Bernhard Peter
Aufruhr im Darm durch Amöben

(Bitte besprechen Sie im Zweifelsfall Ihre Beschwerden und Maßnahmen mit Ihrem Arzt)

 

Was sind Amöben?

Amöben sind Einzeller, sozusagen ganz, ganz primitive Ur-Tierchen aus nur einer einzigen Zelle. Sie sind unregelmäßig geformt, mit kleinen Scheinfüßchen (lappenartige Ausbuchtungen der äußeren Begrenzung) bewegen sie sich fließend fort. Sie sind ca. 0.01-0.06 mm groß und haben keine feste Gestalt.

 

Wie bekommt man Amöbenruhr?

Amöben bilden sog. Zysten. Das sind Amöben, die sich in einer schützenden Hülle verpackt haben und an der Außenwelt widrige Bedingungen überleben können. Zysten sind überall dort, wo Fäkalien von Erkrankten hingelangen. Wer diese Zysten aufnimmt, kann infiziert werden: Im Dünn- oder Dickdarm verlassen die Amöben ihre schützende Hülle und beginnen mit der Vermehrung. Der Mensch erkrankt also an Amöbenruhr durch mit Fäkalien verseuchtes Trinkwasser, durch fäkal verunreinigte Lebensmittel (Gemüse, Salate). Oder es werden einwandfreie Speisen nachträglich verunreinigt, z. B. durch Fliegen. Gerade Fliegen dürfen als Überträger nicht unterschätzt werden, weil sie genauso gerne Fäkalien wie Lebensmittel aufsuchen.

 

In welchen Ländern ist das Risiko am größten?

Die Erreger sind prinzipiell weltweit verbreitet. Besonders betroffen sind Länder in warmen Regionen mit unzureichender Abwasseraufbereitung, besonders also Mittel- und Südamerika, Afrika, Indien, Bangladesh, Pakistan.

 

Der Kreislauf der Amöben:

 

Wie verläuft eine Erkrankung an Amöbenruhr?

Wenn die widerstandsfähigen Dauerformen (Zysten) aufgenommen werden, schlüpfen die Amöben im Darm aus ihren schützenden Hüllen und beginnen mit der Vermehrung. Parallel entstehen wieder Zysten, so daß der Stuhlgang des Infizierten wieder ansteckend ist. Zwischen der Infektion und den ersten Beschwerden können 2-4 Wochen, aber auch Monate und Jahre liegen. Die Krankheitsbilder sind sehr unterschiedlich:

Harmlosester Fall: Erreger kommen nur im Darm vor, kaum Beschwerden, leichte Durchfälle ohne Fieber.

Erreger dringen in die Darmwand ein und verursachen Verdauungsstörungen (Amöbenruhr). Dabei können die Amöben das Darmgewebe richtig auflösen und zerstören. Sie vermehren sich in flaschenförmigen Geschwüren. Dadurch werden schwere Durchfälle und Krämpfe ausgelöst. An den Durchfall schließt sich ein Zustand mit Fieber, Ausscheiden von zerstörter Darmschleimhaut und Blut an. Der Stuhl ist breiig, schleimig und blutig ("himbeergeleeartig"). Die Beschwerden können spontan verschwinden oder unbehandelt jahrelang anhalten.

Erreger dringen in den Körper ein, verteilen sich auf dem Blutweg und befallen andere Organe wie Leber, Milz, Lunge, Gehirn, Uro-Genital-Trakt. Am häufigsten ist ein Leberabszess, der zu Beschwerden wie starkes, wiederkehrendes Fieber mit Schüttelfrost, Oberbauchschmerzen, allgemeiner Schwäche und Übelkeit sowie Gewichtsverlust führt. Unbehandelt schreitet die Krankheit weiter fort, es werden immer weitere Organe befallen.

 

Was macht Amöbenruhr zu einem ernsten Problem?

Jährlich fordert die Amöbenruhr 50 000-100 000 Menschenleben! Mangelnde Hygiene ist ein weitverbreitetes Problem, vor allem in der Dritten Welt. Weltweit sind ca. 500 Millionen Menschen infiziert, davon erkranken jährlich 40-50 Millionen.

Vielfalt der Krankheitsbilder

Problem der widerstandsfähigen Dauerformen (Zysten): Sie überleben Austrocknung, Chlorierung von Trinkwasser und sogar die Magensäure!

Vielfalt der Krankheitserreger: Von harmlos bis hochgefährlich gibt es viele verschiedene Arten von Amöben.

Schwierigkeit der Diagnose: Amöbenruhr kann mit fast allen anderen Durchfallerkrankungen verwechselt werden. Zudem gibt es invasive und nichtinvasive Amöben, die in Stuhlproben nur schwer voneinander zu unterscheiden sind.

 

Gibt es eine Impfung gegen Amöbenruhr?

Nein, es gibt keinen Impfstoff gegen Amöbenruhr. Weil es sich um Einzeller handelt und weder um Bakterien noch um Viren, ist ein Impfstoff auch so gut wie unwahrscheinlich. Auch eine einmal überstandene Krankheit ist kein Schutz vor einer neuen Ansteckung.

 

Vorbeugen ist besser als krank sein - wie Sie sich selbst schützen können:

Trinken Sie kein unabgekochtes oder unbehandeltes Leitungswasser! Meiden Sie offene Flaschen oder Wasserkaraffen in den Hotels! Kaufen Sie am besten industriell abgefülltes Mineralwasser und verwenden Sie dieses selbst zum Zähneputzen. Wenn Sie in Gebiete reisen, in denen es kein hygienisch einwandfreies Trinkwasser gibt, sollten Sie das Leitungswasser vor dem Benutzen abkochen (Tauchsieder) oder spezielle Tabletten zur Wasserdesinfektion oder Wasserfilter verwenden.

Lassen Sie sich Getränke immer ohne Eiswürfel servieren! Auch wenn die Getränke aus der Flasche eingeschenkt werden, das Eis wird meistens im Kühlschrank gewonnen!

Rohkost-Fans aufgepaßt: Essen Sie Obst besser nur geschält und Gemüse lieber gegart! Vorsicht auch bei Salat, da er mit verunreinigtem Wasser gewaschen sein kann!

In warmen Ländern Mahlzeiten immer frisch zubereiten und direkt verzehren! Auch bei gekochten Speisen besteht in warmen Ländern ein Infektionsrisiko, z. B. durch Fliegen, vor allem dann, wenn sie vorgekocht und dann mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt wurden oder wenn sie wiederholt aufgewärmt wurden. Essen Sie deshalb auch keine Speisen, die von Straßenverkäufern angeboten werden.

Kein Verzehr von Speiseeis außer bei einwandfreien hygienischen Bedingungen!

Unbedingt vor dem Essen/Trinken Hände waschen! Evtl. Hände desinfizieren mit einem Desinfektionsmittel.

Kommen Sie gesund aus dem Urlaub zurück!

Zurück zur Übersicht Reisemedizin
Andere pharmazeutische Seiten
Home

© Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2004
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de