Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1096
Königstein (Sachsen)

Postdistanzsäule in Königstein

Die Königsteiner Postdistanzsäule
Die Postdistanzsäule in Königstein (Sächsische Schweiz) ist datiert auf 1727, 1921 wurde sie unsachgemäß restauriert, 1956 wurde sie saniert bzw. erneuert, 73 originale Entfernungsangaben wurden dabei wieder freigelegt, heute ist sie zu finden auf den Platz vor der Sparkasse, erneut restauriert wurde die Säule 1976, die Originalteile sind im Osterzgebirgsmuseum in Lauenstein zu sehen.

Blick auf die unterschiedlichen Eck-Konstruktionen: Über dem Schriftblock folgt die Wappenzone bzw. das Wappenstück als separat zugehauener Stein, denn hier legte der Landesherr großen Wert auf Repräsentation. Die Darstellung seines Wappens war auch angemessen, denn die Post war ein Regal, das nicht ohne landesherrliche Erlaubnis ausgeübt werden durfte. In der Regel besitzt jede Säule vier Wappen, jeweils die Kombination aus übereck einander zugeneigten barock verzerrten Wappenschildkartuschen mit polnisch-litauischen und kursächsischen Inhalten. Dadurch, daß sich jeweils zwei dieser Kartuschen einander zuneigen und am Eck mit einer Volute miteinander verbinden, überhöht von einer Krone, wird hier der ansonsten quadratische Querschnitt der Säule ins Längliche gezogen.

Da sich beide Schilde einander zuneigen, ergibt sich unter deren Verbindungspunkt eine Zone am Eck, die für die Anbringung von Initialen genutzt wurde: Diese Zone ist blau angestrichen und trägt die verbundenen goldenen Buchstaben AR - Augustus Rex, König August. Das Ganze kommt zweimal an gegenüberliegenden Ecken vor.

Das Wappen Augusts des Starken
Das Wappen spiegelt eine spezielle geschichtliche Konstellation wider, die nur für zwei Herrscher zutraf: August der Starke war gleichzeitig als Friedrich August I. Kurfürst von Sachsen (1694-1733) und August II. König von Polen (1697-1704 und 1709-1733, unterbrochen durch die Niederlage gegen Schweden im Großen Nordischen Krieg). Nach ihm galt für seinen Sohn das Gleiche (Friedrich August II., Kurfürst von Sachsen 1733-1763) und als August III. König von Polen (1733, 1736-1763).

Darüber die polnische Königskrone. Es handelt sich um eine Bügelkrone, die oben mit einer mit einem Kreuz besetzten Kugel abschließt.

Die Entfernungsangaben auf der Königsteiner Säule
Alle vier Seiten sind mit Entfernungsangaben beschriftet, wie bei Marktsäulen üblich. Dazu zeigen die beiden Seiten mit den kürzeren Stationslisten die Jahreszahl 1727 und das goldene Posthorn.

Nehmen wir exemplarisch eine Seite zur näheren Besprechung:

Die Horizontallinie kennzeichnet das Ende der ersten Route und den Beginn einer neuen Wegstrecke:

Kurze Strecke mit nur einer Station, es folgt nun eine längere Route:

Grenze = Grenzübertritt, hier ausnahmsweise ausgeschrieben, sonst immer als Gr. abgekürzt, erreicht bei

Neue Route über:

Die Seite daneben bietet eine alternative Route nach Görlitz an, die kürzer und schneller ist:

Ein Strich markiert eine neue Route:

Hierbei ist zu berücksichtigen, daß die modernen Straßen weit mehr Serpentinen enthalten als die alten Poststraßen, die größere Steigungen enthielten und Unebenheiten nicht so großräumig umfuhren wie die heutigen Straßen. Deshalb sind die alten Verbindungen oft kürzer als die heutigen. Die beiden anderen Seiten der Postdistanzsäule bieten weitere Routen.

Wo finden wir die erhaltenen bzw. rekonstruierten oder restaurierten Postdistanzsäulen?
Nur ganz wenige Postdistanzsäulen befinden sich noch im Originalzustand am Originalstandort. Geänderte Wegführung führte zu Versetzungen, Unfälle beschädigten die Säulen, die behauenen Steine waren willkommenes Baumaterial. Aber die Säulen standen nicht nur im Weg, sei es geplant wie bei stadtplanerischen Erweiterungen, nach Niederlegung der Stadttore etc., oder ungeplant, wenn sie von Fuhrwerken oder LKWs gerammt wurden, sie waren vor allem auch der natürlichen Verwitterung ausgesetzt. Und vor allem waren sie eines: Sie waren durch die Einführung anderer Maße nutzlos geworden. Erst im 20. Jh. besann man sich zunehmend der Ästhetik dieses geschichtlichen Dokumentes und begann die Restaurierung und Rekonstruktion, die Dank der peniblen Arbeit Zürners meist mit originalgetreuen Inschriften möglich ist. In folgenden Orten finden wir heute noch oder wieder Postdistanzsäulen:

Literatur
Dr. Siegfried Rühle, Überarbeitung durch Friedrich H. Hofmann unter Mitwirkung von André Kaiser und Frank Ringleb, Postsäulen und Meilensteine, herausgegeben von der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e. V., 3. Auflage 2007, Schütze, Engler, Weber Verlags GbR, Dresden 2007, ISBN 978-3-936203-09-7
http://www.kursaechsische-postmeilensaeulen.de/
Lexikon Kursächsische Postmeilensäulen, transpress Verlag Berlin 1989, ISBN-10: 3344002643, ISBN-13: 978-3344002640
Verein für sächsische Postgeschichte und Philatelie:
http://www.postgeschichte-sachsen-vsp.de/
Gustav Schäfer, Geschichte des Sächsischen Postwesens vom Ursprung bis zum Übergang in die Verwaltung des Norddeutschen Bundes, Dresden 1879
Kurt Krebs: Das kursächsische Postwesen zur Zeit der Oberpostmeister Johann Jakob Kees I und II, Berlin und Leipzig 1914
http://de.wikipedia.org/wiki/Kursächsische_Postmeilensäule
http://de.wikipedia.org/wiki/Galerie_der_Sächsischen_Postmeilensäulen
http://de.wikipedia.org/wiki/Dresden-Teplitzer_Poststraße

Postdistanzsäule in Dresden - unter spezieller Berücksichtigung der Maßeinheiten und alternativer Wappendarstellungen
Postdistanzsäule in Meißen - unter spezieller Berücksichtigung der Geschichte der Markierungen
Postdistanzsäule in Moritzburg - unter spezieller Berücksichtigung des Aussehens des Markierungssystems
Postdistanzsäule in Pirna - unter spezieller Berücksichtigung der Geschichte ihres Verfalls
Postdistanzsäule in Stolpen - Postdistanzsäule in Leisnig

Rautenkranz - Vytis

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