Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1065
Waldenburg (Hohenlohe)

Stadtkirche Waldenburg (6)
Philipp Heinrich Graf v. Hohenlohe

Eine weitere Grabplatte im Chor der Waldenburger Stadtkirche erinnert an Philipp Heinrich Graf v. Hohenlohe-Waldenburg u. Gleichen (3.6.1591 - 1644), Ehemann von Dorothea Walpurgis v. Hohenlohe-Weikersheim (20.9.1590 - 20.12.1656). Das zentrale Hohenlohe-Vollwappen wird von zwei nackten, geflügelten Putten als allegorischen Gestalten flankiert, als Justitia (Gerechtigkeit mit Schwert und teilweise beschädigter Waage) und Patientia (Geduld, mit zusammengelegten Händen nach oben schauend) bezeichnet. Diese beiden Putten trennen die vier oberen Wappenschilde der Ahnenprobe, die durch einen weiteren, fliegenden Putto mit Spruchband und emporgerecktem Stundenglas als Symbol der Vergänglichkeit verbunden werden, von den unteren vier Schilden. Das Inschriftenfeld unter dem Vollwappen Hohenlohe enthält 2. Tim 4, 7-8 "Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten, hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird". Lebensdaten des Verstorbenen und Name werden in der äußeren Umschrift genannt.

Der zentrale Schild der Grafen von Hohenlohe ist geviert:

Zwei Helme:

Vorfahren des Philipp Heinrich Graf v. Hohenlohe-Waldenburg u. Gleichen (3.6.1591 - 1644)
Eltern:

Großeltern:

Urgroßeltern:

Die Ahnenprobe für Wolfgang Friedrich Graf von Hohenlohe-Waldenburg
Insgesamt enthält die Platte 8 Wappenschilde für 8 Vorfahren des Probanden, 6 davon lassen sich Urgroßeltern zuordnen, für die anderen beiden muß man weiter zurückgehen.
Optisch linke Spalte, v. l. n. r. Positionen 1-4-2-3:

Abb. 1 (ganz links): Wappenschild für Georg I. Graf v. Hohenlohe-Waldenburg (17.1.1488 - 16.3.1551). Der Schild ist geviert:

Abb. 2 (Mitte links): Wappenschild für Helena v. Waldburg zu Wolfegg u. Zeil (12.10.1514 - 3.4.1567). Das Wappen der Truchseß von Waldburg zeigt ursprünglich in Gold drei schwarze schreitende Löwen übereinander, rotgezungt. Dann kam das Schildhaupt mit dem Reichsapfel in Rot hinzu. Hier ist der Schild gewendet, deswegen blicken die Löwen in die andere Richtung.

Abb. 3 (Mitte rechts): Wappenschild für Konrad V. Graf v. Tübingen-Lichteneck (- 1569). Das Wappen der Pfalzgrafen von Tübingen zeigt in Gold eine rote Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei ebensolchen Ringen. Alle Linien der Pfalzgrafen von Tübingen: Tübingen, Herrenberg, Böblingen, Lichteneck und Horb führten das pfalzgräfliche Wappen wie beschrieben.

Abb. 4 (ganz rechts): Erwartet wird hier eigentlich ein Wappenschild für Johanna v. Zweibrücken-Lichtenberg (10.6.1517 - nach 1532). Mitnichten! Stattdessen finden wir hier einen Wappenschild Württemberg. Warum? Johanna v. Zweibrücken-Lichtenberg ist die Mutter der Mutter des Vaters des Probanden, das ist also in einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft der letzte Platz der väterlichen Abstammung. Kann man nicht jemanden finden, der ein bißchen mehr "männliche Abstammung" ist? So ähnlich mögen die Überlegungen wohl gewesen sein. Die Wertschätzung des Mannes zu der damaligen Zeit führte nun dazu, daß man diese Johanna einfach ganz gestrichen hat und durch jemanden ersetzt hat, der zwar im Stammbaum noch weiter zurückliegt, aber nach damaligen Prioritäten wenigstens etwas mehr von der männlichen Seite stammt: Helene v. Württemberg ist die Mutter von Georg I. Graf v. Hohenlohe-Waldenburg, die Mutter des Urgroßvaters im Mannesstamm. Damit nicht genug: Durch die Streichung wäre ja eigentlich Platz vier auf der Spalte freigeworden. Die neue Person wurde als so wichtig angesehen, daß sie auf Platz 3 in der Spalte kommt und Helena v. Waldburg zu Wolfegg u. Zeil eine Position nach unten verschiebt.

