Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1007
Großherzogtum Luxemburg

Schloß Koerich (Luxemburg)

Schloß Koerich
Schloß Koerich im gleichnamigen Ort im Großherzogtum Luxemburg liegt im Eischtal, dem Tal der sieben Schlösser, so genannt, weil hier in räumlicher Nähe wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht bedeutende Beispiele luxemburgischer Burgen und Schlösser zu finden sind, Koerich (corrich), Septfontaines, Alt- und Neu-Ansemburg, Hollenfels, Mersch. Einst gab es in Koerich noch ein weiteres Schloß, so daß wir insgesamt auf die Zahl 7 kommen. Und in unmittelbarer Nähe zu dieser "Perlenkette", im Tal der Mamer, liegt noch Schloß Schönfels. Schloß Koerich ist heute eine geborstene Ruine, aber die einzelnen Bauphasen lassen sich trotzdem gut an den erhaltenen Mauern ablesen.

Von außen präsentiert sich das ehemalige Wasserschloß (genannt "Gréiveschlass") in der Ortsmitte am Göbelinger Bach, das beim Besuch wegen Ausgrabungs- und Renovierungsarbeiten gesperrt war, als gewaltiges Rechteck in NS-Richtung, wobei der Haupteingang im Nordosten erst in den Wirtschaftsteil führte, und von da zu den Repräsentationsbauten im südlichen Teil der Anlage. Etwas freier im rechteckigen Hof steht einer der ältesten Teile, ein gewaltiger mittelalterlicher Wohnturm vom Donjon-Typ, an dessen Südseite ein grüner Wassertümpel liegt. Bei einer Höhe von 11 m, einer Grundfläche von 12 m auf 11.6 m und einer Mauerstärke von 3.0 bis 3.5 m im Erdgeschoß (oben weniger) ist es einer der beeindruckendsten luxemburgischen Wohntürme (Donjons) aus dem Mittelalter. Und doch ist er nur ein Fragment und muß früher mehr als doppelt so hoch gewesen sein, ca. 20-25 m kann seine Höhe geschätzt werden, vor allem, wenn man ihn mit ähnlichen Wohntürmen in Hollenfels, Mersch oder Schönfels vergleicht. Im Innern verbindet eine gemauerte Rundtreppe die einzelnen Ebenen.

Die neueren Wohntrakte bilden den Süd- und den südlichen Westflügel. Die Südseite in Richtung auf den Kirchhügel zu wird beherrscht von den so charakteristischen wie selten in dieser Form anzutreffenden im 45°-Winkel angebauten viereckigen Türmen. Außer dem Wohnturm, dem Südwestturm und den Umfassungsmauern sind nur Grundmauern erhalten.

Das Wappen am Donjon:
Am Donjon befindet sich über dem Türdurchbruch der Südwand das Wappen des luxemburgisch-moselländischen Geschlechtes Elter/Autel. Es zeigt in Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 18 goldenen Schindeln, in jedem oberen Winkel 5 (2:1:2), in jedem unteren Winkel 4 (2:1:1). Die dazu gehörende Helmzier wäre ein Mannesrumpf wachsend, gewandet in ein wie der Schild bez. Kleid, auf dem Kopf ein niedriges Mützchen, im Siebmacher Luxemburg als roter Kardinalshut mit beiderseits herabfallenden Fiocchi beschrieben bzw. dargestellt. Im Gruber als bärtiger Mannsrumpf mit golden gestulpter roter Mütze, das Kleid wie der Schild bez. Die Helmdecken werden übereinstimmend als rot-golden angegeben.

Die Anzahl der Schindeln wird unterschiedlich angegeben. Mal sind es 20 (4 x 5 (2:1:2)), mal sind es 18 (2 x 5 (2:1:2) + 2 x 4 (2:2)) oder wie hier 18 (2 x 5 (2:1:2) + 2 x 4 (2:1:1)). Für alles lassen sich Belege finden: In Mersch ist die Anordnung am Schloßtor 18 (2 x 5 (2:1:2) + 2 x 4 (2:2)), am Turm desgleichen. In Neumagen-Dhron am Epitaph ist sie 18 (2 x 5 (2:1:2) + 2 x 4 (2:1:1)), am Johannesaltar im Trierer Dom 20 (4 x 5 (2:1:2)). Hier ist sie 18 (2 x 5 (2:1:2) + 2 x 4 (2:1:1)).

