Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1058
Obernzenn (Mittelfranken)

Schloß Obernzenn, Rotes und Blaues Schloß (1)

Zwei Schlösser nebeneinander
Die Geschichte des Ortes Obernzenn wird seit dem ausgehenden 13. Jh. von den Freiherren von Seckendorff als Ortsherren bestimmt, zuerst als Ministerialen der Burggrafen von Nürnberg, später als reichsritterschaftliche Herrschaft. Bis zur Mediatisierung führten sie hier eine reichsunmittelbare Herrschaft über einen Kleinstaat von ca. 40 km², und Obernzenn war der Mittelpunkt ihrer Herrschaft. Bis 1848 hatten die von Seckendorff die Patrimonialgerichtsbarkeit inne. Beherrschend ist das Seckendorff-Schloß oder vielmehr die beiden Seckendorff-Schlösser auf einem gemeinsamen Grabenplateau, zwei gegeneinandergestellte hufeisenförmige Flügel auf den Fundamenten alter Vorgängerbauten mit gemeinsamem Binnenhof, das Blaue Schloß und das Rote Schloß.

Abb.: Blick von Nordosten, links das Rote Schloß, rechts der Ostflügel des Blauen Schlosses.

Jedes der beiden Schlösser wurde von einem Familienzweig erbaut und bewohnt, das Rote Schloß von den von Seckendorff-Gutend (heute Meinhard Freiherr von Seckendorff-Gutend), das Blaue Schloß von den von Seckendorff-Aberdar (heute Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar). Fast 800 Jahre lang herrschten die von Seckendorff von diesem Schloßkomplex aus, und dieser wurde wohl erneuert, aber nie zerstört. Streng genommen gehörte Obernzenn eigentlich nur der Linie Gutend, aber im Jahre 1593 kaufte sich die Linie Aberdar mit Gottfried von Seckendorff-Aberdar in den Besitz ein. Übrigens - im Jahre 1990 bekam Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung aus München für sein Engagement zum Erhalt des Blauen Schlosses und im Jahre 1995 die Denkmalmedaille des Freistaats Bayern für seine Verdienste in Sachen Denkmalschutz.

Abb.: Grundriß der Obernzenner Schlösser

Rotes Schloß
Das Rote Schloß ist eine regelmäßige Dreiflügelanlage und wurde 1745 von Johann Wilhelm Gottfried Freiherr von Seckendorff-Gutend, kurbayrischer Generalfeldmarschall und Ritterrat des Ritterkantons Altmühl, wohl nach einem Plan von Leopoldo Retti errichtet (auch: Rettÿ, geb. 1704 in Laino im Val d'Intelvi, 1726 herzoglich-württembergischen Baumeister, 1732 markgräflich ansbachischer Hofbaumeister von Markgraf Carl Wilhelm Friedrich, Werke u. a. Residenz Ansbach, Sommerresidenz Triesdorf, Hofkirche in Weidenbach, St. Gumbertuskirche Ansbach, Pfarrkirche in Wassertrüdingen, Hofkirche in Unterschwaningen, Schloß Dennenlohe, Pfarrkirche Sommerhausen, Pfarrhaus Sondernohe, diverse Schlösser in Hohenlohe, gest. 18.9.1751), ausgeführt von Johann Jakob Fraas und dem ansbachischen Landbauinspektor Johann David Steingruber (25.8.1702-5.11.1787, Werke u. a. das Herriedener Tor in Ansbach, die St. Georgskirche in Kammerstein, die St. Georgskirche in Georgensgmünd, die St. Michaelskirche in Berolzheim und das Rathaus in Langenzenn), dem späteren Nachfolger Rettys als ansbachischer Hofbaumeister (ab 1750).

