Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1089
Gemmingen (Kraichgau)

Schloß Gemmingen (3): Weitere Personendenkmale

Von dem nächsten Personendenkmal (Platte 9) seien nur die vier Wappen herausvergrößert. Die Inschrift lautet: "Anno 1595 den 26. May ist in Gott seeliglich entschlaffen der edel und vest Wolff Dieterich von und zu Gemmingen seines Alters 4...Jahr dem Gott gnad Amen." Das ist genau jener Wolf Dietrich (9.3.1550-26.5.1595), der das Unterschloß erbauen ließ und Maria von Gemmingen-Bürg (gest. 8.4.1609) zur Frau hatte. Die Platte zeigt die vier Vollwappen seiner vier Großeltern bzw. Urgroßväter. Wolf Dietrich war der Sohn von Dietrich von Gemmingen (1526-2.1.1587) und Philippina von Schwartzenburg (Schwarzenberg, gest. 1554, seine erste Gemahlin). Diese beiden Wappen sehen wir oben: Heraldisch rechts das Wappen Gemmingen, heraldisch links das Wappen Schwarzenberg mit zwei schwarzen Balken im goldenen Schild und einem wachsenden silbernen Schwan mit ausgebreiteten roten Flügeln als Helmzier, dazu schwarz-goldene Helmdecken.

Diese von Schwarzenberg haben nichts mit dem böhmischen oder fränkischen Geschlecht zu tun. Schwarzenberg liegt im sog. Schwarzwälder Hochwald im nördlichen Saarland; heute ist die Burg eine Ruine. Erstmalig begegnet uns aus dieser Familie 1192 ein Gerlacus de nigro monte (Gerlach von Schwarzenberg). 1294 wurde die Burg Schwarzenberg zerstört, und zwar durch miteinander verbündete lothringische und kurtrierische Truppen. 15 Jahre später bauten Thielmann und Hugo von Schwarzenberg die Ruinen wieder auf. Die Herren von Schwarzenberg stiegen immer mehr ab, und sie konnten ihren Stammsitz nicht halten. 1346 bekam Burg Schwarzenberg zwar Stadtrechte von Karl IV., ein leerer Titel, denn die Burg gehörte damals bereits Balduin von Luxemburg, Trierer Erzbischof und Kurfürst. Ständig wurde die Burg von Kurtrier verpfändet, und schließlich wurde das Pfand nicht mehr eingelöst, sondern die Anteile gingen de facto in das Eigentum der Pfandnehmer über: 1513 gehörte die Hälfte der Herrschaft Schwarzenberg der Familie von Flerstein als trierisches Lehen, und 1541 löste der Kanzler Johann von Enschringen die andere Hälfte der Herrschaft und die Burg selbst ein, er hatte eine von Schwarzenberg zur Frau genommen. Diesen Anteil (Burg Schwarzenberg und halbe Herrschaft) bekam nach dem Aussterben der von Enschringen mit Gerhard von Enschringen als Letztem der Familie 1610 Philipp von Sötern, Trierer Dompropst und späterer Kurfürst von Trier. Er vergrößert sein Gebiet durch weitere Zukäufe. Die Familie von Schwarzenberg war damals aber noch nicht erloschen, sie starb erst im 16. Jh. im Mannesstamm aus.

Die Großeltern väterlicherseits sind Wolf von Gemmingen (ca. 1479-14.2.1555) und Anna Marschalk von Ostheim (ca. 1500-27.12.1569). Heraldisch rechts unten sehen wir auf der Platte das Wappen des fränkischen Geschlechts Marschalk von Ostheim: In Silber ein schwarzes Tischgestell (Tischfuß) in altmodischer Form, oben zweimal eingeschnitten zur Aufnahme der Tischbretter, unten schräg auseinandergehend. Die Helmzier ist ein schwarzer Brackenkopf, der einen silbernen, oben mit 5 schwarzen Hahnenfedern besteckten Becherdeckel (auch als Rondell erklärt) mit einem silbernen Bande unter dem Kinn festgebunden hat. Helmdecken schwarz-silbern.

