich aber auch mit sogenannten. manischen Phasen ab­wechseln - ein deutlicher "Beweis" für eine endogene De­pression. Äußerste Niedergeschlagenheit und Energielosigkeit verkehren sich dann in ihr Gegenteil: Der Betroffene be­findet sich in einer euphorischen Hochstimmung. Die manische Phase ist gekennzeichnet durch gesteigerte Aktivität, Ruhelosigkeit, Ablenkbarkeit, Rededrang, Selbstüberschätzung, Verschwendungssucht, vermindertes Schlafbedürfnis. Die Gefühlsschwankungen im Wechsel zwischen den Phasen sind extrem ausgeprägt und nicht mit normalen Stim­mungswechseln zu vergleichen.

 

Organisch bedingte Depression:

Es gibt auch körperliche Erkrankungen, die Depressionen auslösen können, z. B. Schilddrüsenerkrankungen und Leberstörungen sowie chronische Schmerzen.

 

Wie äußert sich eine Depression?

Eine Depression hat tiefgreifende Effekte auf Erleben und Verhalten, wirkt sich aber auch auf Körperfunktionen aus:

Eine Depression kann sich auch sozusagen "verstecken", d. h. sich hinter körperlichen Beschwerden verbergen. Der Arzt spricht dann von einer larvierten oder maskierten Depression. Er findet für die körperlichen Krankheitszeichen wie z. B. Kopfschmerzen, Atem- und Herzbeschwerden oder Magen-Darm-Störungen keine organische Ursache. Die seelischen Störungen sind bei dieser Form oft weniger ausgeprägt, so daß die Depression oft nicht gleich als solche erkannt wird.

 

Wie wirkt Johanniskraut?

Um das Wirkprinzip zu verstehen, sollten wir uns vergegenwärtigen, daß im Gehirn Informationen von einer Nervenzelle auf die andere weitergegeben werden müssen. Dies geschieht folgendermaßen: Die erste Zelle gibt einen Botenstoff (Transmitter) ab, dieser überquert den Zwischenraum zwischen beiden Nervenzellen und bindet dort an einen Rezeptor, oder bildlich gesprochen: Er betätigt dort eine Art "Schalter". Danach wird der Botenstoff entweder vernichtet oder recyclet. Einerseits von der Menge an diesen Überträgerstoffen im Zwischenraum zwischen den Nervenzellen, andererseits von der Anzahl der "Schalter" an der folgenden Nervenzelle hängt nun ab, wie stark eine bestimmte Information verarbeitet wird. Beispiele für solche Botenstoffe zwischen Nervenzellen sind Noradrenalin, Sero­tonin, Dopamin etc.

Der Johanniskrautextrakt bewirkt nun Folgendes in dem beschriebenen System: Das Recycling, die Wiederaufnahme der wichtigen Botenstoffe (Transmitter) Noradrenalin und Serotonin (und noch anderer) in die Nervenzellen wird gehemmt. Dies passiert im Prinzip ähnlich wie bei synthetischen Antidepressiva, aber mit weniger Nebenwirkungen. Evtl. wird auch der Abbau der Botenstoffe eingeschränkt. Aus beiden Gründen steigt die Menge an Botenstoffen im Zwischenspalt, und weil das Angebot an Transmitter so groß ist, verringert der Organismus nach einiger Zeit die Anzahl einiger wichtiger Rezeptoren (Schalter), andere wiederum werden vermehrt. Durch diese Anpassungsvorgänge in bestimmten Gehirnabschnitten tritt langfristig eine stimmungs­aufhellende Wirkung ein und die Depressionen verschwinden, weil die veränderten Nervenzellen eine modulierende, steuernde Funktion ausüben und viele Affekte und Emotionen beeinflussen. Die Wirkung des Johanniskrautes liegt also in seinem Einfluß auf das Gleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn, die die Stimmung regulieren. Im Detail ist das noch weit komplizierter als hier geschildert.

Johanniskraut-Extrakt enthält eine Fülle von Inhaltstoffen, u. a. sog. Hyperforin, Hypericin, Flavonoide und Biflavonoide. Es ist bis heute nicht genau geklärt, welche(r) Wirkstoff(e) exakt für welche der vielen einzelnen Wirkungen verantwortlich ist(sind). Der gesamte Extrakt muß daher noch als therapeutisch wirksames Prinzip angesehen werden. Mit dem Hyperforin wurde aber inzwischen ein wichtiger antidepressiver Wirkstoff im Gesamtextrakt identifiziert.

 

Vorteile von Johanniskraut gegenüber synthetischen Mitteln gegen Depression:

1. Bei klassischen synthetischen Antidepressiva (insbesondere den älteren) kann es u. U. zu Nebenwirkungen wie z. B. Blutdruckveränderungen, Mundtrockenheit, Verstopfung oder Durchfall, Müdigkeit, Störungen beim Wasserlassen, Herzklopfen, Schwindel etc. kommen. Mit Johanniskrautextrakt steht ein Wirkprinzip zur Verfügung, dessen Wirksamkeit in vielen Studien eindeutig belegt ist, bei dem aber solche Nebenwirkungen unbekannt sind und dessen Toxizität gleich Null ist.

2. Johanniskraut-Extrakte sind hervorragend verträglich und zeigen ähnlich gute therapeutische Ergebnisse wie syn­thetische Präparate (z. B. Imipramin) bei leichten und mittelschweren depressiven Verstimmungen, psychovegetati­ven Störungen, Angst oder nervöser Unruhe und rufen deutlich verbesserte Lebensqualität hervor.

3.Johanniskrautextrakt kombiniert viele verschiedene Wirkprinzipien auf einmal. So wird z. B. die Konzentration von mindestens fünf verschiedenen Botenstoffen im Gehirn beeinflußt. Eine solch breitgefächerte Wirkung und Vielfalt findet sich bei keinem synthetischen Antidepressivum. Alle diese sind spezifisch für maximal ein bis zwei Systeme.

Noch einige nützliche Hinweise für die Anwendung:

Johanniskraut eignet sich gut bei leichten und mittelschweren, situationsbedingten depressiven Verstimmungen. Bei schweren Depressionen sollten Sie eine angemessene Therapie unbedingt mit dem Arzt besprechen.

Bitte richten Sie sich auf eine positive Beeinflussung Ihrer Stimmung bei längerfristiger Einnahme ein. Mit einer spürbaren Besserung durch die beschriebenen adaptiven Vorgänge an den Nervenzellen ist nach ein paar Wochen zu rechnen, nicht nach ein paar Tagen. Bitte geben Sie nicht auf - es ist normal, daß es etwas länger dauert, bis der Körper darauf reagiert und Lebensfreude, positive Einstellung und Aktivität zurückkehren.

Bitte therapieren Sie nicht gleichzeitig mit Johanniskraut und Phenprocoumon, Ciclosporin oder Digoxin. Die Wirkung von Theophyllin oder Contrazeptiva könnte ebenfalls schwächer werden.

Während der Therapie wird Ihre Haut etwas empfindlicher auf intensive Lichteinstrahlung reagieren. Bitte planen Sie daher während der Therapie weder längeres Sonnenbaden oder Höhensonne noch Solarienbesuch ein, besonders, wenn Sie eine lichtempfindliche Haut haben.

Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt!

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