Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 252
Weikersheim - ein Traum aus Renaissance und Barock (12)

Wappen an der Orangerie im Schloßpark zu Weikersheim

Am Ende des Schloßparks, als kulissenhafter Abschluß des Gartenparterres im Süden, bevor der Blick in die sanfte Hügellandschaft des Taubertales weiterschweift, steht die Orangerie. Abschluß - nicht so ganz. Denn in der Mitte ist der zweiteilige Bau offen und läßt die Hauptachse des Gartens ins Unendliche weitergehen. 1719-1723 wurde die Orangerie gebaut, 10 Jahre nach Beginn der Gartenanlage. Als Architekt konnte der Bauherr Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim Johann Christian Lüttich gewinnen, der als Baumeister in den Diensten des Fürsten Albrecht Ernst von Öttingen stand. Das lag auch nahe, denn Carl Ludwigs zweite Frau war eine Geborene von Öttingen, der Fürst sein Schwager. Entsprechend verwandt sind auch das Belvedere im Tiergarten von Schrattenhofen, das für den Fürsten von Öttingen gebaut wurde, und die Orangerie in Weikersheim. Beide Bauten schwingen in der Mitte des Gartens in Viertelkreisen nach außen. Auf dem dadurch gebildeten Halbkreis in der Hauptblickachse stand früher das Reiterstandbild des Bauherrn.

Beide Teile der Orangerie sind wappengeschmückt. Der linke (östliche) Teil trägt das Wappen des Bauherrn, Graf Carl Ludwig von Hohenlohe-Weikersheim (1674-1756). Er war der Rangniedere in der Ehe, sein Titel bei Hofe lautete "Illustrissimus", auch "hochgeborener Graf". Das gevierte Wappen der Grafen (1764 gefürstet) von Hohenlohe-Weikersheim mit Herzschild setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

Man beachte, daß die Felder 1 und 3 aus Courtoisie gewendet sind. Die Blickrichtung der Langenberger Löwen ist mal die eines schreitenden Löwen, mal die eines hersehenden schreitenden Löwens (hier). Interessant ist die Positionierung zwischen den schwungvoll wie Wogen nach außen schießenden Giebel-Elementen, deren Richtung der rückwärtsgewandte Blick der beiden den Schild haltenden Löwen folgt.

Am schönsten ist der Blick von der Terrasse über das Gartenparterre bis hin zum "gerahmten Fernblick" am anderen Ende des Schloßparks. Hier wird deutlich, daß die Orangerie neben der Funktion als Überwinterungsort für in Kübeln gezogene frostempfindliche subtropische Gewächse vor allem die Funktion eines "Point de vue" hat. Eine dritte Funktion ist die eines Belvederes, das man bestieg, um von da aus den atemberaubenden Blick über Garten und Landschaft genießen zu können. Und - vergessen wir die ehemals dort aufgestellte Reiterstatue nicht, die 1858 zerstört wurde - diente die Architektur als thriumphaler architektonischer Rahmen der Autapotheose des Bauherrn.

Der rechte (westliche) Teil der Orangerie trägt das Wappen der Gemahlin des Bauherrn, Gräfin Elisabeth Friederike Sophie von Hohenlohe-Weikersheim, geborene Prinzessin von Öttingen-Öttingen (1691-1758). Sie war die ranghöhere Adelige am Grafenhof und wurde respektvoll "Serenissima" tituliert, "durchlauchtigste Fürstin". Die Gräfin legte großen Wert auf diesen feinen Unterschied, sie unterschrieb ihre Briefe sogar mit "Fürstin von Hohenlohe, geborene Fürstin von Öttingen", obwohl das nicht so ganz korrekt war, sie aber wohl über die Heirat mit einem rangniederen Grafen hinwegtröstete. Dieses Faktum mag auch erklären, warum Bauherr und Ausführende akribisch darauf achteten, daß das Öttinger Wappen (Eisenhutfeh in den Farben gold und rot mit blauem Herzschild, alles von einem silbernen Leistenschragen überdeckt. Helmzier ein wachsender goldener Brackenrumpf, rotgezungt, die roten Schlappohren mit einem silbernen Schragen belegt. Helmdecken gold und rot) niemals unterrepräsentiert ist, sondern überall beide Wappen gleichberechtigt nebeneinander erscheinen, sei es auf beiden Teilen der Orangerie, sei es auf den steinernen Blumenkübeln etc. Übrigens - die beiden Schildhalter, Hunde mit dem Schragenkreuz auf den Schlappohren, entsprechen genau der Helmzier der Fürsten von Öttingen (wachsende Bracke).

Zu beiden Seiten wird der Schloßpark von Kastanienalleen begleitet. Das Paar hatte nur eine Tochter, keine Söhne. Dadurch fiel Weikersheim 1756 nach ihnen an die Öhringer Fürsten von Hohenlohe.

Literatur:
Siebmachers Wappenbuch
Aschaffenburger Wappenbuch
Schloß Weikersheim in Renaissance und Barock, Geschichte und Geschichten einer Residenz in Hohenlohe, Staatsanzeiger Verlag (Hrsg.) in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, Mai 2006, ISBN 3-929981-58-0
http://www.weikersheim.de, http://www.weikersheim.de/index2.html
http://www.ferienstrasse-bayern.de/weikersheim.htm
Hohenloher Genealogie: http://www.gen.heinz-wember.de/hohenlohe/index.html
Sächsische Genealogie: http://freepages.genealogy.rootsweb.com/~corpusnobiliorum/ascania.html
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
http://www.schloesser-magazin.de/de/objekte/wk/wkth.php
Merten, Klaus: Schlösser in Baden-Württemberg, Residenzen und Landsitze in Schwaben, Franken und am Oberrhein, Verlag Beck, C H, 1987
Fischer, Adolf: Geschichte des Hauses Hohenlohe, Hrsg.: Historischer Verein f. Württembergisch-Franken, Hohenloher Druck- u. Verlagshaus, 1991
Gradmann, Wilhelm: Burgen und Schlösser in Hohenlohe, DRW-Verlag /KNO, 1982
Hanker, Werner: Weikersheim - Kleinod an der Tauber, Verlag Geigerdruck, 1992

Weikersheim: Alte Münze - Rathaus - Marktbrunnen - Schloß, inneres Tor - Schloß, äußeres Tor - Hofgarten: heraldische Blumenkübel - Orangerie

Die Wappen der Grafen und Fürsten von Oettingen
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