Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1025
Neuburg an der Donau

Neuburger Schloß

Die ältere Linie Pfalz-Neuburg
Neuburg an der Donau ist ein alter Herzogssitz der Agilolfinger, im 8. und im 9. Jh. sogar ein Bischofssitz (wohl von 778-809, bekannt sind vier Bischöfe). Als die Agilolfinger abgesetzt wurden, wurde das Gebiet Königsgut. Auf die Karolinger folgten die Liudolfinger, die als Herzöge von Bayern mit Unterbrechungen auch Herren von Neuburg an der Donau waren. Herzog Heinrich IV von Bayern residierte sogar eine Zeitlang in Neuburg. Zeitweise hatten die Pappenheimer Neuburg als Lehen. 1247 kam es an die Herzöge von Bayern, als Herzog Ludwig II der Strenge Neuburg eroberte. Bei der Teilung 1392, als Bayern-München (Johann II), Bayern-Ingolstadt (Stephan III) und Bayern-Landshut (Friedrich) als Produkte neben dem bestehenden Bayern-Straubing entstanden, kam Neuburg an die Linie Bayern-Ingolstadt, 1445 kam es an Bayern-Landshut, als Bayern-Ingolstadt erlosch. Erst 1505 tritt Neuburg wieder selbständig ins Rampenlicht der Geschichte.

Dieses Herzogtum ist als Produkt des Landshuter Erbfolgekrieges 1505 für die beiden minderjährigen Söhne des Wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht von der Pfalz, Ottheinrich und Philipp als "Junge Pfalz" aus der Taufe gehoben worden. Es entstand aus Gütern Bayern-Münchens und Bayern-Landshuts, die Gebiete umfaßten Neuburg, Höchstädt, Sulzbach, Gundelfingen, Heideck, Velburg, Hemau, Reichertshofen, Kallmünz, Weiden, Lauingen und Burglengenfeld. Denn Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut hatte seinen Schwiegersohn Ruprecht Pfalzgraf bei Rhein (14.5.1481 - 20.8.1504), Ehemann seiner Tochter Elisabeth, zum Stammhalter seines Herzogtums bestimmt, was die Herzöge von Bayern-München nicht anzuerkennen bereit waren, denn sie beriefen sich auf salisches Erbrecht und beanspruchten als nächste Blutsverwandte das Erbe für sich, woraus 1503 nach dem Tode Herzog Georgs der Bayerische Erbfolgekrieg entstand. Ruprecht und Elisabeth starben noch bevor sich eine Lösung abzeichnete und hinterließen zwei minderjährige Söhne.

Der sog. Kölner Spruch vom 30.7.1505 beendete den Bayerischen (Landshuter) Erbfolgekrieg: Die beiden minderjährigen Söhne erhalten ein neues Gebiet als Herzogtum, gebildet aus den Besitzungen beider Kontrahenten. Beide Kriegsparteien mußten dafür territoriale Opfer bringen. Das 1505 gebildete Herzogtum Pfalz-Neuburg ist ein Territorium des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das nur wenig über 300 Jahre bestand und im Vergleich zu anderen Territorien nur eine kurze Geschichte hatte. Zudem war das zugehörige Territorium stark zersplittert. Allein das Stammland teilte sich in Oberland, Pfalz-Sulzbach, Nordgau und einen Teil in Franken. Verwaltungszentrum und Residenzstadt war Neuburg an der Donau. 1506 kamen weitere Territorien hinzu: Graisbach, Monheim, Dattenhofen, Parkstein, Vohenstrauß, Kohlberg, Hilpoltstein, Kaltenbrunn, Bärnstein, Floß, Regenstauf, Schwandorf, Hengersberg, Schmidmühlen u.v.a.m. Über Franken, Schwaben, Oberpfalz und Oberbayern lagen die Gebiete verstreut. Einige Gebiete wurden am 13.8.1509 wiederum an das Herzogtum Bayern-München verkauft.

