Bernhard Peter
Tips für Patienten unter Phenprocoumon-Behandlung
(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens)

 

Was bewirkt Phenprocoumon?

Die Einnahme von Phenprocoumon-Tabletten beeinflußt die Blutgerinnung im Körper. Der Wirkstoff greift in den Vitamin K-Stoffwechsel ein und führt zu einer verminderten Blutgerinnung. Dadurch wird der Bildung von Blutgerinnseln, die Adern verstopfen könnten, vorgebeugt. Das Blut kann besser fließen.

Die Einstellung auf die richtige Dosis Phenprocoumon-Tabletten erfolgt unter ständiger Kontrolle der Blutgerinnung durch den sogenannten "Quick-Wert" (anfangs täglich, später alle 2-3 Wochen). Der Quickwert gibt an, wieviel Prozent einer normalen Gerinnungsaktivität das Blut des Patienten erreicht. Über drei Viertel der Werte sollten im Bereich von 15 bis 35% des Normalwerts liegen. Ist der Wert so eingestellt, dann ist einerseits das Risiko einer Gerinnselbildung verringert, andererseits ist auch das Risiko unerwarteter Blutungen gering.

 

Was sollten Sie bei der Ernährung berücksichtigen?

Während der Einnahme von Phenprocoumon muß keine besondere Diät eingehalten werden. Wir möchten Sie jedoch auf folgende Ratschläge aufmerksam machen:

In welchem Ausmaß die Blutgerinnung beeinflußt wird, hängt davon ab, wieviel Vitamin K Sie mit der Nahrung zu sich nehmen. Um eine möglichst gute Einstellung zu erreichen, ist es wichtig, den Vitamin K-Gehalt der Nahrung nicht zu stark zu variieren. Der Grund: Gerinnungshemmer zum Einnehmen hemmen das Vitamin K, das eine wichtige Rolle in der Blutgerinnung spielt. Durch hohe Dosen Vitamin K kann man daher die Wirkung des Gerinnungshemmers verringern. Diese Dosen sind allerdings bei einer normalen Ernährung kaum zu erreichen. Deutliche Änderungen der Ernährungsweise, z. B. die plötzliche Umstellung auf eine vegetarische Ernährung, sollte man aber vermeiden bzw. mit dem Arzt absprechen. Ggf. ist die Kontrolle der Auswirkungen anhand des Quick-Wertes anzuraten. Die tägliche Aufnahme von Vitamin K sollte nicht um mehr als +/- 250 µg variieren.

Vorsicht ist ebenfalls bei kurzfristigen Sonderdiäten (Abnehmen) aus den gleichen Gründen geboten. Sprechen Sie bitte vorher mit Ihrem Arzt.

Nehmen Sie Lebensmittel, die besonders reich an Vitamin K sind, nicht in größeren Mengen zu sich. Dies betrifft vor allem grünes Gemüse wie alle Kohlsorten und Spinat. Insbesondere Spinat ist eine Vitamin K-Bombe. Die Wirkung von Phenprocoumon kann geringer werden. Weiterhin ist viel Vitamin K in Schweinefleisch, fettem Rindfleisch und vor allem in Innereien. Wenig Vitamin K ist in Tomaten, Honig oder Milch.

Meiden Sie Avocados in größerer Menge!

Schränken Sie die Fettzufuhr ein (< 30% der Energiezufuhr)!

Trinken Sie Alkohol nicht in übermäßigen Mengen!

Rauchen kann die Gerinnungsneigung des Blutes erhöhen. Bei einer Phenprocoumon-Therapie ist Rauchen kontraproduktiv.

 

Gehalt wichtiger Nahrungsmittel an Vitamin K (in µg/100 g)

 

Noch ein paar Tips zu Ihrer Sicherheit:

Wenn Sie Schmerztabletten oder Rheuma-Mittel kaufen, teilen Sie bitte dem Apothekenpersonal mit, daß Sie Phenprocoumon-Tabletten einnehmen. Kombinieren Sie nicht eigenmächtig Phenprocoumon mit Acetylsalicylsäure oder anderen die Fließfähigkeit des Blutes beeinflussenden Mitteln.

Informieren Sie Ihren Zahnarzt, daß Sie Phenprocoumon-Tabletten einnehmen. Zahnfleischverletzungen können nämlich stärker als gewöhnlich bluten.

Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig zu einer bestimmten Zeit ein. Dadurch verhindern Sie eine Überdosierung, und es sinkt die Gefahr, daß Sie den Gerinnungshemmer einmal vergessen.

Führen Sie immer einen Notfall-Ausweis bei Ihren Ausweispapieren mit sich, in dem Ihre Medikamente eingetragen sind. Hilfe kann so im Notfall besser geleistet werden. Je mehr Menschen von Ihrer Medikation wissen, desto besser.

Für jeden behandelnden Arzt ist die Information wichtig, daß Sie mit einem Gerinnungshemmer behandelt werden. So ist diese Information zum Beispiel deshalb wertvoll, weil Sie nicht ohne weiteres Spritzen in den Muskel bekommen dürfen. Auch bei der Verordnung von Medikamenten ist es nötig, daß der Arzt von der Antikoagulation weiß, da sich manche Arzneistoffe nicht mit Antikoagulanzien vertragen. Bei chirurgischen Eingriffen kann es erforderlich sein, daß die Antikoagulation für eine Zeit ausgesetzt oder auf Heparin umgestellt wird.

Bevorzugen Sie Reiseländer mit gemäßigtem Klima und guter ärztlicher Versorgung für den Notfall! Ändern Sie auf Reisen nicht abrupt Ihre Ernährungsgewohnheiten! Andere Klima- und Ernährungsverhältnisse können die Blutgerinnung beeinflussen. Am besten sorgen Sie schon Monate vor der Reise für einen möglichst stabilen Quickwert.

Zur Zeitverschiebung bei Flugreisen: Bei Reisen nach Westen mit einer Zeitverschiebung von mehr als 6 Stunden wird eine zusätzliche halbe Dosis kurz nach der Ankunft eingenommen. Bei einer Reise Richtung Osten wird die erste Dosis, die nach dem Ankommen fällig ist, halbiert. Am besten suchen Sie im Urlaubsland nach zwei Tagen einen Arzt auf, der Ihren Quickwert kontrolliert. Nehmen Sie auf jeden Fall Ihren "Phenprocoumon-Ausweis" mit in den Urlaub.

Denken Sie immer daran, daß Ihre Blutgerinnung durch das Medikament herabgesetzt ist. Deshalb sollten Sie Freizeitaktivitäten meiden, die mit einem hohen Risiko für schwere Blutungen und Verletzungen einhergehen. Holzhacken oder Schreinerarbeiten sind ebensowenig zu empfehlen wie Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko. Das heißt aber nicht, daß Sie wegen des Gerinnungshemmers nun wie in Watte gepackt leben müssen. Wenn einmal ein Unfall passiert, kann man Ihre Blutgerinnung sehr schnell durch Medikamente auf normale Werte bringen. Aber dennoch sollten Sie jedes unnötige Verletzungsrisiko vermeiden.

Gehen Sie bei Blutungen zum Arzt. Ungewöhnlich starke Blutungen sind möglicherweise ein Zeichen, daß die Gerinnung nicht richtig eingestellt ist. Anzeichen können sein:

Das sind mögliche Anzeichen einer lebensbedrohlichen Gerinnungsstörung, die unverzüglich vom Arzt behandelt werden muß.

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