Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 101
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Jakobskirche in Bamberg, St. Jakob

Über dem Portal von St. Jakob prangt ein gigantisches Rokoko-Wappen des Bamberger Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779).

Das Wappen ist mit zwei Bogenschnitten schräggeviert mit wiederum gerade geviertem Herzschild:

Zu diesem Wappen würden theoretisch folgende drei Helmzieren gehören:

Meist jedoch wird wie hier auf das Oberwappen zugunsten der Kaiserkrone verzichtet, hinter dem Schild schräggekreuzt Schwert und Krummstab, senkrecht ein Vortragekreuz.

Wenn wie hier in einem Wappen Elemente beider Hochstifte kombiniert werden, finden wir immer und grundsätzlich die Symbole für Bamberg in den höherwertigen, angeseheneren Feldern im Schild, so z. B. Feld 1 und 4 im schräggevierten Schild, während die Symbole für Würzburg auf die "billigen Plätze" kamen, die beiden seitlichen Felder 2 und 3 im schräggeviertem Schild.

Was ist der Grund? Zum einen war Bamberg eine kaiserliche Stiftung, ein kaiserliches Hochstift, weshalb die Bischofswappen auch die Kaiserkrone zeigen. Würzburg war eine Gründung von Bonifatius, seines Zeichens Missionar und Kirchenreformer, nicht Kaiser. Zum anderen war das Bistum Bamberg exemt, also aus der kirchenrechtlichen Zuständigkeitsstruktur ausgegliedert und Rom unmittelbar unterstellt, was ihm eine weitreichende Eigenständigkeit ermöglichte, ohne einem Erzbistum unterstellt zu sein. Diese Exemtion war ein besonderen Privileg, das z. B. auch das Kloster Fulda besaß. Würzburg, obwohl älter und mächtiger, hatte dieses Privileg nicht. Würzburg wurde gegen Ende des 8. Jh. Suffraganbistum des von Karl dem Großen zum Erzbistum erhobenen Bistums Mainz. Auch auf Reichstagen nahm der Bamberger Bischof einen höheren Rang ein als der Kollege aus Würzburg.

Die Familie von Seinsheim ist ein fränkisches Ministerialengeschlecht mit zwei Lehnherren, der Bischof von Würzburg und der Abt des Klosters Michelsberg. Die Stammreihe beginnt mit Siegfried von Seinsheim (Sifridus de Sowensheim), 1172-1209 erwähnt. Zu dem ausgedehnten Besitz der Familie in Franken gehörten Erlach, Schwarzenberg, Astheim bei Volkach, Burg Kottenheim, Burg Hohenlandsberg, Seehaus, Hörblach, Wässerndorf etc. Die Familie ist in zwei Linien aufgespalten, von Seinsheim-Seinsheim und von Seinsheim-Schwarzenberg. 1429 erhielt ein Angehöriger der zweiten Linie den Freiherrentitel; der Stamm lebt in den Fürsten von Schwarzenberg fort. Die Linie von Seinsheim-Seinsheim erwarb den Besitz Sünching im Jahre 1572. Das liegt in der Oberpfalz. Anläßlich ihrer Erhebung in den Reichsfreiherrenstand 8 Jahre später vierten sie ihren Schild mit dem Wappen der ausgestorbenen Familie von Sünching, auf deren Gütern sie saßen. So kam die Wildsau ins Wappen. Die Familie von Seinsheim ist heute im Mannesstamm erloschen, der letzte war Maximilian Graf von Seinsheim (1844-1917). Die letzte Seinsheimerin, Gräfin Gabriele von Seinsheim, heiratete Johann Freiherr von Hoenning O'Carroll; ihnen gehört heute noch der Besitz Sünching. In der Fürstenfamilie von Schwarzenberg lebt der andere Zweig jedoch fort.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:

Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)
Johann Gottfried I. von Aschhausen (1609-1622)
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633)
Franz von Hatzfeld (1633-1642)
Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653)
Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653-1672)
Peter Philipp von Dernbach (1672-1683)
Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693)
Lothar Franz von Schönborn (1693-1729)
Friedrich Carl von Schönborn (1729-1746)
Johann Philipp Anton Freiherr von Franckenstein (1746-1753)
Franz Konrad Graf von Stadion und Thannhausen (1753-1757)
Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779)
Franz Ludwig von Erthal (1779-1795)

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbücher.

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