Doch was stellt das vierte Wappen dar? Es ist das Wappen der Großmutter mütterlicherseits, das der Mutter von Philippina von Schwarzenberg, die mir namentlich nicht bekannt ist. Der Schild jedoch weist auf eine wichtige Familie des lothringischen und luxemburgischen Adels hin: de Haraucourt (auch de Haracourt, aus der Gegend von Lunéville stammend). Diese führten in Gold ein rotes Kreuz, in einem silbernen Freiviertel (resp. im silbernen rechten Obereck) ein goldengekrönter, rotbewehrter und rotgezungter schwarzer Löwe. Das Freiviertel wird unterschiedlich dargestellt, mal ist der Löwe einfach in dem freien Feld neben dem Kreuzarm (Loutsch), mal ist es ein echtes Freiviertel, das Teile des Kreuzes überdeckt (Gruber). Die Helmzier ist dagegen nicht ganz getroffen: Die korrekte Helmzier wäre ein silberner Schwanenrumpf mit goldenem Ring im Schnabel, rücklings mit drei (Gruber) oder vier (Loutsch) roten Kugeln besteckt, die ihrerseits jeweils mit einem schwarzen Hahnenfederbüschel besteckt sind, Helmdecken rot-silbern.

von Gemmingen von Schwarzenberg Marschalk von Ostheim de Haraucourt (Variante 1) de Haraucourt (Variante 2)

Viele Merkmale stimmen überein, bis auf den Ring im Schnabel und die Flügel der Helmzier. Die Frage ist, ob das unter den gegebenen Umständen vor dem Hintergrund einer nicht aus der Gegend stammenden Familie signifikant genug ist, um die getroffene Zuordnung abzulehnen. Vielmehr kann angenommen werden, daß sich der Bildhauer gestalterisch einfach an dem Schwarzenberger Schwan orientierte. Denn eigentlich ist das Schildbild auch nicht von einer anderen Familie bekannt.

Abb. links: Platte 10, Inschriftenfragmente: "Anno Domini 1588 den 29. August ist in Gott verschiden der (edel) und vest....... (von Gemmingen) ... seines Alters 17 Jar dem Gott gnedig sein wolle A(men)." Die Lebensdaten passen zu Hans Friedrich von Gemmingen, geb. 1571, gest. 1588 mit 17 Jahren. Er war der Sohn von Dietrich von Gemmingen (1526-2.1.1587) und dessen zweiter Frau, der 1556 geehelichten Anna Katharina von Neipperg (Lebensdaten 1534-1581, zweite Frau, seine erste Frau war die oben besprochene Philippina von Schwarzenberg). In der Mitte haben wir also das Vollwappen Gemmingen, die vier Wappenschilde außenherum sind rechts oben Gemmingen, links oben Neipperg (in Rot 3 (2:1) silberne Ringe), rechts unten Marschalk von Ostheim (in Silber ein schwarzes Tischgestell (Tischfuß) in altmodischer Form, oben zweimal eingeschnitten zur Aufnahme der Tischbretter, in der Mitte viereckig durchbrochen zur Aufnahme des Verstrebungsbalkens, unten schräg auseinandergehend), links unten unentschlüsselt.

Abb. rechts: Platte 11. Mit dieser Platte kehren wir wieder zurück zu den Bauherren des Renaissance-Schlosses, denn hier wird an Maria von Gemmingen-Bürg (gest. 8.4.1609) erinnert, Ehefrau des Wolf Dietrich von Gemmingen-Gemingen (9.3.1550-26.5.1595). So kommt es, daß wir in der Mitte wiederum ein Ehewappen mit zwei Vollwappen Gemmingen finden. Die Eltern von Maria sind Eberhard von Gemmingen (1527-9.5.1583) und Maria Greck von Kochendorf (gest. 28.7.1609). Die Großeltern väterlicherseits sind Eberhard von Gemmingen (1500 - 2.9.1572) und Barbara von Wolskehl (gest. 1577). Die vier kleinen Vollwappen der Ahnenprobe sind also her. rechts oben Gemmingen, her. links oben Greck von Kochendorf (eine Abspaltung eines Ulmer Geschlechts, führen einen golden-blau geteilten Schild, als Helmzier eine wachsende blaugekleidete Jungfrau mit blau-goldener Kopfbinde, die mit drei Federn besteckt ist, zwischen zwei golden-blau geteilten Büffelhörnern, Helmdecken blau-golden), her. rechts unten Wolfskehl (die von Wolfskehl sind eine weitverzweigte hessische Familie, sie führen einen aus dem linken, hier aus dem rechten, weil gewendet, hervorkommenden silbernen Frauenarm mit weitem, herabhängendem Ärmel, einen Ring haltend, in blauem Feld. Die Helmzier sind zwei silberne Arme mit sackartig herabhängendem Hängeärmel, die einen Ring emporhalten. Helmdecken blau-silbern), her. links unten Venningen (in Silber 2 rote ins Andreaskreuz gesetzte Lilienstäben (Glevenstäbe), Helmzier eine bordierte silberne Bischofsmütze, mit den gekreuzten zwei roten Lilienstäben belegt, mit schwarzen Hahnenfedern besteckt. Helmdecken rot-silbern).

