
Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 143
Aschaffenburg,
Schönborner Hof

Wappen
am Schönborner Hof in Aschaffenburg
Der barocke Schönbornsche Hof
(Wermbachstr. 15) wurde 1673-1681 als Stadtpalais von den Grafen
von Schönborn erbaut. Die Pläne stammen von dem Kapuzinerpater
Mathias von Saarburg aus Mainz. Es ist eine repräsentative
Dreiflügelanlage um einen Ehrenhof mit einem diesen nach vorne
abschließenden Tor, flankiert von zwei Türmen.

Portal im Innenhof.

Allianzwappen an der rechten
Gebäudeecke der Dreiflügelanlage.
Alle abgebildeten Wappen am
Gebäude sind gleichen Inhalts, es handelt sich um das
Allianzwappen Schönborn/Boineburg
- Heraldisch rechts ist das Wappen des
Ehemannes, Melchior Freiherr von Schönborn, Mainzer
Obersthofmarschall und Vicedomus. Es handelt sich um ein
geviertes Wappen, das nicht aus Courtoisie gewendet
wurde:
- Feld 1 und 4: Stammwappen der
Grafen von Schönborn. In Rot auf drei silbernen
Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit
blauer Krone.
- Feld 2 und 3:
Reichsständische Herrschaft Reichelsberg. Diese
wurde 1671 von den Grafen von Schönborn vom
Bistum Würzburg erworben. Damit waren Sitz und
Stimme im Fränkischen Grafenkollegium verbunden.
In Rot drei (2:1) silberne Schildchen.
- Heraldisch links ist das Wappen seiner
Gemahlin Sophia von Boineburg: Schwarz-silbern geviert.
Helmzier wären zwei Büffelhörner in den beiden Farben
des Schildes übereck geteilt. Die Helmdecken wären
schwarz-silbern.

Prunkportal zum Ehrenhof.
Die neuere Geschichte des
Hauses ist sehr wechselhaft: 1832 kaufte die Stadt Aschaffenburg
den Schönborner Hof, er wird Sitz des Appellationsgerichtes für
den Untermainkreis, 1875 - 1906 königlich Weibliche
Bildungsanstalt mit Lehrerinnen-Seminar, 1913 - 1926 Städtische
Sparkasse, im 1. Weltkrieg Lazarett und Milchküche, 1929 - 1951
Postamt sowie Volksschule, Zerstörung 1944/45, Wiederaufbau,
Behördensitz, 1958 - 1968 Oberrealschule, 1968 - 1980
Brentanoschule. Heute ist hier das Naturwissenschaftliche Museum
(seit 1970) untergebracht.

Detail: Allianzwappen über
dem Prunkportal zum Ehrenhof.