1505-1523 regierten die beiden Brüder gemeinsam Pfalz-Neuburg, 1505-1522 unter der Regentschaft durch Prinz Friedrich von der Pfalz, weil sie 1505 bei Entstehung des Herzogtums erst 2 bzw. 3 Jahre alt waren. 1535 teilten sich die beiden Brüder das Gebiet, und 1535-1541 regierten sie getrennt, Ottheinrich nur das südliche Pfalz-Neuburg, Philipp nur das nördliche Pfalz-Neuburg. 1541 wurden beide Teile wiedervereinigt. Philipp verzichtete gegen eine finanzielle Abfindung auf die Mitregierung. 1541-1557 herrschte Ottheinrich, 1544–1546 erfolgte die Verwaltung des Landes durch die Landstände unter Vorsitz von Hans Krafft von Vestenberg, 1546–1552 nach dem Schmalkaldischen Krieg erfolgte Verwaltung durch Kaiser Karl V.

Schon 1556 zeichnete sich das Ende ab: Die Verwandten in Heidelberg starben ohne Nachkommen aus, und als letzte männliche Nachkommen der alten Kurlinie übernahm Pfalz-Neuburg die Regierung in der Kurpfalz. 1556 trat Ottheinrich das Heidelberger Erbe an, 1557 schloß man den Heidelberger Vertrag mit der Linie Pfalz-Zweibrücken. Das Territorium wurde an die Linie Pfalz-Zweibrücken 1557 verkauft. 1559 starb dann die alte Kurlinie der Pfälzer Wittelsbacher ganz aus, und die Kurpfalz wurde von Pfalz-Simmern übernommen. 1569 entstand die neue Linie Pfalz-Neuburg durch Spaltung von Pfalz-Zweibrücken.

Das Neuburger Schloß
Besonders eindrucksvoll ist die Silhouette der von Renaissance und Barock geprägten Neuburger Altstadt, wenn man sich von Norden oder Osten nähert und die Gebäude im Morgenlicht über der Donau schimmern sieht. Schloß- und Kirchtürme sowie Palastbauten des Schlosses der Pfalzgrafen von Pfalz-Neuburg bilden markante architektonische Akzente auf dem Hügel der Altstadt und bilden ein harmonisches Ensemble, ein Bilderbuch-Residenzstädtchen. Über 300 Jahre lang bestand das Fürstentum Pfalz-Neuburg: 1505-1808. In dieser Zeit wurde es von verschiedenen Zweiglinien der Wittelsbacher zur Residenz ausgebaut, wovon ein einzigartiges Ensemble von Renaissance- und Barockbauten zeugt.

Seit etwa 1527 ließ Pfalzgraf Otto Heinrich das Renaissance-Schloß an der Stelle einer mittelalterlichen Festung (von Herzog Ludwig dem Gebarteten erbaut) errichten. Der Nordflügel mit dem großen Rittersaal, in der Mitte des unteren Bildes gut zu erkennen, entstand ab 1530. Als nächstes kam der Südflügel mit dem Küchenbau an die Reihe, 1532-1534. Ab 1537 entstand der Westflügel zur Stadt hin (nicht im Bild). Der Westflügel bekam unter Pfalzgraf Wolfgang (reg. 1559-1569) seine einzigartige Ausmalung mit Sgraffito-Szenen aus dem Alten Testament. Der nächste große Bauabschnitt schloß die Baulücke nach Osten hin: Unter Philipp Wilhelm (reg. 1644-1690) wurde ab 1665 der gewaltige Ostflügel mit seinen beiden großen Ecktürmen erbaut, der heute die gesamte donauseitige Schauseite dominiert (oberes Bild).

Einfaches Pfalzgrafenwappen
Über einem Türdurchgang im älteren Teil des Schlosses findet sich ein auf 1538 datierter Wappenschild mit dem Pfälzer Löwen alleine: In Schwarz ein goldener Löwe, rot gekrönt, gezungt und bewehrt.

Veldenz im Wappen von Pfalz-Neuburg
Der Veldenzer Schild kommt über die Linie Zweibrücken in das Wappen der Pfalzgrafen und wird auch als gemeinsamer Anspruch von anderen Linien geführt. Das betreffende Beispiel befindet sich in dem mit Sgraffito-Szenen ausgemalten Arkadengang im Innenhof des Schlosses am Westflügel, über der Tür zum vorspringenden eckigen Treppenturm.