Was sagt die Literatur? Der Gruber beschreibt 20 (4 x 5 (2:1:2)), im Siebmacher, Band Luxemburg findet sich im Vergleich die Angabe von 16 goldenen Schindeln, in jedem Winkel 4 (2:2). Und Loutsch beschreibt als isoliertes Wappen 18 (2 x 5 (2:1:2) + 2 x 4 (2:1:1)), für die kombinierten Wappen wie d'Autel d'Aspremont oder d'Autel de Hollenfels 20 (4 x 5 (2:1:2)) in den einzelnen Feldern.

Der Grund für diese Vielfalt kann möglicherweise in der Darstellung auf Dreieckschilden oder Halbrundschilden liegen, wo die jeweils äußerste und unterste Schindel einer 5er-Belegung abgeschnitten wird, wie besonders deutlich hier und in Neumagen nachzuvollziehen ist, wovon sich die Anzahl vier ableitet und bleibend wird, auch wenn später wie in Mersch Schildformen genommen werden, die ausreichend Platz für 20 (4 x 5 (2:1:2)) lassen.

Die Entwicklung des Wappens Autel / Elter:

Elter/Autel: Alte luxemburgische Familie, stammen von einem gleichnamigen Ort bei Arlon. Der Letzte dieses Namens war Jean-Frédéric d'Autel, Offizier, Graf seit dem 20.12.1685. Durch Philipp V König von Spanien wurde er am 1.1.1705 in den Orden vom Goldenen Vlies aufgenommen.

Wappen: In Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 20 goldenen Schindeln, in jedem Winkel 5 (2:1:2). Die dazu gehörende Helmzier ist ein Mannesrumpf wachsend, gewandet in ein wie der Schild bez. Kleid, auf dem Kopf ein niedriges Mützchen, im Siebmacher Luxemburg als roter Kardinalshut mit beiderseits herabfallenden Fiocchi beschrieben bzw. dargestellt. Im Gruber als bärtiger Mannsrumpf mit golden gestulpter roter Mütze, das Kleid wie der Schild bez. Helmdecken rot-golden.

Variante in der Anzahl und Anordnung der Schindeln: In Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 18 goldenen Schindeln, in jedem oberen Winkel 5 (2:1:2), in jedem unteren Winkel 4 (2:1:1). Oberwappen wie oben.
Variante in der Anzahl und Anordnung der Schindeln: In Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 18 goldenen Schindeln, in jedem oberen Winkel 5 (2:1:2), in jedem unteren Winkel 4 (2:2). Oberwappen wie oben.
Wappen Elter/Autel d'Aspremont: Geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 20 goldenen Schindeln, in jedem Winkel 5 (2:1:2) (Autel). Feld 2 und 3: In Rot ein durchgehendes silbernes Kreuz (Aspremont).
Wappen d'Autel de Hollenfels: Halbgespalten und geteilt. Feld 1 (oben vorne): in Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 20 goldenen Schindeln, in jedem Winkel 5 (2:1:2) (Autel). Feld 2 (oben hinten): In Gold ein durchgehendes rotes Kreuz, das erste Viertel silbern mit schwarzem Löwen (Haraucourt), Feld 3 (unten): In Rot eine silberne, rautenförmige Gürtelschnalle (Rink) (Hollenfels). Nach einem Siegel von Diederich d'Autel, seigneur de Hollenfels 1466.
Wappen Elter/Autel (Bastardlinie): In Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 18 goldenen Schindeln, in jedem oberen Winkel 5 (2:1:2), in jedem unteren Winkel 4 (2:1:1), das Ganze überdeckt von einem Schrägfaden. Gaspard, Bürgermeister von Laroche 1455, fügte dem Autel-Wappen einen Bastardfaden hinzu
Nun fand das Wappen Eingang in das der Mohr vom Wald. Die Mohr vom Wald sind ein rheinisches, uradeliges Geschlecht, insbesondere im Kurtrierischen ansässig. Sie sind eine Seitenlinie eines Geschlechtes namens Wald aus Peterswald, einem Dorf bei Zell im Hunsrück. Sie waren Mitglied der Rheinischen Reichsritterschaft. Ihr Stammwappen ist: Gold mit schwarz-gold geschachtem Schildhaupt. Helmzier ein wachsender Mohrenrumpf in wie der Schild bez. Farben auf dem Gewand, mit golden-schwarzer, nach hinten abfliegender Kopfbinde. Helmdecke schwarz-gold.