Allianzwappen an der linken
Gebäudeecke der Dreiflügelanlage.
Die Stammburg der von
Boineburg ist die Reichsburg Bomeneburg; diese liegt in Hessen im
Werratal zwischen Bad Hersfeld und Bad Soden. Viele
namensähnliche Geschlechter breiten sich von da aus in ganz
Deutschland aus: Bemmelberg, Boemelberg, Boineburg, Boyneburgk
etc., eine verwirrende Vielfalt der Linien. So teilten sich die
Boyneburgs in verschiedene Stämme, es gab Boineburgs "mit
der schwarzen Fahne" und solche "mit der weißen
Fahne", jede wiederum mit verschiedenen Ästen.
Die
Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 1: Der Aufstieg
Der Aufstieg der Familie
Schönborn ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Einst ein
reichsritterschaftliches Geschlecht aus dem Taunus und dem
Westerwald, Burgleute und Amtmänner, schafften sie es in
bedeutende Regierungspositionen und an die Spitzen bedeutender
geistlicher Fürstentümer und prägten ihre Zeit nachhaltig. Man
ist direkt geneigt, von einer Schönbornzeit zu sprechen, denn
rund ein halbes Jahrhundert prägen die Schönborns die
Geschichte des Reiches, der katholischen Kirche und der Kunst
maßgeblich.
- H(einrich) von Schönborn, urkundlich
nach 1275, vermählt mit Gisela von Tiefenbach (?)
- Giselbrecht von Schönborn,
urkundlich 1330-1339, vermählt mit Sylia von
Cramberg
- Gilbrecht von
Schönborn, urkundlich 1351-1383,
vermählt mit Else von Westert
- Heinrich von
Schönborn, urkundlich 1364-1394,
vermählt mit N. von Irmtraut (?)
- Gerhard
von Schönborn,
urkundlich 1387-1411,
Vogt in Westerburg,
Amtmann in Kronberg,
vermählt mit Heilwich
von Haiger, urkundlich
1415-1455
- Johann
von Schönborn,
urkundlich 1439-1489,
1467-1471 Vogt und
Amtmann in Weilburg,
vermählt mit Iliane von
Winneburg
- Johann
von Schönborn,
urkundlich ab 1466, gest.
1529, 1507-1526 Amtmann
in Weilburg, vermählt
mit Katharina Weyer von
Nickenich
- Georg
von Schönborn, gest.
1560, Amtmann in
Weilburg, nassauischer
Rat, Oberamtmann der
Grafschaft
Nassau-Dillenburg,
vermählt mit Margarete
von Mudersbach (gest.
8.7.1551)
- Philipp
von Schönborn, gest.
1589, Amtmann in
Beilstein und Runkel,
vermählt mit Agatha
Donner von Lohrheim
(gest. 12.9.1599)
- Georg
von Schönborn, 1574 -
16.4.1613, Amtmann der
Grafschaft Runkel im
Dienste der Grafen von
Wied, vermählt mit Maria
Barbara von der Leyen
(gest. 1631)
- Johann
Philipp von Schönborn
(6.8.1605 - 12.2.1673),
konvertiert zum
Katholizismus, 1642 zum
Fürstbischof von
Würzburg gewählt, 1647
Erzbischof und Kurfürst
von Mainz, 1663
Fürstbischof von Worms
- Agatha
Maria von Schönborn,
vermählt mit Georg Anton
Waldbott von Bassenheim
- Philipp
Erwein Reichsfreiherr von
Schönborn (1607 -
4.11.1668), konvertiert
zum Katholizismus,
kurmainzischer Geheimrat,
Mainzer Oberamtmann in
Steinbach, vermählt mit
Maria Ursula von
Greiffenclau zu Vollrads
(15.7.1612 - 28.8.1682).
Erwirbt 1650 Herrschaft
Gaibach und 1661 die
Herrschaft Heusenstamm.
Wurde in den
Reichsfreiherrenstand
erhoben. Begründer des
Schönborn'schen
Familienvermögens.
Erhielt 1668 die
reichsständische
Herrschaft Reichelsberg.
Die
Stammfolge der Grafen von Schönborn - Teil 2: Das
Schönborn-Zeitalter
Beginnen wir neu mit dem
letzten der obigen Reihe, dem Stammvater der
"mega-erfolgreichen" Schönborns. Faszinierend an
