Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1023
Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis)

Stadttor in Neckargemünd

Am Ausgang der Neckargemündener Altstadt in Richtung Wiesenbachertal befindet sich ein barockes Stadttor, welches im Jahre 1788 zu Ehren des Kurfürsten Karl Theodor erbaut wurde. Das kurfürstlich pfälzische Wappen entspricht der Variante der Sulzbacher Linie, die von genau einem Pfälzer Kurfürsten geführt wurde, nämlich nur von Karl Theodor. Das Feld Bergen op Zoom ist der Schlüssel der Zuordnung, es kam erst 1728 ins pfälzische Wappen, und die Linie Sulzbach stellte erst ab 1742 mit Karl Theodor den pfälzischen Kurfürsten, so daß diese Form des Wappens ausschließlich 1742-1799 Gültigkeit hatte. Bestes Photolicht: früher Vormittag.

Es fällt auf, daß im Mittelschild die Pfalz an den bevorzugten Positionen 1 und 4 steht, abweichend vom Wappen der früheren altbayerischen Kurfürsten, die dem bayerischen Wappen den Vorzug gaben.

Das Wappen zeigt vier Ordensketten:

Weitere Wappen von Karl Theodor:

Genealogie zum Wappen:

Lebenslauf des Wappenträgers:
10.12.1724 geboren auf Schloss Drogenbusch bei Brüssel

1733 Pfalzgraf bei Rhein zu Sulzbach, Marquis v.Bergen-op-Zoom

17.1.1742 heiratete er in Mannheim Maria Elisabeth Aloise Auguste Pfalzgräfin bei Rhein zu Sulzbach. Sie war die Enkelin des letzten Kurfürsten Karl III Philipp von der Pfalz, denn sie war die Tochter von Joseph Karl Emanuel August Erbprinz bei Rhein zu Sulzbach (2.11.1694 - 18.7.1729) und Elisabeth Auguste Sophie Pfalzgräfin bei Rhein (17.3.1693 - 30.1.1728), letztere war die Tochter von Karl III. Philipp Kurfürst v. der Pfalz (4.11.1661 - 31.12.1742) und Louise Karoline Prinzessin Radziwillówna (1667 - 23.3.1695). Der Tod des Erstgeborenen, der Ausbleib weiterer Kinder, sowie die beiden unehelichen Verbindungen des Kurfürsten ließen die Ehe eine unglückliche werden.

31.12.1742 Kurfürst von der Pfalz (Karl IV). Obwohl aus der Seitenlinie Sulzbach, wurde er Kurfürst, weil die Hauptlinie ohne männlichen Nachkommen war. Wegen des frühen Todes von Vater und Onkel wurde er von Karl III Philipp von der Pfalz (Kurfürst 1716 bis 1742) erzogen und als Nachfolger herangezogen. Mit Karl III Philipp starb die Linie Pfalz-Neuburg der Wittelsbacher aus, Karl Theodor wurde Erbe all seiner Besitzungen.

1742-1777 „Erste Goldene Ära“ Mannheims: kulturelle Blüte der Residenzstadt Mannheim, wirtschaftlicher Aufschwung, Mannheim wurde Barockstadt, Vollendung der Residenz und Schloßkirche Mannheim, Vollendung des Sommersitzes in Schwetzingen, Reformen im Geiste der Aufklärung, Förderung von Kunst und Wissenschaft.

1763 Gründung der Mannheimer Akademie der Wissenschaften

1763 Gründung des Collegium Anatomico-Chirurgicum in Düsseldorf

22.09.1766 Karl Theodor und Kurfürst Max III. Joseph von Bayern unterzeichnen eine Erbverbrüderung, in der Bayern und Pfalz als unteilbarer Gesamtbesitz behandelt werden.

30.6.1769 Kauf des Rittersitzes Paland in Weissweiler

1773 Kauf der Herrschaften Bretzenheim und Winzenheim

30.12.1777 Kurfürst v. Bayern (Karl II). Die bayerische Linie der Wittelsbacher starb 1777 mit Kurfürst Max III. Joseph von Bayern aus. Übernahme der Regierung durch Karl Theodor gemäß Erbverbrüderungsvertrag und

1778 Verlegung des Regierungssitzes und der Hofhaltung nach München

1778-1779 Bayerischer Erbfolgekrieg: Österreich erhebt Anspruch auf Niederbayern und die Oberpfalz, ein sog. Kabinettskrieg entwickelt sich, "Kartoffelkrieg" genannt, Preußen greift ein, 13.5.1779 Friede von Teschen, Innviertel gelangt an Österreich, Karl-Theodor gewinnt Anerkennung der Rechtmäßigkeit seiner Erbfolge.

