Bernhard Peter
Haarausfall bei Frauen?
Was er für Ursachen haben kann und was Sie selbst dagegen unternehmen können!

(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens)

Der normale Lebenszyklus des Haares:

Ein gesundes Haar hat eine Lebensdauer von etwa 4-6 Jahren. Also verliert auch ein Gesunder täglich etwa 70-100 seiner etwa 100.000 Haare. Jedes unserer 85.000 (bei Rothaarigen) bis 150.000 (bei Blonden) Kopfhaare wurzelt im Unterhautfettgewebe der Kopfhaut. An seiner Wurzel - und nur dort - wird es durch Blutgefäße mit Nährstoffen versorgt. An der Haarwurzel sitzen junge, nicht verhornte Zellen. Die Haare wachsen, weil diese Zellen sich unablässig teilen. Ein Haar wächst täglich etwa 0,3 mm, und das für 3-6 Jahre. Auf alle Haare umgerechnet ergibt das ein Längenwachstum von 25-30 Meter pro Tag! Am Ende dieser Wachstumsperiode verbringt das Haar ein paar Tage in einer Ruhephase, dann wird der Ausfall eingeleitet, das Haar löst sich von seiner Wurzel. Es wird von einem nachfolgenden Haar nach außen geschoben, bis es ausfällt. Dieser Prozeß dauert einige Monate. Dabei befinden sich die Haare asynchron in verschiedenen Entwicklungsstadien, sodaß der ständige natürliche Verlust ebenso ständig wieder ausgeglichen wird, ohne daß die Gesamtzahl kleiner wird.

 

Was kann der Grund für vermehrten Haarausfall sein?

Diffuser symptomatischer Haarausfall: Das Haarwachstum unterliegt einer komplexen Steuerung und reagiert äußerst sensibel auf kleinste Störungen im Gesamtorganismus. Schon kleinste Abweichungen in diesem System können zu einem Wachstumsstillstand mit nachfolgendem krankhaften Haarausfall bis hin zur Glatzenbildung führen. Hierbei ist die Ausdünnung nicht auf den zentralen Kopfbereich beschränkt, sondern es fallen überall vereinzelt Haare aus. Dies kann zahlreiche, meist plötzlich eintretende Ursachen haben wie

Weil der Vorgang des Ausfallens mehrere Monate dauert, tritt der Haarausfall mit eben diesem zeitlichen Versatz auf. In den meisten Fällen bleibt trotz Ausfall des Haares der Follikel funktionstüchtig. Nach Behebung der Störung nehmen die Haare ihr Wachstum wieder auf.

Androgenetischer Haarausfall: Eher beim Mann bekannt, kann der hormonelle Haarausfall auch Frauen treffen. Sie bekommen aber nicht die typischen Geheimratsecken oder die lichten Stellen am Hinterkopf ("Tonsur"), sondern es ist ausschließlich die Kopfmitte und die Scheitelregion vom Haarausfall betroffen; die Stirnhaargrenze bleibt in typischen Fällen vollständig erhalten. Hormonelles Ungleichgewicht und erhöhte Empfindlichkeit der Haarbälge führen zu Regression und Degeneration der Haarfollikel. Infolgedessen kommt es zu einem verkürzten Wachstumszyklus des Haares: Die Wachstumsphase ist verkürzt, Ruhephase und Ausfallphase setzen früher ein. Die Haare werden immer dünner und kürzer. Diese Form des Haarausfalles führt selten zur völligen Kahlheit, sondern zur Ausdünnung der Behaarung im zentralen und seitlichen Kopfbereich bei normaler Haardichte im Schläfen- und Hinterkopfbereich. Dazu wird die Frau im Durchschnitt erst 15 Jahre später als der Mann von diesem Problem eingeholt.

 

Was können Betroffene gegen den "diffusen" Haarausfall unternehmen?

So vielfältig wie die Ursachen für diffusen Haarausfall sind auch die Maßnahmen zur Besserung. In erster Linie sollte die Ursache (sie kann 2-4 Monate zurückliegen!) gesucht und abgestellt werden. Die Suche nach der Ursache ist von besonderer Bedeutung, wenn der Haarausfall nur Zeichen einer anderen Grunderkrankung des Körpers ist. Hierbei sollte grundsätzlich der Rat des Arztes eingeholt werden. Um das Haarwachstum nach Beseitigung der eigentlichen Ursache zu fördern, können rezeptfreie Arzneimittel mit Vitaminen, Mineralstoffen und bestimmten Aminosäuren mit gutem Erfolg eingesetzt werden, um das Wiederwachstum gesunden und kräftigen Haares zu erleichtern. Daneben wirken sich durchblutungsfördernde Maßnahmen wie regelmäßiges Bürsten oder Massieren der Kopfhaut günstig aus.

 

Was können Betroffene gegen den "androgenetischen" Haarausfall unternehmen?

Prinzipiell kommen mehrere Ansätze für eine Therapie in Frage:

örtliche Behandlung mit Estrogenen: Im Gegensatz zum Mann, der nur 17-alpha-Estradiol anwenden kann, hat die Frau mehr Möglichkeiten. Viele Östrogene stehen zur örtlichen Anwendung zur Verfügung. 1x täglich, am besten abends, werden 3 ml auf die Kopfhaut eingerieben. Nach Besserung kann man auf Anwendung jeden 2. oder 3. Tag übergehen.

Behandlung mit speziellen "Pillen" (auf ärztliches Rezept): Zur Anwendung kommen dabei solche Pillen, die neben der Östrogenkomponente eine besondere Gestagen-Komponente enthalten, die den männlichen Hormonen entgegenwirkt (sog. antiandrogene Wirkung), z. B. Cyproteronacetat oder Chlormadinonacetat. Die für Sie richtige Behandlung findet Ihr Arzt für Sie.

 

Die 3R-Regel bei der Bekämpfung von Haarausfall:

  1. Rechtzeitig: Je früher Sie beginnen, desto bessere Ergebnisse sind möglich.
  2. Richtig: Die Art der Behandlung muß zur Art des Haarausfalls passen.
  3. Regelmäßig: Die Behandlung muß regelmäßig und konsequent über längere Zeit erfolgen.

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