diesen verwandtschaftlichen Verflechtungen ist nicht nur, daß
hier sechs Kirchenfürsten aus der gleichen Familie engstens
zusammenkommen, daß zeitweise Reichskanzler und
Reichsvizekanzler aus der selben Familie kamen, sondern daß auch
vier Brüder Kirchenfürsten wurden und drei deren Schwestern
Mütter von drei weiteren Fürstbischöfen (Seinsheim, Ostein,
Limburg-Styrum) wurden, abgesehen von weiteren hohen und
höchsten Ämtern in der Familie:
- Philipp Erwein Reichsfreiherr von
Schönborn (1607-1668), kurmainzischer Geheimrat,
Oberamtmann in Steinbach, vermählt mit Maria Ursula von
Greiffenclau zu Vollrads (1612-1682), 12 Kinder, 5
weitere starben jung
- Franz Georg von Schönborn
(6.1.1639 - 16.7.1674), geistliche Laufbahn,
Domkustos von Mainz
- Lothar Franz von Schönborn
(4.10.1655 - 1729), 1693 Fürstbischof von
Bamberg, 1695 Fürsterzbischof von Mainz
- Johann Philipp von Schönborn
(1642 - 1.4.1703) Ritter des Johanniterordens,
Johanniterkomtur in Würzburg, Großprior von
Dacien, kurmainzer Geheimer Rat, Oberst,
Gouverneur von Mainz, kaiserlicher Reichshofrat,
1701 Graf
- Johann Erwein (13.7.1654 -
29.11.1705), Herr von Reichelsberg und
Heusenstamm, vermählt mit Maria Anna Waldbott
von Bassenheim, kinderlos
- Maria Ursula von Schönborn
(27.9.1636 - 1677), vermählt mit Friedrich
Wambold vom Umstadt
- Anna Margaretha von Schönborn
(10.11.1637 - 1668), vermählt mit Wolfgang
Theodor von Metternich-Burscheid
- Maria Clara von Schönborn
(26.9.1647 - 1716), vermählt mit Friedrich
Dietrich von Dalberg
- Anna Barbara von Schönborn
(18.12.1648 - 6.3.1721), vermählt mit Ludwig
Gustav von Hohenlohe-Schillingsfürst
- Eva Rosina von Schönborn
(16.4.1650 - 1715), vermählt mit Wolfgang
Dietrich Truchsess von Wetzhausen
- Katharina Elisabeth von
Schönborn (1.5.1652 - 1707), vermählt mit
Heinrich von Hatzfeld-Gleichen
- Eva Katharina von Schönborn
(11.11.1641 - 1689), Nonne im Kloster Marienberg
- Melchior
Friedrich Graf von Schönborn, kaiserlicher
Geheimrat und Kämmerer, kurmainzischer
Staatsminister und Vicedomus in Aschaffenburg,
Obermarschall von Mainz und Würzburg (16.3.1644
- 19.5.1717), Erbschenk von Mainz, Erbtruchseß
von Würzburg, 5.8.1701 Reichsgraf, 19.2.1711 von
Schönborn-Buchheim, 1.7.1709 böhmischer
Inkolat, 22.1.1710 Inkolat in Niederösterreich,
27.4.1711 Inkolat in Oberösterreich, 1720
Inkolat in Steiermark und Kärnten, 19.2.1711
Alter Herrenstand, vermählt mit Maria Anna
Sophia Johanna Freiin von Boineburg und Lengsfeld
(16.10.1652 - 11.4.1726), 14 Kinder (4 weitere starben jung)
- Johann Philipp Franz
von Schönborn (15.2.1673 - 18.8.1724),
1719 Fürstbischof von Würzburg
- Maria Anna von
Schönborn (11.7.1669 - 26.11.1703),
vermählt mit Johann Philipp von Stadion
- Maria Sophia von
Schönborn (11.9.1670 - 16.9.1742),
vermählt mit Karl Kaspar Freiherr von
der Leyen
- Anna Carolina Maria v.
Schönborn (3.10.1671 - 7.2.1716),
vermählt mit Johann Franz Sebastian
Freiherr v. Ostein (4.11.1652 -
24.6.1718)
- Johann
Friedrich Karl von Ostein
(6.7.1689 - 4.6.1763), 1743-1763
Fürsterzbischof von Mainz, und
1756-1763 Fürstbischof von Worms
- Friedrich Carl von
Schönborn (3.3.1674 - 25.7.1746),
Dompropst von Würzburg, 1705-1734
Reichsvizekanzler, Habsburger
Parteigänger, bekam österreichische
Lehen, darunter Buchheim, 1729
Fürstbischof von Würzburg und Bamberg
