Bernhard Peter
Verdauung - aber bitte mit Erfolg!
(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens)

Abführmittel richtig anwenden

Was ist Verstopfung?

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn der Stuhlgang mal zwei oder drei Tage ausbleibt.

Normaler Stuhlgang ist: Von 3 x täglich bis 2-3 x pro Woche.

Verstopfung: Weniger als 1-2 Stuhlgänge pro Woche über längere Zeit bei hartem und festem Stuhl, gleichzeitig verbunden mit einem unangenehmen Völlegefühl.

 

Was sind mögliche Ursachen für Verstopfung?

Falsche Ernährung: balaststoffarme Kost

zu geringe Flüssigkeitsaufnahme: Zu wenig trinken, zu viel Flüssigkeitsverlust

gestörte oder veränderte Darmflora, insbesondere in ungewohnter Umgebung, z. B. auf Reisen

Bewegungsmangel, nur sitzende Tätigkeiten, kein Ausgleichssport o. ä.

psychische Belastung, Streß, Hetze zu Zeiten des Stuhldranges

körperliche Veränderungen wie z. B. Schwangerschaft, Schilddrüsenerkrankungen, etc.

Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten (z. B. Codein, Schmerzmittel)

Veränderungen der Darmwand wie z. B. Entzündungen, Hämorrhoiden, aber auch Veränderungen durch Dauer- und Vielgebrauch von bestimmten pflanzlichen Abführmitteln (s. u.)

 

Was können Sie selbst für eine erfolgreiche Verdauung tun?

Überdenken Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten! Ganz wichtig für eine geregelte Verdauung sind Ballaststoffe. Besonders viele Ballaststoffe enthalten zum Beispiel Vollkornbrot, Naturreis, Hülsenfrüchte, überhaupt Gemüse, Salate und Obst. Dabei sind die Ballaststoffe aus Vollkornprodukten die wirksamsten, weil sie ihre Quellfähigkeit bis zum Ende der Darmpassage bewahren. Aber bedenken Sie dabei: Nach jahrelanger falscher Ernährung stellt sich der Darm natürlich nicht von einem Tag auf den anderen um. Etwas Geduld müssen Sie schon haben.

Bewegung muß sein - vor allem bei unserer heutigen, vorwiegend sitzenden Lebensweise. Regelmäßige körperliche Bewegung bringt die Verdauung in Gang. Machen Sie Gymnastik, gehen Sie spazieren oder schwimmen. Nehmen Sie sich möglichst mehrmals pro Woche dafür Zeit. Denken Sie daran: Der Darm bewegt sich immer mit! Ein ausgedehnter Spaziergang bewirkt manchmal Wunder bei einem Verstopfungsproblem.

Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe für den Stuhlgang! "Erziehen" Sie den Darm!

Gewöhnen Sie sich an, täglich regelmäßig zur gleichen Zeit zur Toilette zu gehen. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Vermeiden Sie jedoch übermäßiges Bauchpressen!

Unterdrücken Sie den Stuhldrang möglichst nicht. Der Darminhalt bewegt sich sonst wieder zurück in den Dickdarm, der dem Stuhl Wasser entzieht. Der Entleerungsreiz geht verloren. Auf diese Weise kann es zu einer chronischen Verstopfung kommen. Beachten Sie das “Signal”!

Trinken Sie mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag. Und zwar zusätzlich zum gewohnten Kaffee oder Tee. Diese Getränke wirken nämlich harntreibend und entziehen dem Körper Wasser. Faustregel: Zu jeder Tasse Kaffee oder Tee die gleiche Menge Wasser trinken.

Trinken Sie morgens auf nüchternen Magen ein Glas Wasser oder Fruchtsaft, in das Sie auch einen Eßlöffel Milchzucker oder Lactulose einrühren können. Der Kältereiz regt den Darm an. Beides hat eine sehr milde abführende Wirkung.

Sie können auch - ebenfalls vor dem Frühstück - einige Trockenpflaumen oder Feigen essen, die Sie über Nacht in Wasser eingeweicht haben. Wichtig: Reichlich dazu trinken!

Noch ein Tip: Wenn man sich auf eine kalte Toilettenbrille setzt, kann dies zu einer unwillkürlichen Anspannung der Schließmuskulatur führen. Dadurch wird die Stuhlentleerung zusätzlich erschwert. Achten Sie also darauf, daß es in Bad oder Toilette nicht zu kalt wird.

Also: Mehr trinken, mehr Bewegung, mehr Ballaststoffe!

 

Volumen-Laxantien und Quellstoffe (milde, darmfüllende Abführmittel)

Abends können Sie sogenannte Quellmittel zu sich nehmen. Dazu gehören z. B. Weizenkleie, Leinsamen und Flohsamen. Diese Mittel können im Darm viel Wasser aufnehmen, quellen dadurch auf und üben einen Reiz auf die Darmwand aus, wodurch die Entleerung gefördert wird. Beispiele:

Wichtig:

 

Darmsanierende Abführmittel

Diese milden Abführmittel normalisieren und sanieren die natürliche Darmflora nach wenigen Tagen. Sie sind gut für den Dauergebrauch geeignet.

