Bernhard Peter
Lepra heute – heilbar, aber noch nicht ausgerottet
(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit einem Arzt Ihres Vertrauens!)

 

Was ist Lepra?

Lepra, in Deutschland auch als Aussatz bezeichnet, ist eine schleichende und langsam fortschreitende bakterielle Infektionskrankheit, die Haut und Schleimhäute zerstört und auch Nervenzellen befällt. Der Erreger ist das Bakterium Mycobacterium leprae. Der Erreger lebt innerhalb der Zellen des Menschen. Das Bakterium ist eng verwandt mit dem Erreger der Tuberkulose. Beiden gemeinsam ist, daß sie zwar an sich keine teuflisch aktiven Mikroorganismen darstellen, sondern daß sie sich schlicht und einfach dem Zugriff des menschlichen Immunsystems entziehen und in aller gemütlichen Ruhe auf Kosten des Gewebes leben und dieses langfristig zerstören, ohne daß unsere körpereigene Abwehr richtig zuschlagen kann.

 

Bedeutung der Lepra heute

Heutzutage leiden etwa 1,2 Millionen Menschen weltweit an Lepra, im Jahr 2001 waren es der WHO zufolge 790000 Neuerkrankungen im betreffenden Jahr, die meisten davon in Indien.

 

Wo kommt Lepra vor?

Die Länder mit den meisten Leprakranken sind Indien (an erster Stelle), Brasilien, Bangladesh, Myanmar (Burma), Nigeria, aber die meisten ärmeren Entwicklungsländer wie z. B. Indonesien oder Nepal sind ebenfalls betroffen. Früher kamen die Bakterien fast auf der ganzen Welt vor. Aus hauptsächlich sozioökonomischen Gründen ist die Krankheit im 16. Jahrhundert in Europa bis auf ein paar isolierte Orte fast ausgestorben.

 

Wie steckt man sich an Lepra an?

Der genaue Ansteckungs- oder Übertragungsweg der Lepra ist erstaunlicherweise trotz über 100 jähriger Forschung noch nicht bekannt.

 

Inkubationszeit

Der Erreger der Lepra, das Mycobacterium leprae, teilt sich sehr langsam, d. h. nur etwa alle 12-13 Tage. Andere Bakterien wie Salmonellen teilen sich alle 20 Minuten! Die Inkubationszeit von Lepra beträgt aufgrund dieser langsamen Vermehrungsgeschwindigkeit zwischen einigen Monaten und 20 Jahren, normalerweise 4-5 Jahre.

 

Wie verläuft die Erkrankung?

Die Erreger wachsen am besten bei einer Temperatur von 33°C. Deshalb sind am häufigsten und stärksten kühlere Körperregionen wie Gesicht, Schleimhäute, obere Luftwege, manchmal die Augen, die Glieder und die Haut der Leprakranken betroffen. Allerdings sind die Symptome von Lepra sehr vielschichtig und von Patient zu Patient unterschiedlich.

Durch den Befall der Nervenzellen wird zuerst der Tastsinn der Betroffenen eingeschränkt, was oft zu Verbrennungen und Verletzungen führt. Erste Zeichen einer Lepraerkrankung sind oft ein Taubheitsgefühl in den Fingern oder Füßen und ein Anschwellen der Nervenstränge. Andere frühe Zeichen sind Hautflecken, die bei heller Haut gerötet sind und bei dunkler Haut hell erscheinen. Diese Hautflecken fühlen sich für den Betroffenen auch taub an. Im weiteren Verlauf kann es bei ausbleibender Behandlung auch zur Erblindung kommen. Der weitere Verlauf der Erkrankung ist je nach Typ unterschiedlich, führt aber in jedem Fall zu irreparablen Schäden im Gewebe.

 

Welche Arten von Lepra gibt es?

