Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 100
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Schloß Geyerswörth

Im Kern ist das Schloß Geyerswörth eine mittelalterliche Burg, von der Familie Geyer aus Nürnberg erbaut, die sich im 14. Jh. in Bamberg niederließ, daher auch der Name. Einst lag das Schloß auf einer Insel (Wörth) und war nur über eine Brücke erreichbar. Im Jahr 1580 fiel das Schloß an das Hochstift Bamberg. Bis 1587 wurde das Schloß von Erasmus Braun zur bischöflichen Residenz umgebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Wappen über dem Eingang. Später wurde seine Funktion von der Neuen Residenz auf dem Domberg übernommen. 1743 erfolgte eine Instandsetzung des zwischenzeitlich etwas verfallenen Baus im barocken Stil durch J. J. M. Küchel. Seit 1904 wird der Bau als städtisches Ämterhaus genutzt.

Das Wappen ist geviert:

Dazu gehören folgende Helmzieren:

Der Bauherr zur Zeit der Fertigstellung war der Bamberger Bischof Ernst von Mengersdorf (1583-1591). Hier haben wir in Feld 3 seines Stammwappens einen bewußten Verstoß gegen die Farbregel, der aber insgesamt weniger schwer wiegt als eine Durchbrechung des Rhythmus aus den Farben blau-rot-silbern.

Die Ausrichtung des Bamberger Löwen ist grundsätzlich rechtsgerichtet. Bei aus zwei Wappenschilden zusammengestellten Kombinationen kann der Löwe im optisch linken Schild aus Courtoisie gewendet werden. In kombinierten Wappen, hauptsächlich gevierten Bischofswappen, begegnen uns mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann das identische Schildbild unverändert in die beiden schräg gegenüberliegenden Felder einbeschrieben werden, beidesmal mit rechtsgerichtetem Löwen und Schrägrechtsleiste. Aus heraldischer Courtoisie kann aber auch der Löwe in Feld 1 gewendet werden, dann wendet natürlich die Schrägrechtsleiste mit, so daß im Ergebnis die beiden Löwen in Feld 1 und 4 beide nach innen gerichtet sind und die beiden Schrägleisten gegenläufig sind. Dieses Wenden ist bezüglich Feld 1 in gevierten Wappen eine korrekte Gestaltungsvariante, Feld 4 dagegen ist invariant. Doch keine Regel ohne Ausnahme, es finden sich nämlich wie hier auch historische Beispiele, wo beide Löwen gewendet sind.

Abb.: Schloß Geyerswörth von der Rathausbrücke aus gesehen

Die Familie von Mengersdorf gehört zum alten fränkischen Adel und erlosch ca. um 1630. Sie ist eigentlich ziemlich unbedeutend, in der Reichsritterschaft finden sich kaum Belege für hervorhebenswerte Ereignisse in Zusammenhang mit der Familie. Überhaupt gibt es erst ab dem 16. Jh. konkrete Angaben. Das Stammgut Mengersdorf wurde von der Familie von Aufseß übernommen. Eine kurze Präsenz in der Geschichte hatte die Familie durch mehrere Domherren in Bamberg und Würzburg und diesen einen Bamberger Bischof zur Zeit der Gegenreformation. Der Letzte seines Stammes war Johann Ernst von Mengersdorf, Bamberger und Würzburger Domkapitular.

Der Bischof von Mengersdorf war für seinen Würzburger Kollegen Julius Echter von Mespelbrunn, der die Wahl begünstigte und ihn auch zum Bischof weihte, Garant für eine starke Hand der Gegenreformation im benachbarten Bistum. Entsprechend setzte Mengersdorf auch die Beschlüsse des Tridentinums durch, führte den Gregorianischen Kalender ein, gestaltete die Festtags- und Fastenordnungen neu und errichtete ein Priesterseminar. Weiterhin baute er die Festungen Forchheim und Kronach aus und stabilisierte insgesamt sein Bistum in schwierigen Zeiten.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:

Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)
Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609-1622)
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633)
Franz von Hatzfeld (1633-1642)
Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653)
Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672)
Peter Philipp von Dernbach (1672-1683)
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729)
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)
Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753)
Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757)
Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779)
Franz Ludwig von Erthal (1779-1795)

Literatur:
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch. Siebmachers Wappenbuch.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4

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