Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 173
Ostheim vor der Rhön: Kirchenburg

Wappen über dem Haupteingang der Kirche
in der Kirchenburg Ostheim

Dieses große Wappen ist das Wappen von Sachsen-Weimar. Das Herzogtum Sachsen-Weimar bestand 1572-1741. Die Stifter-Inschrift nennt " IN PERPETUAM GLORIAE DIVINAE PIETATISQUE CHRISTI ANAE CELEBRATIONEM SUB ILLUSTRISS PRINCIPE DN JOHANN ERNESTO DUCE SAXONIAE.... , also Herzog Johann Ernst I den Jüngeren von Sachsen-Weimar, geb. 1594, reg. 1605-1620 (in den letzten Jahren war sein Nachfolger Wilhelm IV schon Regent), gest. 1626. Die Jahreszahl wird durch ein Kryptogramm angegeben: DEVS VERBO NOBISCVM = D + V + V + I + C + V + M = 1616.

Die einzelnen Bestandteile des Wappens:

Landgrafschaft Thüringen. In Blau ein golden gekrönter und bewehrter Löwe, von Silber und Rot achtmal geteilt. Hier stimmen Anzahl und Richtung der Teilungen nicht überein. Der Löwe ist hier gewendet. Diese Landgrafschaft wurde zwischen 1111-1112 durch Kaiser Heinrich V. gegründet. Die Landgrafschaft Thüringen kam durch die Heirat Dietrichs von Meißen mit Jutta Landgräfin von Thüringen nach dem Tod ihres Bruders Heinrich Raspe (der letzte Ludowinger, gest. 1247) nach anschließendem 15jährigem Erbfolgestreit an Meißen und damit an Sachsen.
Herzogtum Kleve: In Rot mit silbernem Schildchen ein goldenes Glevenrad. Hier ist der Herzschild beim Tingieren vergessen worden. Wurde 1521 mit Berg, Jülich und der Mark zu den Vereinigten Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg verbunden. Durch den Vertrag von Xanten kam Kleve 1614 in vorläufigen, 1666 dann in endgültigen Besitz der Kurfürsten von Brandenburg. Für Sachsen ist das ein reines Anspruchswappen.
Markgrafschaft Meißen. In Gold ein schwarzer Löwe, rot bewehrt, doppelschwänzig. Die Markgrafschaft Meißen ist uralt, erstmals ist 968 ein hier eingesetzter Markgraf bezeugt. Seit 1089 ist die Markgrafschaft im Besitz der Wettiner (Heinrich von Eilenburg), erst als Lehen, seit 1123 erblich. Diese Markgrafschaft ist eines der ältesten und wichtigsten Gebiete der Wettiner. 1423 ging die Markgrafschaft im Herzogtum Sachsen-Wittenberg auf.
Herzogtum Jülich. In Gold ein schwarzer Löwe, silbern bewehrt. Hier gewendet. 1356 wird Jülich Herzogtum. Nachdem die Herzöge 1609 ausstarben, werden die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg 1614 im Vertrag von Xanten aufgeteilt. Der Pfalzgraf erhält Jülich und Berg (zum Herzogtum Pfalz-Neuburg), der Kurfürst von Brandenburg bekommt Kleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein. Für Sachsen ist das ein reines Anspruchswappen, weil es bei der Aufteilung leer ausgeht.
Pfalzgrafschaft Sachsen. In Blau ein golden gekrönter goldener Adler. Kam nach dem Aussterben des pfalzgräflich-sächsischen Hauses der Sommerschenburger 1181 an die Landgrafen von Thüringen (kaiserliche Belehnung), und damit mittelbar 1247 (s.o.) an die Wettiner von Sachsen. Das Haus Wettin bekam einen Teil der Pfalzgrafschaft 1350 von Kaiser Karl IV bestätigt. Mit dem Herzogtum Sachsen-Wittenberg, das den anderen Teil innehatte, kam schließlich 1425 die gesamte Pfalzgrafschaft an die Wettiner.
Herzogtum Berg: In Silber ein roter Löwe, blau gekrönt, doppelschwänzig. Hier vereinfacht. Das Herzogtum Berg war lange Zeit mit dem von Jülich vereint und teilte dessen politisches Schicksal. Für Sachsen ist das ein reines Anspruchswappen.
Pfalzgrafschaft Thüringen: In Schwarz ein goldener Adler. Hier stimmt die Farbe des Feldes nicht. Eine eigentliche Pfalz Thüringen hat es historisch nie gegeben. 1247 kamen die Wettiner in den Besitz der Pfalzgrafschaft. Kurfürst Ernst nahm den Bestandteil im 15. Jh. in das sächsische Wappen auf. 1291 wurden die nördlich der Unstrut gelegenen Gebiete an Brandenburg verkauft, aber 1347 zurückgekauft, dabei vereinigte man die Gebiete aber nicht mehr, sondern nannte den nördlichen Teil Pfalzgrafschaft Sachsen und den südlichen Teil Pfalzgrafschaft Thüringen.
Grafschaft Orlamünde: In einem mit roten Herzen (Seeblätter) bestreuten goldenen Feld ein rot gekrönter und bewehrter schwarzer Löwe. Die roten Herzen fehlen hier. Das Wappen ist eine alte Erinnerung an Dänemark: Ursprünglich waren es drei blaue schreitende Löwen, die durch die Heirat von Sophia von Dänemark mit Siegfried von Orlamünde ins Spiel kamen. Die Anzahl der Löwen wurde auf 1 reduziert. Beim Verkauf der Grafschaft an Meißen wechselte die Farbe des Löwen von Blau auf Schwarz.
Markgrafschaft (Herrschaft) Landsberg: In Gold zwei blaue Pfähle. Das ist ein altes Wappen der Wettiner. Landsberg ist mit ein Stammland der Wettiner. 1210 offizielle Belehnung. Die Burg Landsberg wurde von Markgraf Dietrich IV erbaut. Landsberg wurde 1291 an Brandenburg verkauft, kam dann durch Heirat an Braunschweig, wurde schließlich 1347 an Friedrich den Ernsthaften, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen, weiterverkauft. So kam es zurück an die Wettiner. Das Wappen hat eine lange Entwicklung durchgemacht, während der sich Anzahl und Farbe der Pfähle zum jetzigen Bild veränderten.