Anlaß zu dem Neubau war des Bauherrn (dritte) Heirat, jetzt mit Franziska Friederica von Stain zum Rechtenstain und zu Bächingen. Der Bau ist schlicht und wirkt mehr durch seine edle Regelmäßigkeit als durch Schmuck. Er ist nur durch einfache Lisenen und Wandfelder gegliedert. Johann Wilhelm Gottfried Freiherr von Seckendorff-Gutend lebte auch auf seinem heute nur noch in geringen Resten (Orangerie) erhaltenen Schloß in Meuselwitz (sog. "Meißelwitz", Kreis Altenburger Land, Thüringen, 1676 vom Gelehrten und Staatsmann Veit Ludwig von Seckendorff erworben). Lange hat sich Johann Wilhelm Gottfried Freiherr von Seckendorff-Gutend seines hiesigen Roten Schlosses nicht erfreuen können, denn nur zwei Jahre nach Baubeginn verstarb er, am 8.8.1747.

Abb.: Blick auf die Südwestecke des Innenhofes, über dem Eingang das Wappen

Das Rote Schloß besitzt außen ein einziges Wappen der von Seckendorff über der Eingangstür, auf 1745 datiert (Wappen 1): In Silber zwei zu einer Acht verschlungene rote Lindenzweige mit nach außen gekehrten Blättern, vier auf jeder Seite. Die Helmzier ist ein roter, silbern oder in Hermelin gestulpter niedriger Hut, mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Der Hut ist hinsichtlich seiner Form sehr variabel. Die Helmdecken sind rot-silbern.

Weitere Wappendarstellungen sind im Innern; in den beiden Treppenhäusern sind Deckenbilder mit wappenhaltenden Genien angebracht.

Kommunalwappen
Das seit 1973 geführte Kommunalwappen von Obernzenn spiegelt die lange Geschichte unter der Herrschaft der von Seckendorff wider: Es zeigt unter silbernem Schildhaupt, darin ein durchgehendes schwarzes Balkenkreuz, in Rot einen verschlungenen silbernen Lindenzweig, der beiderseits mit je vier silbernen Blättern besetzt ist. Hauptbestandteil ist also das Seckendorff-Wappen mit invertierten Farben, während das Deutschordenskreuz sich auf das Patronatsrecht des Deutschherrenordens über die Obernzenner Kirche bezieht, ferner war der Deutsche Orden auch wichtiger Grundherr in Obernzenn.

Abb.: Rotes Schloß, Blick von Nordosten

Literatur, Quellen und Links
Siebmachers Wappenbücher
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Gerhard Rechter, Die Herren von Seckendorff an der mittleren Altmühl und auf Triesdorf, Triesdorf 1991
Gerhard Rechter, Die Archive der Grafen und Freiherrn von Seckendorff, Band 1 und 2, München 1993
Gerhard Rechter, Die Seckendorff, Band 1 mit den Linien Jochsberg und Rinhofen, Neustadt/Aisch 1987, Band 2 mit den Linien Nold, Egersdorf, Hoheneck und Pfaff, Neustadt/Aisch 1990, Band 3 mit den Linien Aberdar und Hörau, Neustadt/Aisch 1997, Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, IX. Reihe, Bd. 36
Eugen Schöler: Das Wappen der Grafen und Freiherren von Seckendorff in Franken, Sonderdruck, Madrid 1982
Schlösser und Burgen in Mittelfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schabel, Sabine Kothes. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-186-0
Rainer Graf von Seckendorff-Aberdar (Hrsg.), Das Blaue Schloß zu Obernzenn, Obernzenn 1998
Die Familie von Seckendorff und die Schlösser in Obernzenn:
http://www.freundetriesdorf.de/obernzenn.html
Schloßführung:
http://www.obernzenn.de/sehen/fuehrung.htm
Freiherren von Seckendorff:
http://www.freundetriesdorf.de/geschichte_seckendorf_merkendorf.html
Familie von Seckendorff:
http://de.wikipedia.org/wiki/Seckendorff
Leopoldo Retty:
http://www.leopoldo-retty.de/start.html
Gabriel de Gabrieli:
http://deu.archinform.net/arch/18808.htm
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Graf von Seckendorff ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise und das nette Gespräch vor seinem Schloß.

Teil (2): Blaues Schloß

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