Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 197
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Messingplatte für Albert von Bibra

Dieser Grabplattenbeschlag aus Messing, der heute die Wand eines Seitenschiffes im Würzburger Kiliansdom ziert, erinnert an Albert von Bibra (je nach Quelle auch Albanus oder Albrecht von Bibra genannt). Er trat 1483 als Domicellar in Würzburg in die Klerikerlaufbahn ein. Am 16.8.1496 wurde er Propst am Neumünsterstift, und 1502 wurde er Dompropst in Würzburg. Auch in Bamberg war er Domherr (Domkanonikat 1486-1501), und er amtierte noch als Oberpfarrer in Röttingen. Ein weiteres Kanonikat bestand im Liebfrauenstift in Mainz und in der Nikolaus-Vikarie in St. Sebald in Nürnberg. Er verstarb am 24.8.1511. Die umlaufende Inschrift, von der im optisch oberen linken Teil ein ganzes Stück fehlt, lautet wie folgt: "Anno d(omi)ni M CCCCC XI (1511) die solis vi(g)esi(m)a quarta Augusti obiit Reverend(us) pater Albertus de bibra maioris et sancti Johannis novi monasterii (= Stift Neumünster) herb(ipole)n(sis) ecclesiar(um) pr(a)eposi(tus cuius anima requiescat) i(n) s(an)c(t)a pace ame(n)." Innerhalb dieses von der Inschrift gebildeten Rahmens steht das nur an der unteren Seite mit ersterem verbundene Standportrait des Klerikers mit einem Abendmahlskelch in der Linken, in typischer Geste die Rechte mit zwei ausgestreckten Fingern segnend darüber erhoben. Der Raum zwischen Kopf und oberem Abschluß ist mit spätgotischem Blendmaßwerk gefüllt.

     

Die Eltern des Domherren Albert von Bibra waren Valentin von Bibra, Ganerbe auf dem Rothenberg, würzburgischer Amtmann zu Bramberg (verließ jedoch nach seiner Amtszeit die Burg, und sein Nachfolger wurde Christoph Fuchs zu Leuzendorf), und dessen Frau Anna Modschiedel von Reinsbrunn. Zu Füßen des Klerikers befindet sich ein Vollwappen der Familie, in Gold ein steigender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein goldener, beiderseits mit einem einwärts aufspringenden schwarzen Biber belegter Adlerflug.

Die vier Wappen der Ahnenprobe, jeweils ein Halbrundschild an den Ecken, stehen für die vier Großeltern des Domherrn. Heraldisch rechts oben steht der Schild für den Großvater väterlicherseits, Heinrich von und zu Bibra, Ganerbe auf dem Rothenberg, würzburgischer Amtmann zu Bramberg im heutigen Landkreis Haßberge, Sohn von Caspar von Bibra zu Bibra und Irmelshausen, ebenfalls würzburgischer Amtmann zu Bramberg (in Gold ein steigender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz). Oben links steht der Schild für den Großvater mütterlicherseits, ein nicht näher bekannter Herr Modschiedel oder Modschiedler von Reinsbrunn (rot-silbern mit Zackenschnitt bogenförmig schräggeteilt). Daß die von Modschiedel in engem Zusammenhang mit den Förtsch von Thurnau standen, erkennt man am ähnlichen Wappenbild. Unten rechts wird die Großmutter väterlicherseits repräsentiert, Christina Fuchs von Rügheim (in Gold ein aufspringender roter Fuchs), Tochter von Hans Fuchs von und zu Rügheim und dessen Frau Anna von Münster, und der letzte Schild, der unten links, steht für die Großmutter mütterlicherseits, Anna von Vestenberg (in Grün ein silberner Balken) - Genealogien nach Biedermann und Salver.

     

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Würzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 382-384.
von Vestenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Vestenberg_(Adelsgeschlecht)
Fuchs von Rügheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Fuchs_(Adelsgeschlecht)
von Bibra:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bibra_(Adelsgeschlecht)
Genealogie der von Bibra: Biedermann, Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Burg Bramberg:
http://www.burgenwelt.de/bramburg/ge.htm
Alfred Wendehorst, das Bistum Würzburg 4: Das Stift Neumünster in Würzburg, Germania Sacra NF 26, Berlin/New York 1989, online:
http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B bzw. http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B/NF%2026 Wendehorst%20Stift Neumünster Würzburg.pdf S. 311. Dort werden abweichend als Eltern Georg v. Bibra und Else Motschiedler genannt.

Dom, Moritz von Hutten - Dom, Erasmus Neustetter gen. Stürmer - Dom, Veit Gottfried von Wernau - Dom, Richard von der Kere - Dom, Johannes von Guttenberg - Dom, Petrus von Aufseß - Dom, Georg von Giech - Dom, Johann Konrad Kottwitz von Aulenbach - Dom, Franz Ludwig Faust von Stromberg - Dom, Neidhardt von Thüngen - Dom, Georg Heinrich von Stadion - Dom, Konrad Friedrich von Thüngen

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