Herrschaft Pleissen. In Blau ein von Gold und Silber geteilter Löwe. Hier fehlerhaft, die untere Löwenhälfte ist ebenfalls golden. Eigentlich steht dieser Löwe aufrecht, aber in vielfeldrigen Wappen ist dessen gebückte Stellung nicht der einzige Kompromiß. Das Pleißnerland wurde 1256 von Kaiser Friedrich II aus Anlaß einer Hochzeit dem Markgrafen von Meißen verpfändet. 1310 offizielle Belehnung.
Burggrafschaft Altenburg. In Silber eine fünfblättrige rote Rose, golden bebutzt, mit grünen Kelchblättern. 1328 wurde von Kaiser Ludwig das als Lehen (1310) eröffnete Burggrafenamt in der freien Reichsstadt Altenburg von den Markgrafen von Meißen erlangt. Die Aufgabe des Burggrafen war die Verteidigung der kaiserlichen Burg und die Wahrung kaiserlicher Hoheitsrechte über seine in Altenburg ansässigen Vasallen. Der Wappenbestandteil kam unter Wilhelm III in das sächsische Wappen.
Herrschaft Eisenberg (Isenberg): In Silber drei blaue Balken. Hier "vereinfacht". Gehörte schon im 12. Jh. zum Wettiner Stammbesitz. Hängt auch mit Pleißen zusammen. 1485 fällt das kursächsische Eisenberg an die Ernestiner. Der Wappenbestandteil taucht erstmals 1525 im Wappen des Kurfürstentums Sachsen auf.
Grafschaft Brehna: In Silber 3 (2:1) im Dreipaß ausgeschlagene rote Seeblätter. Erstmalig taucht die Grafschaft Brehna im Jahre 1053 auf. 1290 wurde sie von König Rudolf I an den askanischen Herzog Rudolf I. von Sachsen-Wittenberg verliehen, die dadurch auch Grafen von Brehna wurden. Mit dem Aussterben der Askanier von Sachsen-Wittenberg im Jahre 1422 kam die Grafschaft Brehna 1423 an den Wettiner Friedrich den Streitbaren. Dieser wurde 1425 in Budapest mit dem Kurfürstentum Sachsen, aber auch u.a. mit der Grafschaft Brehna belehnt. 1485 kam Brehna bei der Leipziger Teilung an die vom Kurfürsten Ernst begründete Ernestinische und 1547 an die Albertinische Linie.
Grafschaft Mark: In Gold ein silbern-rot geschachter Balken, wovon hier nur die geschachte Zone übriggeblieben ist. Die Grafschaft Mark lag beiderseits der Ruhr in Westfalen/Sauerland. 1394 wurden das Herzogtum Kleve und die Grafschaft Mark vereinigt. Für Sachsen ist das ein reines Anspruchswappen, an dem aber reichlich festgehalten wurde, insbesondere da Sachsen bei der Aufteilung dieser Gebiete leer ausging.
Grafschaft Ravensberg: In Silber drei rote Sparren. Hintergrund: Die Grafschaft Ravensberg im nordöstlichen Westfalen (Zentrum: Bielefeld) war ab 1346 mit Berg, ab 1437 mit Jülich-Berg und ab 1511 mit Kleve verbunden. 1346 starb das Haus Calvelage-Ravensberg im Mannesstamm aus, über Margarete, Ehefrau von Gerhard I, wird dieser 1348 der neue Graf von Berg. 1511 gibt es einen weiteren Erbfall: Jülich-Berg–Ravensberg verbindet sich mit Kleve-Mark. 1609 kommt es zum Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, nachdem Johann Wilhelm IV. ohne Erben gestorben war und sich mehrere fürstliche Häuser, vor allem Pfalz-Neuburg, Sachsen und Brandenburg, um die Ansprüche und hinterlassenen Länder stritten. 1614 werden die strittigen Gebiete im Vertrag von Xanten geteilt. Für Sachsen ist das ein reines Anspruchswappen.
Colonna: In Rot eine goldgekrönte silberne Säule. Die Krone ist hier ebenfalls silbern tingiert. Das Säulenwappen ist das des römischen Adelsgeschlechts Colonna, deren Verwandtschaft die Henneberger sich 1467 durch Papst und Kaiser bestätigen ließen. Diese beanspruchte Verwandtschaft bzw. Abstammung ist aber eine reine Erfindung. Die Säule der Colonna findet sich auch im Wappen von Römhild und der Grafschaft Römhild.
Gefürstete Grafschaft Henneberg: In Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen. Hier sind die roten Teile leider ebenfalls schwarz. Es handelt sich nicht um das Ursprungswappen der Grafen von Henneberg, das war erst ein Adler, dann als Burggrafen von Würzburg ein geteilter Schild, oben in Gold ein wachsender schwarzer Doppeladler, unten rot-silbern geschacht. Das redende Wappen mit der Henne erscheint um 1300 und ist auch schon in der Züricher Wappenrolle. 1310 wurde die Grafschaft gefürstet. Wegen übermäßiger Verschuldung wurde 1554 eine Erbverbrüderung mit Sachsen geschlossen. Mit Erlöschen der Henneberger Grafen 1583 kam das Wappen an Sachsen.
Herzogtum Sachsen. Von schwarz und Gold neunmal geteilt, darüber ein grüner schrägrechter Rautenkranz. Nachdem 1422 die askanische Linie Sachsen-Wittenberg ausstarb, kam die Herzogswürde von Sachsen 1423 an die Wettiner. Das war der Dank für das Engagement in den Hussiten-Kriegen. Der Rautenkranz war ursprünglich eine Wappenminderung des alten Askanierwappens durch den jüngeren Bruder Albrecht von Sachsen, während Heinrich von Aschersleben das Askanierwappen unverändert (von schwarz und Gold neunmal geteilt) führte.