Lothar Ferdinand Mohr de Waldt hatte Maria Luisa Franziska von Warsberg geheiratet. Die 11 Kinder aus dieser Ehe wurden von der letzten Gräfin d'Autel zu Erben ihrer Güter im Luxemburgischen eingesetzt. Sie nannten sich jetzt Mohr vom Wald d'Autel. Am 2.10.1725 erhielten die Kinder von Lothar Ferdinand Mohr de Waldt, Herrn auf Petzdorff, Peterswaldt etc., Abgeordneter der Ritterschaft, Rat des Provinzialrates des Herzogtums Luxemburg, die Erlaubnis, Namen und Wappen des Geschlechtes Autel dem ihrigen beizufügen. Reichsritterdiplom 15.1.1757 für Philippe Everard M. d. W. d'A. Philippe Everard M. d. W. d'A, desselben Ranges wie sein Vater, Herr zu Mersch, Betzdorf und Heffingen, Ritterrichter des Herzogtums, war der älteste Sohn von Lothar Ferdinand Mohr de Waldt, gest. 1738. Philippe Everard M. d. W. d'A. war verheiratet mit Walburg Gräfin von Beroldingen und starb am 15.5.1767. Mit dessen Sohn Joseph Anton Philipp Lothar Franz Freiherr M. v. W. d'A. wiederum starb die Familie 1784 aus.

Das vermehrte Wappen der Mohr vom Walde d'Autel sah wie folgt aus: Hauptschild: In Rot ein durchgehendes goldenes Kreuz, bewinkelt von 20 (4x5) goldenen Schindeln. Herzschild: Gold mit schwarz-golden in zwei Reihen geschachtem Schildhaupt (obere Abb.) oder Gold mit schwarz-golden in drei Reihen geschachtem Schildhaupt (untere Abb.). Helm 1: ein wachsender Mohrenrumpf in wie der Schild bez. Farben auf dem Gewand. Helmdecke Schwarz-gold. Helm 2: ein Mannesrumpf wachsend, gewandet in ein wie der Herzschild bez. Kleid, auf dem Kopf ein niedriges Mützchen, im Siebmacher Luxemburg als roter Kardinalshut dargestellt. Im Gruber als bärtiger Mannsrumpf mit golden gestulpter roter Mütze, das Kleid wie der Schild bez. Helmdecken rot-golden.

Eine dritte, inverse Variante des vermehrten Wappens der Mohr vom Walde d'Autel wird wie folgt angegeben: Hauptschild: Gold mit schwarz-gold in zwei Reihen zu je vier oder mehr Plätzen geschachtem Schildhaupt. Herzschild: In Rot ein durchgehendes goldenes Kreuz, bewinkelt von 20 (4x5) goldenen Schindeln. Helm 1: ein wachsender Mohrenrumpf in wie der Schild bez. Farben auf dem Gewand. Helmdecke schwarz-golden. Helm 2: ein Mannesrumpf wachsend, gewandet in ein wie der Herzschild bez. Kleid, auf dem Kopf ein niedriges Mützchen, im Siebmacher Luxemburg als roter Kardinalshut dargestellt. Im Gruber als bärtiger Mannsrumpf mit golden gestulpter roter Mütze, das Kleid wie der Schild bez. Helmdecken rot-golden.

Baugeschichte von Schloß Koerich:
Vom Typus her war Koerich eine spätromanische Niederungsburg, eine Talburg (im Gegensatz zu den Höhenburgen über dem Eischtal), die in mehreren Ausbauphasen erweitert wurde:

Ende 12. - Anfang 13. Jh. - Bau der romanischen Burg, Erwähnung 1259. Die Erbauer sind die Herren von Koerich, bes. Wirich I. Herr von Koerich und Haushofmeister (Seneschall) von Luxemburg. Aus dieser Zeit stammen die Außenmauern der Wasserburg und der Donjon. Die Tochter von Wirich, Johanna, heiratete Godefroi de Bertrange (Thionville).

Abb.: Blick von den Ruinen des Südflügels auf den spätromanischen Donjon. Das hier besprochene Wappen befindet sich rechts oben über dem erhöht liegenden Eingang.

ca. 1300 - teilweiser Umbau im gotischen Stil

1356 heiratete Maria von Koerich Gilles I d'Autel, dessen Stammburg Autel (Autelbas) nahe Arlon liegt und 1412 von Antoine de Bourgogne zerstört wurde.

