Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 253
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Die Alte Hofhaltung in Bamberg (Teil 1)

Im Nordwesten des Domes befindet sich ein ausgedehnter Baukomplex rings um einen unregelmäßig-polygonalen Hof, nur durch eine schmale Gasse vom Dom getrennt, die Alte Hofhaltung. Auf der anderen Straßenseite liegen die Flügel der Neuen Residenz. Die Alte Hofhaltung ist eine Mischung verschiedener Stilepochen, wobei Spätgotik und Renaissance-Stil vorherrschen. Die Wurzeln des Gebäudes sind uralt. Hier war einst auf dem gleichen Areal eine königliche Pfalz aus dem 10./11. Jh., die an den Bischof von Bamberg übergegangen war. Der alte Saal der Pfalz, Palas, Kanzlei, Andreaskapelle und Katharinenkapelle wurden sogar erst im Jahre 1777 unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim abgerissen. Teile der alten Mauern sind in den neueren Gebäuden verbaut. Reste der Andreaskapelle finden sich noch im schlichten südöstlichen Ende der Anlage. Rechts vom Haupteingang finden wir Reste der Katharinenkapelle, der ehemaligen Pfalzkapelle aus dem 11. Jh., heute profaniert. Was wir heute sehen, stammt aber im wesentlichen aus dem 15. und 16. Jh.

Dieses Wappen von Bischof Heinrich III. von Trockau (1487-1501) ist 1489 datiert und befindet sich am Nordflügel gegenüber der Neuen Residenz. Es ist geviert:

Trockau ist der Stammsitz in der Fränkischen Schweiz und gehört heute zum Ort Pegnitz. Einen gleichen Schild, aber andere Helmzieren haben übrigens die ebenfalls fränkischen Familien von Christanz und von Pferdsfeld. Alle drei sind Stammesverwandte. Sie gehören zu den ältesten fränkischen Ritterfamilien und waren Dienstmannen der Schlüsselfelder. Die Groß von Trockau gehörten zum Ritterkanton Gebirg, zeitweise aber auch zum Ritterkanton Odenwald. Viele Mitglieder der Familie erreichten bedeutende Stellungen im Dienste der Kirche, insbesondere in den Hochstiften Würzburg und Bamberg. In Würzburg gibt es allein zwischen 1587 und 1831 elf Domkapitulare aus den drei stammesverwandten Geschlechtern. Anselm Phil. Friedrich Groß von Trockau war Domkapitular in Würzburg und Domdechant in Eichstätt. Adam Friedrich Groß von Trockau war Propst von St. Burkard in Würzburg und wurde 1821 Bischof von Würzburg nach der Säkularisation. Heinrich Groß von Trockau war 1483 Abt des Klosters Banz, Johann Gottfried Groß von Trockau (geb. 1687) war Weihbischof von Eichstätt. Und natürlich darf der hier besprochene Bischof von Bamberg, Heinrich Groß von Trockau, in der Liste angesehener Kirchenmänner aus dieser Familie nicht fehlen. Abseits geistlicher Würden sollte noch Christoph Adam Groß von Trockau erwähnt werden, Geheimrat und Gesandter der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach. Die anderen beiden Familien des gleichen Stammes, die von Christanz und die von Pferdsfeld, starben schon im 17. Jh. aus. Die Groß von Trockau bewohnen heute immer noch ihren Stammsitz Schloß Trockau in Oberfranken.

Das Wappen des Fürstbischofs ist umgeben von vier weiteren Wappenschilden, Rechts oben (optisch) ist der Schild derer von Lichtenstein. Links oben (optisch) ist der Schild der Groß von Trockau. Unten links (optisch) Ebnet oder Redwitz.

Die Alte Hofhaltung war nicht Residenz; der Bischof residierte im Schloß Geyerswörth. Hier in den Gebäuden der Alten Hofhaltung waren die bischöfliche Verwaltung, Kanzlei, Bibliothek und später auch die Ratsstube untergebracht. Man kann an den heute hier befindlichen Gebäuden zwei Bauphasen ablesen: Die spätgotischen Gebäudetrakte im Nordwesten, Westen und Süden bilden mit ihrem Fachwerk, ihren riesigen Dächern mit unzähligen Gauben einen romantischen Innenhof. Sie haben einen steinernen Unterbau, 1-2 Fachwerk-Obergeschosse mit malerischen geraniengesäumten Laubengängen rings um den Hof und ein ausladendes Dach mit unendlich viel Speicherplatz. Die den Hof umschließenden spätgotischen Fachwerkbauten sind im wesentlichen 1480-1500 entstanden, also unter der Herrschaft der Bischöfe Philipp von Henneberg (1475-1487) und Heinrich III. von Trockau (1487-1501). Die Gebäudeteile im Nordosten und Osten sind während der Renaissance unter Veit von Würtzburg entstanden.

Heute ist in der Alten Hofhaltung das Historische Museum der Stadt untergebracht. Im Innenhof finden im Sommer die Calderon-Festspiele statt.

Ansicht des Innenhofes der Alten Hofhaltung zu Bamberg mit Blick auf die spätgotischen Verwaltungs- und Speichergebäude.

Abb.: Position des besprochenen Wappens am nördlichen Tor

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:

Leopold II. von Egloffstein (1335-1343 )
Friedrich I. von Hohenlohe (1344-1352)
Lupold/Leopold III. von Bebenburg (1353-1363)
Friedrich II. von Truhendingen (1363-1366)
Ludwig von Meißen (1366-1374)
Lamprecht von Brunn (1374-1398)
Albert von Wertheim (1398-1421)
Friedrich III. von Aufseß (1421-1431)
Anton von Rotenhan (1431-1459)
Georg I. von Schaumberg (1459-1475)
Philipp von Henneberg (1475-1487)
Heinrich III. von Trockau (1487-1501)
Veit I. von Pommersfelden (1501-1503)
Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)

Literatur und Quellen:
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbücher.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4

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