Lepra hat viele Gesichter. Es gibt ganz grob zwei extreme Formen und viele verschiedene Formen dazwischen. Die beiden Extreme der Skala möglicher Erscheinungsformen sind:

LL, multibacilläre Lepra = lepromatöse Lepra, ansteckend. Die lepromatöse Lepra ist durch eine fast ungehemmte Vermehrung der Bakterien im Gewebe gekennzeichnet. Diese Form schreitet bösartig immer weiter voran, wenn sie nicht mit Antibiotika aufgehalten wird. Es wurden bis zu einer Milliarde Bakterien pro Gramm Gewebe bestimmt. Dabei kommt es zu starken Schwellungen, vor allem im Gesicht der Kranken und zum Absterben der Nervenzellen mit einer beträchtlichen Verletzungsgefahr. Typisch sind zahlreiche knötchenartige Granulome und Nervenverdickungen. Narben und auch Verstümmelungen sind die Folge. Es kann weiterhin auch zu Haarausfall kommen, und im Spätstadium der Lepra werden auch innere Organe und Knochen befallen. Diese Form der Krankheit kann tödlich sein, in jedem Fall führt sie zu fortschreitender Verkrüppelung und kann nur mit Hilfe von Antibiotika geheilt werden.

TL, paucibacilläre Form = tuberkulöse Lepra: Bei der tuberkulösen Lepra hemmt die körpereigene Immunabwehr die Vermehrung der Bakterien. Es treten lokal begrenzte fleckenartige Hautaufhellungen (Depigmentierung) auf und ein frühzeitiger Befall der Nerven mit Lähmungserscheinungen. Der Verlauf ist gutartig und nicht progressiv. Diese Form der Krankheit heilt teilweise von selber aus.

Zu diesen beiden Formen gibt es viele mögliche Zwischenformen mit schlimmen Hautreaktionen, die häufig unter lepraspezifischer medikamentöser Therapie auftreten und durch immunologische Reaktionen hervorgerufen werden. Die Verstümmelungen entstehen oft nicht durch die Bakterien selbst, sondern sind die Folge der Nervenschäden. Mangelnde Empfindungen machen die Menschen für Verletzungen anfällig, mangelndes Schmerzempfinden führt zu unbeachteten Wundinfektionen und Nekrosen.

 

Ist Lepra heilbar?

Lepra ist heutzutage durch eine Kombinationstherapie aus mehreren Antibiotika heilbar. Erfolgreich angewandt werden die Arzneistoffe Rifampicin, Chlofamizin und Dapson. Die Einnahme der Medikamente ist über einen Zeitraum von 6 Monaten bis 1 Jahr notwendig und führt zu einem vollständigen Abtöten des Erregers im Körper des Betroffenen. Eine unterstützende Bewegungstherapie verhindert Lähmungen. In Ausnahmefällen, z.B. bei einer einzelnen Hautveränderung, kann die medikamentöse Therapie auf 1 Tag beschränkt werden.

 

Gibt es eine Schutzimpfung?

Eine Schutzimpfung gegen Lepra gibt es nicht. Ein Grund dafür ist die Unmöglichkeit, den Erreger im Labor zu züchten. Außerhalb des menschlichen Körpers kann der Erreger nur 10 Tage überleben. Durch eine Gesundheitsaufklärung und Reihenuntersuchungen, z.B. in Schulen, versucht man, Betroffene möglichst früh zu erkennen, bevor irreparable Schäden entstehen. In manchen Ländern scheint die Impfung gegen Tuberkulose mit dem Impfstoff BCG, deren Erreger das verwandte Bakterium Mycobacterium tuberculosis ist, auch einen gewissen Schutz gegen Lepra zu verleihen.

 

Was können Sie vorbeugend bei einer Reise in ein Endemiegebiet tun?

Der durchschnittliche Tourist muß sich diesbezüglich keine Gedanken machen. Es gibt auch keine sinnvollen Maßnahmen außer im Vorfeld regelmäßig dafür zu sorgen, daß das Immunsystem fit ist, und eine aus vielfältigen sonstigen Gründen angebrachte Hygiene. Selbst für Abenteuerurlauber ist das Ansteckungsrisiko verschwindend gering. Nur wer sich länger in betroffenen Ländern aufhält und z. B. medizinisch bedingten engen Kontakt zur betroffenen Bevölkerung hat, sollte dem Problem erhöhte Aufmerksamkeit entgegenbringen.

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