- Damian Hugo Philipp
Anton von Schönborn (1676 - 20.8.1743),
zweifacher Landkomtur, 1719 Fürstbischof
von Speyer und 1740 von Konstanz, 1715
Kardinal
- Franz Georg von
Schönborn (1682 - 18.1.1756), Domherr in
Trier, 1723 Dompropst, 1729 Erzbischof
und Kurfürst von Trier, Fürstabt von
Prüm, 1732 auch Fürstbischof von Worms
und Fürstpropst von Ellwangen
- Rudolf Franz Erwein
Graf von Schönborn-Wiesentheid, erst
Domherr in Trier, trat dann wieder in den
Laienstand ein, Herr zu Pommersfelden,
Weyer, Kronbach, Heusenstamm und Gaibach,
kurmainzischer Vicedomus zu
Aschaffenburg, Gesandter in Dresden,
kaiserlicher Geheimrat und Kämmerer
(1677 - 22.9.1754), seit 1701 Graf,
vermählt mit Maria Eleonora Charlotte
Gräfin von Gleichen und Hatzfeld
verwitwete von Dernbach (1679-1718).
- Anselm Franz von
Schönborn (16812-1726), militärische
Karriere, kaiserlicher General.
Begründer der 1801 erloschenen Linie
Schönborn zu Heusenstamm. Vermählt mit
Maria Theresia von Montfort (gest. 1751)
- Eugen Franz
Erwein von Schönborn
(1727-1801),
kaiserlich-königlicher Geheimrat
und Kämmerer
- Marquard Wilhelm von
Schönborn (6.12.1683 - 6.3.1770),
Domherr zu Trier, Speyer und Würzburg,
Dompropst von Bamberg und Eichstätt
- Anna Maria Philippine
von Schönborn (7.3.1685-14.9.1721),
vermählt mit Maximilian Franz Graf von
Seinsheim (11.11.1681 - 14.5.1737)
- Adam Friedrich
August Anton Joseph Maria v.
Seinsheim (16.2.1708 -
18.2.1779), Bischof von Würzburg
(1755-1779) und Bamberg
(1757-1779)
- Amalia Elisabetha von
Schönborn (7.4.1686-12.9.1737),
vermählt mit Leopold von Limburg-Styrum
- Damian August
Philipp Karl Graf von
Limburg-Styrum (16.3.1721 -
26.2.1797), Bischof von Speyer
(1770 - 1797)
- Johanna Eleonora von
Schönborn (2.7.1688 - 12.2.1763),
vermählt mit Kraft Anton Wilhelm von
Oettingen-Baldern (8.10.1684 - 25.4.1751)
- Katharina Elisabetha
von Schönborn (17.3.1692-26.2.1777),
vermählt mit Wenzeslaus von
Nostitz-Rieneck
Literatur,
Quellen und Links:
Siebmachers
Wappenbücher
Stephan Mauelshagen, Ordensritter -
Landesherr - Kirchenfürst: Damian Hugo von Schönborn,
Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt
Bruchsal, Band 18, Verlag Regionalkultur, 2001, ISBN
3-89735-173-0
Hartmut Platte: Das Haus Schönborn, Grafen, Fürstbischöfe und
Mäzene, Börde-Verlag Werl, 2006, Reihe Deutsche Fürstenhäuser
Heft 13, ISBN 3-980 9107-3-3
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf
CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Ausstellungskatalog "Die Grafen von Schönborn.
Kirchenfürsten, Sammler, Mäzene", Verlag des Germanischen
Nationalmuseums, Nürnberg 1989
Das Haus Schönborn: http://www.schoenborn.de/
Anton P. Rahrbach,
Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte
fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die
Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher
Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
http://www.aschaffenburg.de/wDeutsch/tourismus/schoenborner/schoenborner_01.php
http://www.aschaffenburg.de/wDeutsch/tourismus/museum/museum_03.php

Aschaffenburg: Schloß
Johannesburg: Wappenmauer - Schloß:
Treppentürme - Schloß:
Sockel - Schloß
auf 1001 Rädern - Schönborner
Hof
Die Entwicklung des Wappens der von
Schönborn
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