Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 102
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Haus zum Saal in Bamberg

Das Haus zum Saal ist auch als Wallenstein-Haus bekannt, weil jener hier einst 1632 nächtigte. Es ist ein hochaufragendes Haus in der Langen Straße 3. Zwei Löwen halten im Im Giebelfeld das reliefierte Vollwappen der Freiherren von Aufseß: In Blau ein weißer Balken, belegt mit einer roten Rose. Die zugehörige Helmzier zeigt einen Pfauenstoß zwischen zwei wie der Schild bez. Büffelhörnern. Helmdecken blau-silbern. Die Helmzier unterliegt einer gewissen Variabilität, mal ist es ein Pfauenstoß, mal eine einzelne Pfauenfeder, mal kommt er aus einem goldenen Halter.

Die Reichsritter von Aufseß sind eine der ältesten Familien Frankens. Belege gehen zurück bis in das 11. Jh. Im Laufe der Geschichte wurden sie gezwungen, immer wieder um ihre Unabhängigkeit zu kämpfen. Zum einen mußten sie ihre früher eigenständigen Herrschaften und Burgen dem Bistum Bamberg oder auch dem Burggrafen von Nürnberg zu Lehen auftragen, mehr mit Waffengewalt gezwungen als freiwillig, versteht sich. Zum anderen führten sie einen ständigen Streit mit dem Hochstift Bamberg um die Halsgerichtsbarkeit, die ein Recht der Familie von Aufseß war und die ihnen König Wenzel 1387 noch einmal verbrieft hatte, was das Hochstift aber partout nicht anerkennen wollte. Die großen Ressourcen ihrer Besitzungen ermöglichten der Familie lange, die Opposition auch militärisch zu wagen, aber dennoch ließen sich auf Dauer die Einbuße von Privilegien, der Verlust von Freiheitsrechten und damit verbunden der gesellschaftliche Abstieg ("Standesminderung") nicht vermeiden. Was sie behielten, war das Erbschenkenamt des Hochstiftes Bamberg.

Im Kern stammt dieses Haus aus dem 15. Jh., wurde aber später unter dem Besitzer Karl Sigismund von Aufseß (ein Domdekan) ab 1715 umgebaut, nachdem er das Haus zum Saal 1710 übernommen hatte. Die Inschrift (sehr gut erklärt unter www.bamberga.de) unter dem Wappen verkündet dies: REVERENDISS CAROLUS SIGISMUND ECCL. BAMB. DECANUS & PROPRINCEPS DOMUM HANC FAMILIAE SUAE LEGAVIT A° 1715. NEPOS VERO PERILLUSTR D. HENRIC CHRISTOPHOR L.B. AB AUFSEESS A° 1717 ABSOLVIT. Übertragung: Der hochwürdigste Karl Sigismund, der Kirche von Bamberg Dekan und des Fürstbischofs Stellvertreter, hat dieses Haus seiner Familie gestiftet im Jahr 1715. Sein Neffe, der sehr angesehene Herr Heinrich Christoph Freiherr von Aufseß vollendete im Jahre 1717. Denn der Bauherr verstarb während der Umbauarbeiten, und sein Neffe vollendete den riesigen Bau.

Das Wappen hat aus heutiger Sicht einen heraldischen Fehler, denn es zeigt über dem Schild eine Rangkrone und darüber erst die Helmzier mit Helmkrone, ein Umstand, den man offensichtlich im 18. Jh. erheblich lockerer sah als heute. Heute gilt wie einst zur Blütezeit der Heraldik: Rangkrone statt Helm und Helmzier, Laubkrone zum Helm und zur Helmzier, aber nie beides gleichzeitig.

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Literatur: Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch. Siebmachers Wappenbuch.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
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