Die sechs Helme des Wappens:

Die sechs goldenen Gitterhelme mit Zier stehen für:

Interessant ist, daß allein 3 Helmzieren reine Anspruchswappen darstellen, denn Sachsen ging damals bei der Aufteilung der Gebiete des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg leer aus, denn die Gebiete wurden zwischen Pfalz-Neuburg und Brandenburg aufgeteilt. Sachsen erhielt nur Anspruch und Wappen. Natürlich sind die Anspruchs-Helme denen, deren zugehörige Gebiete tatsächlich beherrscht wurden, im Rang nachgeordnet.

Literatur:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Siebmachers Wappenbuch
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Olaf Vieweg, Was ist was - das sächsische Wappen, Karfunkel Nr. 36, 10-11/2001, ISSN 0944-2677, S. 65 ff.
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Saxe.htm
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Saxe_Weimar.htm
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Saxe_Meiningen.htm
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Saxe_Altenbourg.htm
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Saxe_Cobourg_Gotha.htm
Die letztgenannten Seiten sind eine hervorragende Arbeit, bergen aber noch Ungereimtheiten und fehlerhafte Zuordnungen.

Ostheim vor der Rhön (Franken): Kirchenburg: Hauptportal der Kirche - Stadtwappen - Rathaus - Amthaus - Altensteinsches Schloß

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