Stoffe, die auf die Dickdarmschleimhaut einwirken

Chemische Stoffe wie z. B. Bisacodyl oder Natriumpicosulfat bewirken, daß dem Stuhl im Darm kein Wasser entzogen werden kann. Der Darminhalt bleibt weich. Diese Abführmittel zeichnen sich durch zuverlässige Wirkung bei akuter Verstopfung nach spätestens 12 Stunden aus, meist früher (abends einnehmen, morgens Erfolg). Natriumpicosulfat wird im Vergleich zu Bisacodyl nicht resorbiert und nicht in der Leber metabolisiert. Natriumpicosulfat macht also weniger Streß für die Leber. Die Wirkstoffe sind als Tabletten, Dragees, Tropfen oder Zäpchen (s. u.) erhältlich. Tropfen lassen sich hervorragend individuell dosieren.

Wichtig:

Durch die erhöhte Wasserausscheidung und die verkürzte Darmpassage verliert der Körper Kalium. Das kann zu Störungen der Herzfunktion führen und eine zunehmende Darmlähmung erzeugen. Wenn Sie Abführmittel längerfristig einnehmen, sollten Sie deshalb zwischendurch kaliumreiche Obstsorten wie z. B. Aprikosen essen oder spezielle Arzneimittel mit Kalium zuführen.

Bedenken Sie bitte, daß der Dickdarm nach der Anwendung eines Abführmittels erst einmal leer ist. Es dauert einige Tage, bis Sie wieder Stuhlgang haben.

 

Rektal angewandte Abführmittel

Bei Zäpfchen tritt am schnellsten eine Wirkung ein, häufig schon nach wenigen Minuten. Zäpfchen enthalten beispielsweise das Gleitmittel Glycerin. Andere Präparate funktionieren durch ihren hohen Salzgehalt und wieder andere haben Bisacodyl als Wirkstoff.

Wichtig:

 

Was Sie im Zusammenhang mit Abführmitteln besser unterlassen sollten

Viele früher verwendete Mittel werden heute von der Medizin sehr kritisch beurteilt. Eine abführende Wirkung tritt ein, sicherlich. Doch die schädlichen Nebeneffekte überwiegen bei weitem den Nutzen. Bitte verzichten Sie daher auf Folgendes:

Ständiger Gebrauch starker planzlicher Abführmittel wie z. B. Aloe, Cascara, Sennes, Faulbaum, Rhabarberwurzel: Die darin enthaltenen Stoffe reizen die Darmschleimhaut zu stark. Bei häufigem oder dauerndem Gebrauch kann es im Gegenteil zu verstärkter Verstopfungsneigung und zu Veränderungen der Darmschleimhaut kommen.

Ricinusöl: Die Wirkung erfaßt nicht nur den Dickdarm, sondern auch den Dünndarm. Es kommt zum Verlust vieler wichtiger Substanzen.

Paraffin: Der Stoff kann nicht verdaut werden. Es kann aber als Fremdstoff in der Darmschleimhaut dauerhaft eingeschlossen werden als sog. "Fremdkörpergranulom". Der Körper kann es nicht mehr loswerden.

Wenden Sie keine Abführmittel zur Gewichtsreduktion an! Fragen Sie uns nach wirksameren Ideen.

 

Zur Anwendung im akuten Fall oder zum Dauergebrauch geeignet?

Zäpfchen mit synthetischen Abführmitteln:                     im akuten Fall, nicht dauernd

Zäpfchen mit Glycerin:                                                      im akuten Fall, nicht dauernd, auch für Kinder

Tabletten/Dragees/Tropfen mit synthetischen Stoffen: kurzfristig und akut, nicht dauernd

Quellstoffe, Ballaststoffe:                                                  langfristig bzw. dauernd

Lactulose, Lactitol:                                                           langfristig bzw. dauernd

Patienten mit häufiger bzw ständiger Verstopfung regulieren ihren Stuhlgang besser vorbeugend mit milden Abführmitteln wie Quellstoffen, Ballaststoffen, Lactulose o.ä., als sich immer wieder mit einer unangenehmen bis schmerzhaften Verstopfung zu quälen!

 

Was braucht wie lange bis zum Wirkungseintritt?

Haben Sie Geduld: Es vergeht eine gewisse Zeit bis zum Wirkungseintritt. Bitte dosieren Sie nicht vorschnell nach - der summierte Effekt würde Sie überraschen!

Zäpfchen mit synthetischen Abführmitteln:                                15-60 Minuten

Zäpfchen mit Glycerin oder Klistiere:                                        15-60 Minuten

Tabletten/Dragees/Tropfen mit synthetischen Stoffen:             8-12 Stunden

Quellstoffe, Ballaststoffe: Spürbare Erleichterung nach           1-2 Tagen

Lactulose, Lactitol: Normalisierung der Darmflora nach           wenigen Tagen

In diesem Sinne: Viel Erfolg!

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