Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1074
Offenbach: Wappen zwischen Glas und Stahl

Offenbach: französisch reformierte Kirche

Französisch reformiert - also hugenottisch. Johann Philipp Graf v. Isenburg-Offenbach (3./4.12.1655 - 21.9.1718), letzter im Mannesstamm der Offenbacher Linie und selber reformierten Glaubens, nahm 1698/99 hugenottische Flüchtlinge aus Frankreich in Offenbach auf. Hintergrund war die Aufhebung des Edikts von Nantes durch den französischen König Ludwig XIV. am 18. Oktober 1685, ein Ereignis, das die bislang zugesicherte religiöse Toleranz und die uneingeschränkten Bürgerrechte jäh beendete und viele Hugenotten zur Flucht aus Frankreich veranlaßte. Einer der wichtigsten Anlaufstellen im benachbarten Ausland war die Schweiz, die aber wegen der hohen Versorgungskosten ihrerseits die Geflohenen ab 1698 auswies. So kamen die Hugenotten nach Deutschland, u. a. nach Offenbach. Johann Philipp Graf v. Isenburg-Offenbach (3./4.12.1655 - 21.9.1718) erlaubte David de Calmelz, eine Niederlassung zu gründen, weil er sich einen wirtschaftlichen Aufschwung für seine Residenzstadt erhoffte.

Die Glaubensflüchtlinge erhielten weitreichende Privilegien und gründeten 1699 ihre eigene Gemeinde, westlich der bestehenden, die schnell wuchs und bald größer als das alte Dorf Offenbach wurde. Insbesondere brachten die Hugenotten Techniken der Tabakverarbeitung nach Offenbach, eine florierende Industrie entstand aufgrund der großen Nachfrage im 18. Jh. Die Regierung der Isenburger war übrigens sehr gewerbefreundlich, im Gegensatz zur restriktiven Politik des Frankfurter Rates, so daß auch viele Gewerbetreibende und Händler aus Frankfurt hierherkamen und schnell zum Wachstum und Wohlstand von Offenbach beitrugen. Die Hugenotten genossen das Recht auf Selbstverwaltung, freie Religionsausübung nach der französischen Kirchenordnung, den Bau einer eigenen Kirche sowie einer eigenen Schule und die freie Wahl ihrer Pfarrer und Lehrer. Ihren Gottesdienst feierten die Hugenotten erst in der Schloßkapelle und ab 1703 in der neu erbauten Schloßkirche. 1713 schenkte Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach der Kirchengemeinde das Grundstück, auf dem die Kirche erbaut wurde. Heute liegt die 1717/18 erbaute Kirche, ein schlichter Saalbau von rechteckigem Grundriß (typische "Scheunenform"), zentral in der Innenstadt. 1874/75 erfolgte eine Renovierung, dabei wurde die Fassade durch Baumeister Friedrich Raupp mit Neorenaissance-Formen verändert. Aus dieser Zeit stammt auch die Türverdachung. Am 20.12.1943 wurde die Kirche durch Bomben schwer beschädigt, 1947 aber provisorisch und 1953 richtig innen und außen wiederhergestellt.

Über dem Eingangsportal befindet sich das Allianzwappen Isenburg - Sayn-Wittgenstein, passend zu Johann Philipp Graf v. Isenburg-Offenbach und seiner Frau Friderica Wilhelmina Charlotte Gräfin v. Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

Genealogie des Ehemannes:

Genealogie der Ehefrau:

Optisch links befindet sich das Wappen Isenburg, in Silber zwei schwarze Balken, die Helmzier ist ein mit goldenen gestürzten Lindenblättern (Herzchen) bestreuter schwarzer Flug, die Helmdecken sind schwarz-silbern. Das grob vereinfachend restaurierte Wappen gibt leider nur einen ungefähren Eindruck.

Das Wappen der Grafen zu Sayn-Wittgenstein ist wie folgt aufgebaut:

Drei Helme hat das Wappen:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Informationstafeln am Gebäude
Hessische Kulturdenkmäler:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=78219&session=913&event=Query.Details

Isenburger Schloß, linkes Portal - rechtes Portal - untere Galerie (1) - untere Galerie (2) - untere Galerie (3) - obere Galerie (1) - obere Galerie (2) - obere Galerie (3) - evangelische Stadtkirche - französisch reformierte Kirche

Haus Isenburg und Isenburg-Büdingen

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