2.10.1779 Hoftheater Mannheim nimmt den Spielbetrieb auf und entwickelt sich schnell zu einer der bedeutendsten Bühnen

1780 Gründung der Societas Meteorologica Palatina, der ersten international tätigen meteorologischen Gesellschaft.

1785 gescheiterter Versuch, ganz Bayern gegen die Österreichischen Niederlande zu tauschen, politisch sehr unkluge Idee, die ihn beim bayerischen Volk unbeliebt machte. Letztendlich verhinderte Friedrich II von Preußen das Geschäft durch Mobilisierung des Fürstenbundes.

1788-1789 zeitweilige Verlegung der Residenz zurück nach Mannheim

1789 Verlust des Stammlandes als Folge der französischen Revolution

21.5.1791 sehr umstrittene und politisch unkluge Szene: Der Stadtrat von München wurde zur Abbitteleistung vor einem Bildnis Karl Theodors gezwungen, was einen Eklat verursachte.

15.2.1795 heiratet er Maria Leopoldine Josepha Johanna Erzherzogin v. Österreich-Este, Prinzessin v. Modena, ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau. Diese Ehe wurde eine noch unglücklichere als die erste und blieb kinderlos, weil sich seine Frau jeglichem Kontakt verschloß.

16.2.1799 gestorben in der Münchner Residenz an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Nachfolger wurde Herzog Maximilian IV Joseph von Pfalz-Zweibrücken (Maximilian I von Bayern, 27.5.1756 - 13.10.1825). In München erinnern an ihn noch die Gemeinde Karsfeld, der Karlsplatz (Stachus) sowie das Karlstor. Auf seine Initiative geht die Anlage des Englischen Gartens zurück.

Literatur, Links und Quellen:
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Siebmachers Wappenbücher
J. Ph. A. Kintz: Feste Brücken im Heidelberger Stadtgebiet, Heidelberg 1928
Herbert Fritz: Die Baugeschichte der alten Brücke über den Neckar bei Heidelberg, in: Mein Heimatländ, Badische Blätter für Volkskunde, 15. Jahrgang, Karlsruhe 1928
Helmut Prückner: Die Alte Brücke. In: Elmar Mittler (Hrsg.): Heidelberg, Geschichte und Gestalt. Universitätsverlag C. Winter, Heidelberg 1996, ISBN 3-9215-2446-6. S. 162–171.
Helmut Prückner (Hrsg.): Die alte Brücke in Heidelberg. Braus, Heidelberg 1988, ISBN 3-925835-19-9.
Ludwig Holzfurtner: Die Wittelsbacher: Staat und Dynastie in acht Jahrhunderten, Kohlhammer Taschenbücher.
Werner Hesse: Hier Wittelsbach hier Pfalz. Geschichte der pfälzischen Wittelsbacher von 1214 - 1803, Landau / Pfalz, Pfälzische Verlagsanstalt, 1986
Hans F. Nöhbauer: Die Wittelbacher. Eine deutsche Chronik - eine europäische Dynastie, Scherz Verlag 1979.
Rudolf Reiser, Die Wittelbacher 1180-1918. Ihre Geschichte in Bildern. München, Bruckmann 1979.
Wittelsbach und Bayern, Hrsg. v. Hubert Glaser. München. Hirmer / Piper 1980, 6 Bände.
Hubert Glaser: Wittelsbach: Kurfürsten im Reich, Könige von Bayern. Zur Ausstellung des Bayerischen Nationalmuseums, München, Hirmer Verlag GmbH München, 1993. ISBN 3777462209.
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Oekonomische Encyklopädie von J. G. Krünitz, 1773 -1858 in 242 Bänden erschienen, eine der wichtigsten deutschsprachigen wissenschaftsgeschichtlichen Quellen: http://www.kruenitz1.uni-trier.de/
Orden vom Goldenen Vlies:
http://www.habsburg.net/fileadmin/content/Historische_Ausstellung/15_Vorderoesterreich/226_Vlies.pdf

Wappen der Wittelsbacher (1): Pfalz

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