Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 250
Weikersheim - ein Traum aus Renaissance und Barock

Schloß zu Weikersheim, äußeres Tor

Hinter der steinernen Brücke über den tiefen Schloßgraben empfängt den Besucher ein Renaissance-Tor mit kräftiger Quader-Gliederung und farbig gefaßtem Allianzwappen. Dieses Tor (Abb. unten rechts) stammt aus der Phase des Ausbaus des Schlosses nach dem 30jährigen Krieg. Später (1729) wurde der stadtseitige Zugang durch die barocken Bauten weiter verfeinert. Im Hintergrund dieses Bildes sieht man bereits das innere Tor, und nach Durchschreiten dieses zweiten Tores gelangt man in den Schloßhof (Abb. links unten).

 

Das gevierte Wappen der Grafen von Hohenlohe-Weikersheim mit Herzschild setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

Man beachte, daß die Felder 1 und 3 sowie der Herzschild aus Courtoisie gewendet sind. Die Blickrichtung der Langenberger Löwen ist mal die eines schreitenden Löwen, mal die eines hersehenden schreitenden Löwens (hier).

Das Haus Hohenlohe ist ein altes fränkisches Adelsgeschlecht mit weitgehend zusammenhängenden Besitzungen in den heutigen Bundesländern Baden-Württenberg und Bayern mit einem Schwerpunkt in den Tälern der Flüsse Kocher, Jagst und Tauber. Wichtige hohenlohische Städte waren Langenburg, Öhringen, Neuenstein und Waldenburg. Die Hohenloher wurden erstmals 1095 erwähnt; ihren Namen haben sie nach der Burg Hohenloch bei Uffenheim in Franken. Im Laufe der Zeit gab es viele verschiedene Linien, z. B. Bartenstein, Brauneck, Entsee, Haltenbergstetten, Ingelfingen, Jagstberg, Kirchberg, Langenburg, Möckmühl, Neuenstein, Öhringen, Pfedelbach, Pfitzingen, Röttingen, Schillingsfürst, Uffenheim, Waldenburg, Weikersheim, Wernsberg.

Langenburg ist ein auf einem Bergsporn gebauter Ort hoch über einer Schleife der Jagst. Einst gehörte der Ort den Freiherren von Langenberg (Langenburg), seit 1201 bekannt. Diese starben aber schon 1256 aus, worauf der Besitz Langenburg an das Haus Hohenlohe fiel. Aber erst später wurde das Wappen um den Langenberger Bestandteil vermehrt. Nach der sog. Hauptlandesteilung Mitte des 16. Jh. entstanden zwei Linien, beide mit gleichem Wappen, und anläßlich der Teilung griff man einen alten Gedanken auf, die Langenberger Herrschaft mit in den Schild aufzunehmen. Gemeinsam blieb auch das Wappen, allerdings in veränderter Form. Am 14. Juni 1558 wurde den Grafen von Hohenlohe von Kaiser Ferdinand I das Recht verliehen, sich Herren zu Langenburg zu nennen und das alte Wappen der Langenberger zu führen. Seitdem ist das Hohenloher Wappen geviert aus den Hohenloher Löwen und den Langenberger Rauten mit dem einzelnen Löwen.

Die Grafschaft Gleichen liegt eigentlich in Thüringen. Die Grafen von Tonna wurden im 12. Jh. vom Erzbistum Mainz mit der Herrschaft Gleichen belehnt, worauf sich die Grafen seit 1162 Grafen von Gleichen nannten. Später wurde die Residenz von Gleichen nach Ohrdruf verlegt. Das Grafengeschlecht erlosch 1631, worauf die Gebiete geteilt wurden. Die Obergrafschaft ging an die Grafen von Hohenlohe-Langenburg, die Untergrafschaft an die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen (Schwarzburg-Arnstadt) sowie die Herrschaft Tonna an die Schenken von Tautenburg.

Das heraldisch linke Wappen (Pfalz-Zweibrücken) ist die ausführliche Version des Wappens, das wir am inneren Tordurchgang sehen können. Im einzelnen besteht es aus folgenden Komponenten:

Abb. unten: Blick aus der Richtung des Marktplatzes auf den stadtseitigen Zugang zum Schloß, das hier besprochene Tor im Zentrum:

Kern der Anlage ist eine mittelalterliche Burg, deren Reste noch in der heute sichtbaren Anlage verbaut sind. Ein besonders markantes Element ist der alte staufische Bergfried mit barocker Haube (oben im Bild). 1586 kam Graf Wolfgang II. von Hohenlohe-Langenburg durch Erbteilung in den Besitz von Weikersheim. Die alte Burg genügte beileibe nicht den gehobenen Ansprüchen des Renaissance-Fürsten. Graf Wolfgang, selbst sehr kunstsinnig und durch ausgedehnte Reisen im Bilde, was "man" so baute, ließ die alte Burg im Stile der Renaissance umbauen. Als erstes wurde ein dreieckiges Konzept erstellt, wovon zunächst der Südflügel (im Bilde) 1595-98 mit zweigeschossigem Rittersaal und Schloßkapelle realisiert wurde. Die Architekten sind Beringer und Stegle. Außerdem beginnt man mit dem Bau des Westflügels, der jedoch unvollendet bleibt. Graf Wolfgang hat es nicht geschafft, in die neuen Räume einzuziehen. Blick auf den Südflügel des Schlosses Weikersheim von Südosten:

Literatur:
Siebmachers Wappenbuch
Aschaffenburger Wappenbuch
Schloß Weikersheim in Renaissance und Barock, Geschichte und Geschichten einer Residenz in Hohenlohe, Staatsanzeiger Verlag (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, Mai 2006, ISBN 3-929981-58-0
http://www.weikersheim.de, http://www.weikersheim.de/index2.html
http://www.ferienstrasse-bayern.de/weikersheim.htm
Hohenloher Genealogie:
http://www.gen.heinz-wember.de/hohenlohe/index.html
Sächsische Genealogie:
http://freepages.genealogy.rootsweb.com/~corpusnobiliorum/ascania.html
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
http://www.schloesser-magazin.de/de/objekte/wk/wkth.php
Merten, Klaus: Schlösser in Baden-Württemberg, Residenzen und Landsitze in Schwaben, Franken und am Oberrhein, Verlag Beck, C H, 1987
http://www.schloss-weikersheim.de/
Fischer, Adolf: Geschichte des Hauses Hohenlohe, Hrsg.: Historischer Verein f. Württembergisch-Franken, Hohenloher Druck- u. Verlagshaus, 1991
Gradmann, Wilhelm: Burgen und Schlösser in Hohenlohe, DRW-Verlag /KNO, 1982
Hanker, Werner: Weikersheim - Kleinod an der Tauber, Verlag Geigerdruck, 1992
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 566-567

Schloß, inneres Tor - Hofgarten: heraldische Blumenkübel - Orangerie - Schloß, Rittersaal - Schloß, Treppenturm - Schloß, ehem. Hofstube (sog. Säulenhalle) - Schloß, Ahnentafel in der Säulenhalle - Schloß, Georg-Friedrich-Zimmer - Schloß, Wappen in den Korridoren - Schloßkapelle

Wappen der Wittelsbacher (1): Pfalz
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