Aufbau: Geviert mit Herzschild

Zwei Helme:

  • Helm 1: Pfalz-Bayern (1), zwischen einem blau-silbern geweckten Paar Büffelhörnern ein golden gekrönter und rot bewehrter goldener Pfälzer Löwe auf gekröntem Helm. Das alte Kleinod der bayerischen Herzöge waren zwei silberne Hörner, mit Lindenzweigen besteckt. So wurde der Helmschmuck 1271 von den Söhnen Ottos II geführt. Erst später wurden auch die Hörner geweckt, und dann kam der Pfälzer Löwe hinzu, und die Lindenzweiglein gingen verloren.
  • Helm 2 (optisch ganz links): Pfalz-Bayern (2): Zwischen einem mit blau-silbernen schrägen Wecken tingierten Adlerflug ein rotbewehrter, rot gekrönter goldener Pfälzer Löwe auf gekröntem Helm. Helmdecken blau-silbern.
  • Gleich daneben sieht man, wenn man sich um 90 Grad nach Westen wendet, auf der Rückwand des Arkadenganges eine gemalte Variante des Wappens mit identischem Aufbau. Man beachte bei dieser Wappendarstellung insbesondere die lustige Spielerei, daß die Helme jeweils den schildhaltenden Löwen aufgesetzt worden sind. Die Initialen stehen für Herzog Philipp Ludwig Pfalzgraf (2.10.1547 - 22.8.1614, 1569-1614 in Neuburg).

    Die jüngere Linie Pfalz-Neuburg
    Pfalz-Neuburg wird als eigene Linie wiederbelebt, als sich Pfalz-Zweibrücken 1569 aufspaltet: Neben Pfalz-Zweibrücken und der jüngeren Linie Pfalz-Neuburg entsteht als drittes Produkt noch Pfalz-Birkenfeld.

    Pfalz-Neuburg beerbt Kleve-Jülich-Berg
    Später kamen zum Stammgebiet weitere zersplitterte Gebiete hinzu, 1609/14 die niederrheinischen Länder Jülich und Berg nach Beendigung des Jülich-Klevischen Erbfolgestreites, 1670 Ravenstein. Nach dieser Erbschaft wurde die Residenz zu Düsseldorf (Bestand bis 1716) errichtet.

    Diese Jülich-Klevische Erbschaft war eines der wichtigstes politischen und territorialgeschichtlichen Ereignisse der Linie Pfalz-Neuburg. Die Schlüsselheirat ist die zwischen Philipp Ludwig Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Neuburg, Herzog v. Bayern (2.10.1547 - 22.8.1614), und Anna v. Jülich-Kleve-Berg (1.3.1552 - 16.10.1632), geschlossen am 27.9.1574 in Neuburg. Anna war die Schwester des regierenden Herzogs der Vereinigten Herzogtümer (Herzogtümer Jülich, Berg, Kleve, Grafschaften Mark, Ravensberg, Fürstentum Moers), der über ein schrittweise in Personalunion zusammengewachsenes Territorium herrschte und bis zu seinem Tod ohne Nachkommen am 25.3.1609 die territoriale Einheit der betreffenden Gebiete sicherstellte.

    Beim Tode des Herzogs Johann Wilhelm I, letzter Herzog der Vereinigten Herzogtümer, traten gleich mehrere Parteien auf, die sich alle gleichermaßen erbberechtigt sahen: Die Pfälzer Wittelsbacher in den beiden Linien Pfalz-Neuburg und Pfalz-Zweibrücken, die brandenburgischen Hohenzollern, die sächsischen Wettiner und noch Markgraf Karl von Burgau. Hintergrund des nun folgenden Erbfolgestreites ist, daß a) die Unteilbarkeit der Vereinigten Herzogtümer und b) die ausdrücklich geregelte weibliche Erbfolge durch kaiserliche Privilegien verbürgt war. Der Dortmunder Vergleich vom 10.6.1609 schlossen sich die wichtigsten Anspruchsinhaber gegen alle restlichen zusammen: Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und Markgraf Ernst von Brandenburg. Aufgeheizt wurde der Konflikt durch konfessionelle Interessen. Der Vertrag von Xanten 1614 legte schließlich die Aufteilung der Gebiete fest: Brandenburg bekam das Herzogtum Kleve, die Grafschaften Mark und Ravensberg, dazu die Herrschaft Ravenstein auf dem Gebiet der heutigen Niederlande. Pfalz-Neuburg bekam die Herzogtümer Jülich und Berg. Doch selbst danach war noch nicht endgültig Ruhe, denn 1624 wechselte die Herrschaft Ravenstein den Besitzer und kam an Pfalz-Neuburg. Brandenburg herrscht von Kleve aus, Pfalz-Neuburg baut Düsseldorf zur Residenzstadt aus.

