Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 14
Ein heraldischer Streifzug durch Limburg an der Lahn

Limburg - Walderdorffer Hof

Der sog. Walderdorffer Hof kam um 1540 in Besitz der namengebenden Familie. Das 1435 erstmals erwähnte Anwesen gehörte vorher Otto Eschenauer, dann Ruppels von Heringen, dann den von Diez. Diese Erbmarschälle der Grafschaft Diez waren auch Burgmänner und Propsteijunker in Limburg. Eva von Diez, deren Großvater trierischer Amtmann zu Limburg, Molsberg und Niederbrechen war, heiratete schließlich im Jahre 1530 Philipp von Walderdorff (1507-1556), und aufgrund dieser Heirat ging der Besitz des Limburger Häuserkomplexes als Evas Erbgut an die von Walderdorff über. Diese Immobilie wurde Hauptwohnsitz des Ehepaares, welches 13 Kinder hatte. Ihrer beider Epitaphien sind in der Stadtpfarrkirche von Limburg zu sehen, jedes mit vier Ahnenwappenschilden. Das aus dem Mittelalter stammende Anwesen, das insgesamt fünf Generationen der Familie bewohnten, wurde unter den drei Brüdern Wilderich von Walderdorff, Emmerich von Walderdorff und Johann Philipp von Walderdorff erheblich erweitert und zum jetzigen herrschaftlichen Walderdorffer Hof ausgebaut, unter Zukauf von Nachbargrundstücken und unter Einbeziehung älterer Bausubstanz entstand 1665-1668 der bedeutendste, größte und wohl auch teuerste Adelssitz der Limburger Altstadt. Im Gegensatz zu früher hatte die Familie aber später andere Immobilien, die sie vorrangig als Wohnsitz nutzte, so die Burg und das spätere Schloß Molsberg und den Walderdorffer Hof in Mainz.

Die Bauinschrift erzählt mehr über die Position der beiden Bauherren: Wilderich Freiherr von Walderdorff war kaiserlicher Hofrat, Vizekanzler des Heiligen Römischen Reiches, Propst der erzbischöflichen Kirche zu Mainz sowie der Bischofskathedralen zu Würzburg und Speyer und Kapitularkanoniker; und Johann Philipp Freiherr von Walderdorff war Archidiakon von Sankt Lubentius in Dietkirchen, Herr auf Isenburg und Molsberg.

Durch die Verbindungen nach Mainz schafften es die Bauherren, bedeutende italienische Künstler die Arbeiten ausführen zu lassen: Antonio Rigi machte die Planung, er war Festungsbaumeister von Kurmainz. Bartolomeo Banizo hatte die Bauaufsicht, und ansonsten ist der Steinmetz Giovano Angelo Barella bei der Ausführung des Baues dabei. Aus Limburg stammte hingegen der ebenfalls beteiligte Maurermeister Johann Maus. Stilistisch ist die um einen Innenhof mit offenen Arkaden gruppierte Anlage an der Wende vom Manierismus zum frühen Barock anzusiedeln. Im Norden schließt noch ein Wirtschaftshof an.

Der Walderdorffer Löwe am Walderdorffer Hof

 

Abb.: Links über dem Haupttor - rechts über dem zweiten Torbogen

Wappen der Freiherren von Walderdorff: In Schwarz ein golden gekrönter und bewehrter, rot-silbern geteilter, doppelschwänziger Löwe (silberner Löwe mit roter Mähne und rotem Kopf). Helmzier: Ein schwarzer offener Flug, beiderseits belegt mit einem golden gekrönten und bewehrten, rot-silbern geteilten Löwen (silberner Löwe mit roter Mähne und rotem Kopf). Helmdecken schwarz-silbern. Anm. 1: Nach Gruber ist die Helmzier der Löwe wachsend zwischen einem wie der Schild bez. Flug - offensichtlich ein Fehler. Anm. 2: Die linke obere Darstellung ist nach heutigen Verständnis heraldisch nicht korrekt, da sie eine Rangkrone nicht anstatt, sondern zusätzlich zu Helm und Helmkrone zeigt. Das Wappen wird außerdem beschrieben bei Zobel auf Tafel 357 und im Siebmacher Band: He Seite: 29 Tafel: 33, Band: Bay Seite: 24b Tafel: 19 und Band: Na Seite: 4 Tafel: 4.

Abb.: Am Erker zur Fahrgasse

Abb.: Detailvergrößerung

Abb.: Weitere Wappen mit dem einfachen, von einer Krone überhöhten Schild befinden sich auf der Rückseite der Gebäude, hier an einem Fenstersturz im Erdgeschoß an der Nordwestecke des Hauptgebäudes.

Abb.: Dieses Walderdorff-Wappen befindet sich im Nordosten des Geländes im Torbogen eines separat stehenden Gebäudes auf dessen Ostseite.

Abb.: Dieses Wappen befindet sich ebenfalls auf der Rückseite des Hauptgebäudes, an einem Fenstersturz im ersten Obergeschoß an der Nordwestecke.

 

Abb. links: Blick in den schmalen nördlichen Nebenhof mit Durchfahrt zum rückwärtigen Gelände. Nach Durchschreiten stößt man auf die drei oben abgebildeten Portal- und Fensterstürze mit Wappen. Abb. rechts: Blick in den arkadengesäumten, großen Hof vor dem Hauptgebäude.

Abb.: Und noch ein weiteres Wappen im gleichen Stil befindet sich am Sturz eines vermauerten Fensters, zu finden im Haupthof, am westlichen Ende der südlichen Arkadengalerie.

Literatur, Links und Quellen:
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Hessische Kunstdenkmäler:
http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/cgi-bin/mapwalk.pl?obj=53098&session=913&event=Query.Details
Emanuel Graf von Walderdorff, 800 Jahre Familie Walderdorff, ein Rückblick, Molsberg 2013, ISBN 978-3-9811909-6-0, S. 35-43
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben

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Die Wappen der Herren, Freiherren und Grafen von Walderdorff

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