Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 19
Wolfenbüttel - Raus Ruge

Das Wappen der Herzöge von Braunschweig am Haus eines Hoflieferanten: Haus Ruge

An Haus Ruge, heute einem Reformhaus, befindet sich ein typisches Hoflieferantenwappen. Wer derart vom Hof der Herzöge von Braunschweig begünstigt wurde, bekam das Privileg verliehen, dies durch die Anbringung derartiger hölzerner Reproduktionen des herzoglichen Wappens nach außen zu zeigen. Im Gegensatz zu den Wappen an herzoglichem Eigentum sind diese Wappen einfacher Machart, nicht aus Stein, sondern aus geschnitztem Holz, und sie können dadurch leicht angebracht und wieder entfernt werden. Es handelt sich um eine vereinfachte Version des Großen Staatswappens des Herzogtums Braunschweig.

Der Schild ist zweimal gespalten und dreimal geteilt:

Detail: Schild

Auf dem Schild eine purpurn gefütterte Herzogskrone mit fünf sichtbaren, goldenen, mit silbernen Perlen belegten Bügeln über juwelengeschmücktem Reif. Als Schildhalter dienen zwei nackte, silbernbärtige, um Stirn und Hüften grün laubbekränzte wilde Männer, mit der äußeren Hand eine naturfarbene Keule haltend.

Um den Schild ist eine Ordenskette gelegt. Es handelt sich um die Kette des Herzoglich Braunschweigischen Orden Heinrichs des Löwen. Dieser Orden wurde erst am 25.4.1834 von Wilhelm August Ludwig Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (25.4.1806-18.10.1884) gestiftet, was somit die Untergrenze für die Datierung des Wappens darstellt. Es war ein Zivil- und Militärverdienstorden. Das an drei kleinen goldenen Kettchen von der Collane herabhängende Kleinod ist ein blaues, golden bordiertes achtspitziges Kreuz mit goldenen Kugelenden. In den Winkeln zwischen den Kreuzarmen befinden sich vier radial gestellte goldene Initialen "W" (für den Stifter, Herzog Wilhelm), jeweils herzoglich gekrönt. Im senkrecht nach unten gerichteten Kreuzarm ist ein golden gekrönter, silberner Bügelhelm. Sein Kleinod, das silberne schreitende Pferd vor einer silbernen Säule zwischen den silbernen, gezähnten Sicheln ragt in die rot unterlegte Mitte des Kettenkleinods, und die Pfauenfedern von Sicheln und Köcher ragen in die drei freien Kreuzarme hinein (hier vereinfacht dargestellt). Der senkrecht nach oben gerichtete Kreuzarm hat zwischen seinen beiden je mit einer Kugel abgeschlossenen Spitzen einen goldenen schreitenden Leoparden auf rotem Untergrund zwischen zwei grünen Lorbeerzweigen (hier vereinfacht), darüber eine weitere herzogliche Krone. Die hier nicht sichtbare Rückseite des Ordenskreuzes hätte im Zentrum die Devise des Ordens "IMMOTA FIDES" ("unverrückbare, unerschütterliche Treue"), dazu umlaufend die römische Jahreszahl MDCCCXXXIV als Erinnerung an das Jahr der Stiftung.

Die Kette hat abwechselnd größere und kleinere Glieder. Das größere Glied, im Zentrum unten zu sehen, besteht aus einem aus den Wappen für Braunschweig und Lüneburg gespaltenen Schild, darüber ein goldener, herzoglich gekrönter Löwenkopf zwischen insgesamt sechs Fahnen mit abwechselnd dem braunschweigischen und dem lüneburgischen Wappenbild. Rechts und links des Wappenschildes dienen goldene, schreitende, hersehende Löwen (Leoparden) als Schildhalter.

Das kleinere Kettenglied, im gewählten Bildausschnitt zweimal zu sehen, ist ein kreisrundes medaillonartiges Element. Die Mitte ist weiß emailliert mit einem goldenen, gekrönten Monogramm "W" (für den Stifter, Herzog Wilhelm). Der Bord ist rot und golden gesäumt, und darauf steht die Devise des Ordens "IMMOTA FIDES" ("unverrückbare, unerschütterliche Treue").

Unter dem Wappen ist auf einem blauen Band die Devise zu lesen "NEC ASPERA TERRENT" (selbst Widrigkeiten schrecken mich nicht).

Das Große Staatswappen enthält normalerweise fünf Helme. Wird es in einer kleineren, abgespeckten Version verwendet, wird das Welfenroß auf einen Herzschild gesetzt, damit dieses wichtige Element nicht fehlt. Dies ist bei diesem Hoflieferantenwappen nicht berücksichtigt.

Genealogie der Linie Braunschweig-Wolfenbüttel nach Übergang auf die Linie Braunschweig-Bevern:
Innerhalb der Linie Braunschweig Wolfenbüttel trat erneut eine Diskontinuität auf. Über die Tochter des letzten Herzogs kam die 1666 von Herzog Ferdinand Albrecht I. (22.5.1636-23.4.1687) begründete Nebenlinie Braunschweig-Bevern zum Zuge. Bevern bei Holzminden war eigentlich ein Münchhausen-Besitz, kam aber kurz vor 1633 von Statius von Münchhausen an Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Diese Nebenlinie setzte 1735 die Erbfolge in Wolfenbüttel und ab 1753/1754 in Braunschweig fort. Das Ende von Braunschweig-Wolfenbüttel als Staat kam unter Friedrich Wilhelm Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (9.10.1771-16.6.1815), dem sog. "Schwarze Herzog", als die französische Besetzung des Fürstentums erfolgte und Braunschweig-Wolfenbüttel am 7.7.1807 Teil des Königreichs Westfalen wurde. 1813 wurde der Herzog rekonstituiert. Erst 1814 wurde das Herzogtum Braunschweig in den alten Grenzen des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel neu gegründet. Unter des Letztgenannten Sohn Karl III. Friedrich August Wilhelm Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (30.10.1804-18.8.1873) kam es zum Chaos: Aufgrund eines Volksaufstandes floh er in die Schweiz, 1830/1831 wurde er wegen Regierungsunfähigkeit abgesetzt, und sein Bruder Wilhelm August Ludwig Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (25.4.1806-18.10.1884) übernahm die Regierung. Da beide kinderlos waren, endete damit 1884 Braunschweig-Wolfenbüttel als Linie. Die Nebenlinie der Herzöge zu Braunschweig-Bevern bestand bis 1809 fort.

Literatur, Links und Quellen:
http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Allemagne/Brunswick.htm
http://www.ngw.nl/int/dld/braunsch.htm
http://elm-asse-kultur.de/html/body_herzogtum.html
http://www.braunschweigischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/bl/news/BSLandschaft_Ausstellung1.pdf
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Siebmachers Wappenbücher
Orden Heinrichs des Löwen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Orden_Heinrichs_des_Löwen
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9

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