von Gemmingen von Neipperg Marschalk von Ostheim

Greck von Kochendorf

Venningen

Abb.: Platte 11, Ausschnittsvergrößerung. Wappen Gemmingen und Greck von Kochendorf.

Abb.: Platte 11, Ausschnittsvergrößerung. Wappen Wolfskehl und Venningen.

Es gibt eine weitere Gruppe von Kinder-Epitaphien, die alle drei die gleichen vier Wappen der Ahnenprobe aufweisen (Platten 12, 13, 14). Zwei davon sind nachfolgend abgebildet, es handelt sich um Kinder von Eberhard von Gemmingen (6.5.1551-3.10.1571) und Marie von Angelloch (gest. 1612). Eberhard von Gemmingen ist ein Sohn von Dietrich von Gemmingen (1526-2.1.1587) und Philippina von Schwarzenberg (gest. 1554, seine erste Gemahlin), und er ist ein Bruder von Wolf Dietrich von Gemmingen (s.o.).

Abb.: links: Platte 12, Wolfgang, seines Alters ein Jahr und sieben Wochen, rechts Platte 13, seine Schwester, ein Jahr und elf Wochen.

Alle haben die Kombination aus her. rechts oben Gemmingen (in Blau zwei goldene Balken), her. links oben Angelloch (in Blau ein silberner Angelhaken / eine Angel, mit Spitze und Ende nach oben gerichtet), her. rechts unten Schwarzenberg (zwei schwarze Balken im goldenen Schild), her. links unten Kämmerer von Worms gen. Dalberg (unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien). Diese Anordnung entspricht her. rechts oben Vater / Großvater väterlicherseits, her. links oben Mutter / Großvater mütterlicherseits, her. rechts unten Großmutter väterlicherseits, her. links unten Großmutter mütterlicherseits.

von Gemmingen von Angelloch von Schwarzenberg Kämmerer von Worms

Nachfolgend die dritte Platte der Gruppe, Platte Nr. 14. Auch dieses Kind hat Eberhard von und zu Gemmingen zum Vater.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Zwischen Fürsten und Bauern - Reichsritterschaft im Kraichgau, hrsg. von Clemens Rehm und Konrad Krimm, Heimatverein Kraichgau, Sinsheim 1992, 2. Auflage 1993, ISBN 3-921214-04-1
Stammliste der Freiherren von Gemmingen: Edmund von der Becke-Klüchtzner, Stamm-Tafeln des Adels des Großherzogthums Baden: ein neu bearbeitetes Adelsbuch, Baden-Baden, 1886,
http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886
Walter von Hueck: Stammfolge des Geschlechts der Freiherren von Gemmingen, Sonderdruck aus dem Genealogischen Handbuchs des Adels Band 37 (Freiherrliche Häuser A, Band VI), C. A. Starke Verlag, Limburg an der Lahn 1966
Maria Heitland: Familienchronik der Freiherren von Gemmingen - Fortsetzung der Chroniken von 1895 und 1925/26. Gemmingenscher Familienverband e.V. 1991
Schwarzenberg:
http://www.schmelz.de/schmelz/Gemeinde/die_Ortsteile/Dorf_im_Bohnental.php?navid=13
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint), 1112 Texts. mit 4132 Wappen + 122 S. Figurenverzeichnis.
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden, hrsg. von Franz Xaver Kraus, Band 8,1: Adolf von Oechelhäuser: Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Sinsheim, Eppingen und Wiesloch (Kreis Heidelberg), Tübingen, 1909 - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm8bd1, S. 177 ff.

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