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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 256
Bamberg:
Bürgerstadt und Bischofsstadt
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Die Alte Hofhaltung in Bamberg (Teil 4)
Das weitaus schönste Wappen an der Alten Hofhaltung zu Bamberg ist das an der südlichen Rückseite, den dort befindlichen Domherrenhöfen zugewandt. Es ist das Hennebergsche Wappen.

Das Wappen des Bischofs Philipp von Henneberg (1475-1487) zeigt vier Felder, die Felder 1 und 3 sind aus Courtoisie gewendet:
Feld 1 und 4: In Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg. Zugehörige Helmzier ein rundes, goldenes, ringsum pfauenfederbestecktes Schirmbrett, auf dem sich der schwarze Löwe mit der silbernen Schrägrechtsleiste vom Schildbild wiederholt. Helmdecken schwarz-golden.
Feld 2: Colonna: In Rot eine goldgekrönte silberne Säule. Das Säulenwappen ist das des römischen Adelsgeschlechts Colonna, deren Verwandtschaft die Henneberger sich 1467 durch Papst und Kaiser bestätigen ließen. Diese beanspruchte Verwandtschaft bzw. Abstammung ist aber eine reine Erfindung. Die Säule der Colonna findet sich auch im Wappen von Römhild und der Grafschaft Römhild.
Feld 3: Gefürstete Grafschaft Henneberg: In Gold auf grünem Dreiberg eine schwarze Henne mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen. Es handelt sich nicht um das Ursprungswappen der Grafen von Henneberg, das war erst ein Adler, dann als Burggrafen von Würzburg ein geteilter Schild, oben in Gold ein wachsender schwarzer Doppeladler, unten rot-silbern geschacht. Das redende Wappen mit der Henne erscheint um 1300 und ist auch schon in der Züricher Wappenrolle. 1310 wurde die Grafschaft gefürstet.

Detailvergrößerungen
Die Ausrichtung des Löwen ist grundsätzlich rechtsgerichtet. Bei aus zwei Wappenschilden zusammengestellten Kombinationen kann der Löwe im optisch linken Schild aus Courtoisie gewendet werden. In kombinierten Wappen, hauptsächlich gevierten Bischofswappen, begegnen uns mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann das identische Schildbild unverändert in die beiden schräg gegenüberliegenden Felder einbeschrieben werden, beidesmal mit rechtsgerichtetem Löwen und Schrägrechtsleiste. Aus heraldischer Courtoisie kann aber auch der Löwe in Feld 1 gewendet werden, dann wendet natürlich die Schrägrechtsleiste mit, so daß im Ergebnis die beiden Löwen in Feld 1 und 4 beide nach innen gerichtet sind und die beiden Schrägleisten gegenläufig sind. Dieses Wenden ist bezüglich Feld 1 in gevierten Wappen eine korrekte Gestaltungsvariante, Feld 4 dagegen ist invariant. Doch keine Regel ohne Ausnahme, es finden sich nämlich auch historische Beispiele, wo beide Löwen gewendet sind.

Diese Aufnahme zeigt die Einbettung des Wappens in den bauhistorischen Kontext: Es befindet sich über dem Torbogen der südlichen Tordurchfahrt zum Hof, über dem Heck des roten Wagens. Rechterhand die südliche Rückwand der mächtigen gotischen Verwaltungs- und Speichergebäude. Um den kleinen Platz gruppieren sich Domherrenhäuser.

Blick vom Viertel der Domherrenhöfe auf die Westseite der Alten Hofhaltung
Abb.: Position des besprochenen Wappens am westlichen Eingang in die Alte Hofhaltung
Doch das sind nicht die einzigen Wappen des Bischofs Philipp von Henneberg (1475-1487) an der Alten Hofhaltung. Wenn man im Hof stehend den Blick nach oben unter den Dachansatz richtet, findet man jeweils rechts und links an den Hennebergschen Flügeln sein Wappen in gemalter Form auf den Holzbrettern ganz oben über den Galerien unter dem Dach (ohne Abb.)
Abb.: Position der besprochenen Wappen am Henneberg-Flügel
Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:
Leopold II. von Egloffstein (1335-1343 )
Friedrich I. von Hohenlohe (1344-1352)
Lupold/Leopold III. von Bebenburg (1353-1363)
Friedrich II. von Truhendingen (1363-1366)
Ludwig von Meißen (1366-1374)
Lamprecht von Brunn (1374-1398)
Albert von Wertheim (1398-1421)
Friedrich III. von Aufseß (1421-1431)
Anton von Rotenhan (1431-1459)
Georg I. von Schaumberg (1459-1475)
Philipp von
Henneberg (1475-1487)
Heinrich III. von Trockau
(1487-1501)
Veit I. von Pommersfelden (1501-1503)
Georg II. Marschall von Ebnet (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)
Literatur
und Quellen:
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9.
Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Eugen Schöler, Fränkische
Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag
Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbuch.
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Autor: Bernhard Peter, Im Schenkelsberg 8, 56076 Koblenz
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