Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 15
Wolfenbüttel - herzogliches Schloß

Das Schloß der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel in Wolfenbüttel

Das Wappen der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel über dem Eingangsportal

Das Wappen ist für August Wilhelm Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (8.3.1662-23.3.1731) aus dem neuen Haus Wolfenbüttel.

Zuordnung der einzelnen Felder:

Die fünf Helme zeigen Alt- und Neu-Bruchhausen, Hoya (Bärentatzen), Braunschweig-Lüneburg (Mitte), Hohnstein kombiniert mit Lauterberg, Diepholz kombiniert mit Regenstein und Blankenburg.

Devise auf dem Bande unter dem Wappenschild: NEC ASPERA TERRENT (auch Widerstände schrecken sie nicht)

Genealogie der Linie Braunschweig-Wolfenbüttel nach Übergang auf den älteren Zweig des Hauses Lüneburg (Neues Haus Braunschweig):
Das Ende der älteren Linie Wolfenbüttel kam mit dem Tod von Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634), denn seine Ehe mit Markgräfin Anna Sophie von Brandenburg (27.3.1598-29.12.1659) blieb kinderlos. 1635 trat Herzog August der Jüngere aus der Nebenlinie Lüneburg-Dannenberg die Nachfolge in Wolfenbüttel an; er wurde zum Begründer des Neuen Hauses Braunschweig. Bereits 1303 waren die Güter der Grafen von Salzwedel in Dannenberg an die Herzöge von BS-Lüneburg gefallen. Als das mittlere Haus Lüneburg eine Erbteilung vornahm, begründete Heinrich Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg (4.6.1533-17.1.1598) im Jahre 1569 die Linie zu Dannenberg und überließ seinem Bruder Wilhelm die Herrschaft in Lüneburg-Celle. Als Heinrich starb, teilten seine Söhne 1598 noch einmal, wobei mit August dem Jüngeren eine Unterlinie zu Hitzacker entstand (Hitzacker war erst 1591 dazugekommen). Herzog August der Jüngere war ein nachgeborener Sohn, sein älterer Bruder Julius Ernst regierte in Dannenberg weiter, doch nur ein Jahr nach der "Beförderung" seines jüngeren Bruders starb dieser ohne überlebende Nachkommen. Das Territorium Dannenberg kam kurzfristig an Wolfenbüttel, wurde aber 1671 an Lüneburg zurückgegeben. Diese neue Linie sollte genau ein Jahrhundert in Wolfenbüttel regieren, ehe es wieder 1735 zu einer Diskontinuität kam.

Geschichte des Wappens der Herzöge von Braunschweig
Das alte Stammwappen der Herzöge von Braunschweig ist: In Rot zwei goldene Leoparden, in dieser Form bis ins 13. Jh. geführt. 1376 wurde dem Wappen das Fürstentum Lüneburg heraldisch „einverleibt“, als Herzog Ludwig von Braunschweig Herzogin Mathilde von Lüneburg heiratete, die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg führten seitdem einen gevierten Schild, 1 und 4 in Rot zwei goldene Leoparden (Braunschweig), 2 und 3 gold bestreut mit roten Herzen, darin ein blauer Löwe, rotbewehrt und rotgezungt (Lüneburg). Dieses Wappen war bis zum 14. Jh. in Gebrauch.

Im 15. Jh. kam es zu einer weiteren Änderung: Das Wappen enthielt nun vier verschiedene Felder: 1 Fürstentum Braunschweig, 2 Fürstentum Lüneburg, 3 Grafen von Everstein (in Blau ein silberner Löwe, golden gekrönt, rot bewehrt und rot gezungt), 4 Edelherren von Homburg (Innerhalb eines blau-silbern gestückten Bordes in Rot ein goldener Löwe, blau bewehrt und ebenso gezungt). Zu den Erweiterungen kam es wie folgt: Nach Verlust seiner Burg an die Braunschweiger Herzöge ging der letzte Graf von Everstein, Graf Hermann VIII, in die Verbannung nach Neustadt am Rübenberge. Als eine Art kleiner, später, aber nicht unbeachteter Wiedergutmachung verlobte 1408 der letzte Graf von Everstein seine einzige Tochter Elisabeth, die erst 4 Jahre alte Erbtochter, mit dem Sohn des damaligen Herzogs von Braunschweig, Otto IV. von Lüneburg, und gab ihr den Rest der Grafschaft Everstein als Mitgift. Die Herrschaft Homburg wurde1409 durch Erbkauf und Heirat der Witwe des letzten Grafen von Homburg mit Herzog Otto von Grubenhagen (1415) von den Welfen geerbt. 1428 kam Homburg an Braunschweig-Wolfenbüttel.

Im 16. Jh. wurde der Schild auf 6 Felder erweitert. Neu sind Hoya und Bruchhausen. Bruchhausen kam mittelbar über Hoya an Braunschweig-Lüneburg: Die Grafschaft Bruchhausen kam nach Aussterben der Grafen 1220 an die Grafen von Oldenburg, die sie 1259 teilten. Beide Teile kamen 1326 bzw. 1384 durch Erbschaft und Verkauf an die Grafen von Hoya. Als die Grafen von Hoya ausstarben (Hoya 1503, Nienburg 1534/1582), wurde die Grafschaft als Reichslehen unter den Linien des Welfenhauses (Calenberg, Wolfenbüttel und Celle) aufgeteilt.

Noch mehr Elemente kamen später ins Wappen und es entstand die Form, die wir hier am Schloß sehen können. Das große Wappen der Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel vereinigt noch mehr Grafschaften und kommt in mehreren Varianten vor. Z. B. 1585 starben die Grafen von Diepholz aus. Die Grafschaft fiel aufgrund einer Anwartschaft von 1517 an Braunschweig-Lüneburg. Es bestand noch ein langer Rechtsstreit mit Hessen. 1593 wurden die Welfen vom Kaiser mit der Grafschaft Diepholz belehnt.

Literatur:
Gerhard Köbler, Historisches Lexikon der deutschen Länder, die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart, CH Beck Verlag München, 6. Auflage 1999, ISBN 978-3-406-54986-1
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Brunswick.htm
http://www.ngw.nl/int/dld/braunsch.htm
http://elm-asse-kultur.de/html/body_herzogtum.html
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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Wappen, Linien und Territorien der Welfen (1): Wappen-Komponenten und ihre Geschichte
Wappen, Linien und Territorien der Welfen (2): Entwicklung der herzoglichen Wappen

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