    Pfalz-Neuburg war insgesamt ein geographisch zersplittertes Konstrukt. Wenn etwas die Geschichte dieses etwas artifiziellen Herzogtums Pfalz-Neuburg prägt, so sind das territoriale Zerrissenheit und Erbauseinandersetzungen. Wolfgang Wilhelm rekatholisierte sein Land. Teile seines Landes gab er als Pfalz-Sulzbach an seinen Bruder August und Hilpoltstein an seinen Bruder Johann-Friedrich. Ersterer gründete die eigenständige Linie Pfalz-Sulzbach, letzterer hatte wenig Glück mit seinen Nachkommen, so daß Hilpoltstein 1644 an Pfalz-Neuburg zurückkam. 1685 bekam Pfalz-Neuburg auch die Kurpfalz. Die bis 1685 dort regierende Linie Pfalz-Simmern war ausgestorben, und nun wurde Pfalz-Neuburg Kurlinie. Seit etwa 1700 wird Pfalz-Neuburg als Herzogtum bezeichnet.

    Wappen nach der Kleve-Jülich-Berg-Erbschaft
    Dieses Wappen in der ab 1609/1614 gültigen Form befindet sich über dem Portal zum Ostflügel (Philipp-Wilhelm-Bau) im Innenhof des Neuburger Schlosses, welches durch denselben auf die Schloßterrasse führt. Das Portal wird flankiert von zwei überlebensgroßen Statuen von Philipp Ludwig Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Neuburg, Herzog v. Bayern (2.10.1547 - 22.8.1614), 1569-1614 in Neuburg, und seiner Frau, Anna v. Jülich-Kleve-Berg (1.3.1552 - 16.10.1632).

    Um das Wappen die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies mit Gliedern aus Feuerstählen und Flammen.

    In den Arkadengängen befindet sich auch das Allianzwappen von Wolfgang Wilhelm Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Neuburg, Herzog v. Bayern (1578 - 20.3.1653) und seiner ersten Frau Magdalene v. Bayern (4.7.1587 - 25.9.1628). Die Initialen WWP weisen ihm das Wappen zu - Wolfgang Wilhelm Pfalzgraf. Die gemalten Wappen sind durch das Kreuzgratgewölbe teilverdeckt. Besonders fällt der Unterschied zwischen den pfälzischen Wittelsbachern mit ihrem vielteiligen Wappenschild und dem schlichten, aus Pfalz und Wittelsbach gevierten Wappenschild der bayerischen Linien auf. Das Gemälde muß vor seiner zweiten Heirat 1631 entstanden sein.

    Literatur, Quellen und Links
    Hinweistafeln am Gebäude
    Siebmacher's Wappenwerk
    Beste Seite im Web über die Geschichte von Pfalz-Neuburg:
    http://www.pfalzneuburg.de/page2/page2.html
    Virtueller Stadtrundgang in Neuburg:
    http://neuburg-donau.info/sehenswertes/rundgang/station1/station1.htm etc.
    Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
    Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
    Pfalz-Neuburg-Ausstellung:
    http://www.hdbg.de/pfalz/Neuburg_Ausstellung.htm
    Seite der Stadt Neuburg:
    http://www.neuburg-donau.de/
    Schloß Neuburg:
    http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/objekte/neuburg.htm
    http://www.pfalz-neuburg-bibliographie.geschichte.lmu.de/  
    http://www.neuburg-donau.de/unsere_stadt/geschichte/historisches/index.htm  
    http://www.junge-pfalz.de/  
    http://www.neuburg-donau.de/unsere_stadt/geschichte/daten/daten.pdf   http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/service/infomat/screen-pdf/neuburg_dt.pdf  
    http://www.hdbg.de/pfalz/ 
    Herrn Wolfgang Kaps ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise.

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