Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 210
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Dom zu Würzburg, Messingplatte für Georg von Giech

Dieser aus Messing gefertigte Grabplattenbeschlag, der heute an der Wand eines Seitenschiffes im Würzburger Kiliansdom hängt, erinnert an Georg von Giech. Der am 8.5.1500 Verstorbene war ab 1454 Domizellar in Würzburg, Domkapitular, Erzpriester und seit 1495 Dompropst in Würzburg und 1476-1495 Landrichter im Herzogtum Ostfranken. 1477 wurde er Archidiakon. 1470 wurde er auch Propst des Stifts Neumünster und blieb es bis 1494. Er war auch Pfarrer in Scheßlitz. Die mit goldenen Lettern abgesetzte, umlaufende Inschrift, von der unten die Hälfte fehlt, lautet: "Anno a(b) nativitate xpi (gr. = Christi) M CCCCC primo sabatho octava me(n)sis May obyt reverend(us) p(ate)r d(omi)n(u)s Georgiu(s de Giech) p(rae)posit(us) ac cano(nicus) h(uius) eccl(es)i(a)e herb(ipole(n)sis c(uius) a(n)i(m)a requiescat in pace Ame(n)." Innerhalb dieses Inschriftenrahmens steht das nur an der unteren Seite mit ersterem verbundene Standportrait des Klerikers in der für die ganze Serie typischen Pose mit Chorgewand und mit einer flachen Mütze auf dem Kopf, mit einem Abendmahlskelch in der Linken, die Rechte mit zwei ausgestreckten Fingern segnend darüber erhoben. Das Innenfeld wird oben mit hübschem spätgotischen Blendmaßwerk abgeschlossen.

     

Die Eltern des Klerikers Georg von Giech waren Nikolaus von Giech zu Kröttendorf und Barbara Neustetter gen. Stürmer. Die vier jeweils in den Ecken zu findenden Wappenschilde der Ahnenprobe, wovon leider einer verloren ist, stehen für die vier Großeltern des Georg von Giech. Die Zuordnung der Schilde ist evident, aber bezüglich der exakten genealogischen Angaben gibt es in der Literatur einige Unstimmigkeiten. Heraldisch rechts oben steht der Schild für den Großvater väterlicherseits, Hans (nach Salver S. 278 Hans v. G., n. Salver S. 329 Eberhard v. G., Quellenwiderspruch, nach Biedermann Hanns) von Giech (in Silber zwei pfahlweise gestellte rote Schafscheren). Oben links steht der Schild für den Großvater mütterlicherseits, Hans (nach Salver S. 278 und 329), Hanns (nach Biedermann) oder Ulrich (nach Tyroff) Neustetter gen. Stürmer zu Schönfeld, Bernrode und Unternesselbach (in Silber ein schwarzer Schach-Roch). Unten rechts, dort, wo die Lücke klafft, wurde früher einmal die Großmutter väterlicherseits repräsentiert, Anna von Vestenberg (in Grün ein silberner Balken), und der wiederum vorhandene letzte Schild unten links steht für die Großmutter mütterlicherseits, Anna (nach Salver S. 278, Quellenwiderspruch) oder Barbara (nach Salver S. 329 und nach Tyroff) von Mistelbach oder Mistelbeck (in Rot ein goldener, unten gezähnter bzw. im Spitzenschnitt abgeteilter Balken, Schöler Tafel 7, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 49 Tafel: 48. Biedermann ist bezüglich dieser Großmutter unplausibel, er bringt nur eine Ehefrau und gar keine von Mistelbach). Am ausführlichsten und glaubhaftesten wird die Genealogie bei Tyroff ausgeführt, dort ist von Ulrich Neustetter gen. Stürmer und Barbara von Mistelbach als Paar die Rede, während Ulrichs Bruder Hans die auch bei Biedermann zu findende Cunegunda von Seckendorff geheiratet hat. Da hier der Schild Mistelbach auftaucht, kann Barbara Neustetter nur die Tochter von Ulrich Neustetter gen. Stürmer und Barbara von Mistelbach sein, nicht wie bei Biedermann dargestellt von Hans Neustetter und Cunegunda von Seckendorff. Beide, Hans und Ulrich, waren die Söhne von Poppo Neustetter gen. Stürmer zu Schönfeld und Bernrode und dessen Frau Barbara von Steinau gen. Steinrück.

                   

Literatur, Links und Quellen:
Bistum Würzburg: http://www.bistum-wuerzburg.de/
Bistum Würzburg bei Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Bistum_Würzburg
St. Kilians-Dom:
http://www.dom-wuerzburg.de/index.php?r=t/
Beschreibung dieses Epitaphs in: Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 278-279.
Genealogie Neustetter: Biedermann, Geschlechtsregister der Reichsfrei unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Gebürg
http://books.google.de/books?id=49JDAAAAcAAJ
von Giech:
http://de.wikipedia.org/wiki/Giech_(Adelsgeschlecht)
Geschlechts- und Wappenbeschreibungen zu dem Tyroffischen neuen adeligen Wappenwerk, Nürnberg 1805, 1. Band, 1. Abschnitt, S. 372-373, online:
http://books.google.de/books?id=szdEAAAAcAAJ
Alfred Wendehorst, das Bistum Würzburg 4: Das Stift Neumünster in Würzburg, Germania Sacra NF 26, Berlin/New York 1989, online:
http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B bzw. http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16EF-B/NF%2026 Wendehorst%20Stift Neumünster Würzburg.pdf S. 310. Hier wird abweichend von Salver und Biedermann als Mutter Else Neustetter gen. Stürmer angegeben.

Dom, Moritz von Hutten - Dom, Erasmus Neustetter gen. Stürmer - Dom, Veit Gottfried von Wernau - Dom, Richard von der Kere - Dom, Albert von Bibra - Dom, Johannes von Guttenberg - Dom, Petrus von Aufseß - Dom, Johann Konrad Kottwitz von Aulenbach - Dom, Franz Ludwig Faust von Stromberg - Dom, Neidhardt von Thüngen - Dom, Georg Heinrich von Stadion - Dom, Konrad Friedrich von Thüngen

Die Entwicklung des Wappens der von Giech

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