1380/85 - substanzielle gotische Erweiterung unter Gilles d'Autel-Koerich. Ein gotisches Wohngebäude entstand im rechteckigen Bering auf der Westseite des Burghofes, das heute noch in der Mauersubstanz erkennbar ist. Auch die beiden rechteckigen Türme an den Ecken der Südwand, die so charakteristisch schräg stehen, datieren in diese Zeit. Nur noch der sog. Kapellenturm in der SW-Ecke steht heute, im Erdgeschoß eine Kapelle, im ersten Stock ehemals eine Wachstube, später mit Barockkamin ausgestattet. Der SO-Turm ist nur noch in seinen Grundmauern und Ansätzen zu rekonstruieren.

Abb.: Blick von Südwesten auf die Westmauer. Im linken Teil befinden sich dahinter ehemalige niedrige Wirtschaftsgebäude, im rechten Teil befand sich das gotische Wohnhaus. Rechts angeschnitten der SW-Turm.

Nach einigen Rückschlägen konnte 1466 Gilles II d'Autel Autel (Autelbas) und Koerich zurückerwerben. 1560 wechselt die Burg erneut, denn Margarethe von Autel-Koerich heiratet Johann von Landscheid.

1580-1585 - Renaissance-Umbau unter Jacques II. de Raville-Bassompierre (Raville = Rollingen). Die von Wassergräben umgebene Niederungsburg wurde in einen feudalen Herrensitz umgewandelt.

1623 wird Koerich an den Herrn von Mouzay verpfändet.

1652-1657 - Umbau

1714 und 1720 Lothaire- Fréd. de Raville

nach 1728 - Umbau des Südflügels im barocken Stil. Das Corps de logis im Südflügel wird ein großartiger Schloßbau mit großen Fenstern auf zwei Ebenen. Von den beiden Türmen an der SW- und der SO-Ecke ist nur der linke erhalten. Durch die der Länge nach gespaltende Stirnwand blickt man auf einen Prunkkamin im ersten Stock aus der Zeit dieses barocken Umbaus. Er läßt erahnen, daß hier einst ein prunkvoller Herrensitz eingerichtet war.

1739 - Schloß und Herrschaft werden von Lambert-Joseph de Marchant et d’Ansembourg gekauft, der 1750 den Reichsgrafentitel bekam. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Bezeichnung Gréiweschlass.

Weitere Besitzwechsel folgten: de Tornaco, Pfortzheim, de Marche, 1892 Baron Emile H.F.G. de Wykerslooth, 1949 Pierre Flammang.

Abb.: Blick von Westen auf die Westmauer und den SW-Turm, nachträglich mit großen Kreuzstockfenstern versehen. Im unteren Teil des SW-Turmes befindet sich die Kapelle, obendrüber ein barockisierter Raum mit Kamin.

Nach 1755 wurde das Schloß verlassen und dem Verfall preisgegeben. Ab 1950 wurden unter dem letzten Privatbesitzer, Pierre Flammang (Bürgermeister von Koerich), Sicherungsarbeiten durchgeführt. Heutiger Besitzer ist der Staat, das Großherzogtum Luxemburg, und in neuerer Zeit wurden die Kellergewölbe des Südflügels freigelegt und Ausgrabungen im Schloßhof durchgeführt.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Siebmacher NaA S. 40, T. 67, Lux S. 11, T. 10, Lot S. 43, T. 29.
http://www.associationchateaux.lu/deutsch/koerich/geschichte/index.html
http://www.septchateaux.lu/content.aspx?CategoryID=700
http://www.ksf.lu/ - http://www.ksf.lu/pdf/schloss_d_f.pdf - http://www.ksf.lu/pdf/zwou_buergen.pdf
H. Kuhn, J.P. Koltz: Burgen und Schlösser in Lothringen und Luxemburg, Frankfurt/Main 1964
R. Krantz und N. Quintus, Untersuchungen über zwei Burgen in Koerich
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du Pays de Luxembourg, 1974
Roger Bour, Taschenführer durch die Burgen und Schlösser in Luxemburg, Luxemburg 1982, Band 1
Châteaux Luxembourgeois, Luxemburger Burgen und Schlösser, Hrsg. Association des Châteaux luxembourgeois und Office national du Tourisme ONT, 2005, ISBN 2-87996-801-1
Herrn J. Weber ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

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