Das Wappen der Herzöge von Württemberg ist geviert:

Optisch rechte Spalte, v. l. n. r. Positionen 1-4-2-3:

Abb. 1 (ganz links): Wappenschild für Heinrich XIII. Reuss zu Greiz (ca. 1464 - 8.6.1535). Geviert:

Abb. 2 (Mitte links): Wappenschild für Amalia v. Mansfeld-Vorderort (1506? - nach 1554). Das Wappen ist geviert mit weiteren Unterteilungen:

Abb. 3 (Mitte rechts): Wappenschild für Friedrich Magnus Graf zu Solms-Laubach (1.10.1521 - 13.1.1561). Das Solmser Wappen ist geviert:

Abb. 4 (ganz rechts): Erwartet würde hier ein Wappenschild für Agnes zu Wied (nach 1505 - 1588). Mitnichten! Stattdessen finden wir hier das Wappen Oettingen. Warum? Agnes zu Wied ist die Mutter der Mutter der Mutter des Probanden. Dreimal weibliche Linie, das ist also in einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft der letzte Platz. Entsprechend würde der Schild normalerweise auch ganz unten auf der am wenigsten vornehmen Stelle der betreffenden Spalte dargestellt werden. Hier geht die Geringschätzung der weiblichen Abstammung so weit, daß man diese Person einfach ganz gestrichen hat und durch jemanden ersetzt hat, der zwar im Stammbaum noch weiter zurückliegt, aber nach damaligen Prioritäten wenigstens von der männlichen Seite stammt: Margareta v. Oettingen (- 24.2.1472) ist die Mutter des Kraft VI. v. Hohenlohe-Waldenburg-Neuenstein, also die Mutter des Ururgroßvaters im Mannesstamm. Genauso wie in der anderen Spalte wurde die neue Person als so wichtig angesehen, daß sie auf Platz 3 in der Spalte kommt und Amalia v. Mansfeld-Vorderort eine Position nach unten verschiebt.

Das Wappen der Grafen, späteren Fürsten von Oettingen hat eine komplexe Entwicklung durchgemacht. Hier haben wir es in folgender Form: Golden-roter Eisenhutfeh, genauer mit stehenden roten und gestürzten goldenen Eisenhütlein zu vier Reihen dreimal geteilt, blaues Schildchen, über allem ein silberner Schragen. Ursprünglich war es ein blauer Schild mit rot-golden gestückter Bordierung von Kürsch, darüber der Schragen, dann wurde es Wolkenfeh mit Schildchen und Schragen, danach wurde es ein von roten und goldenen Eisenhütlein bordierter blauer Schild, darüber der Schragen, schließlich wurde das fürstliche Wappen noch mit einem goldenen Schildchen belegt, worin ein roter Doppelhaken (Wolfsangel) zu sehen ist.

Abb.: Schematische Darstellung der Ahnenprobe mit Zuordnung zum Stammbaum.

Literatur, Quellen und Links
Siebmachers Wappenbücher
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint), 1112 Texts. mit 4132 Wappen + 122 S. Figurenverzeichnis.
Kirchengemeinde:
http://www.kirchenbezirk-oehringen.de/cms/startseite/kirchengemeinden/waldenburg/
Geschichte der Stadtkirche:
http://www.kirchenbezirk-oehringen.de/cms/startseite/kirchengemeinden/waldenburg/geschichte/
Waldenburg:
http://www.waldenburg-hohenlohe.de/data/index.php
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

Stadtkirche, Totenschild - Stadtkirche, Epitaph Hohenlohe/Limpurg - Stadtkirche, Wolfgang Friedrich v. Hohenlohe - Stadtkirche, Philipp Gottfried v. Hohenlohe - Stadtkirche, Anna Christina Schenk v. Limpurg - Stadtkirche, Philipp Heinrich v. Hohenlohe - Dorothea Walpurgis v. Hohenlohe - Stadtkirche, außen in der Turmhalle - Stadtkirche, westl. Rückwand - Stadtkirche, Kreuzsockel

Wappen der Grafen und Fürsten von Solms
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Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Samuel Piringer, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

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