Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 257
Bamberg: Bürgerstadt und Bischofsstadt

Die Alte Hofhaltung in Bamberg (Teil 5)

Der Haupteingang im Nordosten der Anlage ist die sog. "Schöne Pforte", geprägt vom Stil der Renaissance, erbaut unter Bischof Veit II. von Würtzburg (1561-1577). Die "Schöne Pforte" wurde 1573 von dem Bildhauer Pankraz Wagner fertiggestellt.

Ganz oben findet sich das Wappen des Fürstbischofs Veit von Würtzburg. Hinter dem Wappenschild sind Krummstab und Schwert gekreuzt, die Insignien geistlicher und weltlicher Macht und Gerichtsbarkeit. Der Wappenschild wird bekrönt von einer Kaiserkrone (kaiserliches Hochstift). Die beiden Helmzieren, Hochstift Bamberg und Familie von Würtzburg, stehen zu beiden Seiten des Wappenschildes.

Das Wappen des Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg (1561-1577) ist geviert:

Drei Hermen mit Blumenkörben tragen das Gesims. Über dem eigentlichen Durchlaß befinden sich in der Attika viele Statuen, in der Mitte Maria (Abb. unten), rechts und links Heinrich und Kunigunde, die ein durchaus detailgetreues Modell des Bamberger Domes (Abb. unten) präsentieren.

Bei Heinrich handelt es sich um Heinrich II., letzter Kaiser der Ottonen, genannt „der Heilige“, seit 1002 König des Ostfrankenreichs (Regnum Teutonicorum), 1014-1024 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gest. 13.07.1024. Seine Frau war die ebenfalls abgebildete Kaiserin Kunigunde. Heinrich stabilisierte die Bistümer als Stütze der königlichen Macht. Er gründete 1007 das Bistum Bamberg. Bamberg ist damit ein kaiserliches Hochstift.

Die späteren Stauferkaiser waren Schirmvögte des Hochstiftes Bamberg. Wahrscheinlich wurde das Wappen dem Hochstift unter dem Stauferkaiser Friedrich II um 1235 verliehen, der damalige Bamberger Bischof war Ekbert von Andechs-Meranien. Dies erklärt das Motiv - der Bamberger Löwe geht auf einen staufischen Löwen zurück, von diesem unterschieden durch die silberne Schrägleiste als differenzierendes Zeichen. Der Stifter Heinrich II dagegen gehörte noch zu den ottonischen Kaisern.

Daneben befinden sich weitere Statuen, die Patrone Georg und Petrus, noch weiter außen zwei Bischöfe. An die Attika gelehnt finden wir allegorische Figuren, die die Flüsse Main und Regnitz versinnbildlichen (nicht mehr im Bild).

Ansicht des Innenhofes der Alten Hofhaltung zu Bamberg mit Blick auf die spätgotischen Verwaltungs- und Speichergebäude.

Das Geschlecht derer von Würtzburg ist eines der ältesten in Franken. Bis ins 12. Jh. ist die Tätigkeit im Dienste der Hochstifte von Bamberg und Würzburg urkundlich belegt. Die lückenlose Stammreihe beginnt mit Hans von Würtzburg um 1372. Ihre Besitzungen lagen in den Kantonen Gebirg und Odenwald. Im einzelnen besaßen sie beispielsweise Rothenkirchen, Mitwitz, Burggrub, Haig, Hohlach, Walkershofen, Meckenhausen, Dauenstein, Pressig etc. Die Familie stellte zahllose Persönlichkeiten im Dienste der mainfränkischen Hochstifte, zwischen 1458 und 1808 allein 17 Domkapitulare in Würzburg, Propste, Kustoden, Scholaster, auch einen Domdekan von Würzburg. Die herausragendste Persönlichkeit ist natürlich der hier besprochene Bamberger Fürstbischof. Im 17. Jh. erhielt diese uradlige und seit dem frühesten Mittelalter turnier- und stiftsfähige Familie das Freiherrrendiplom. Im Königreich Bayern hatten sie die erbliche Reichsratwürde inne. Ausgestorben ist die Familie erst 1922.

Abb.: Position des besprochenen Wappens am Tor der Alten Hofhaltung

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Bamberger Fürstbischöfe:

Leopold II. von Egloffstein (1335-1343 )
Friedrich I. von Hohenlohe (1344-1352)
Lupold/Leopold III. von Bebenburg (1353-1363)
Friedrich II. von Truhendingen (1363-1366)
Ludwig von Meißen (1366-1374)
Lamprecht von Brunn (1374-1398)
Albert von Wertheim (1398-1421)
Friedrich III. von Aufseß (1421-1431)
Anton von Rotenhan (1431-1459)
Georg I. von Schaumberg (1459-1475)
Philipp von Henneberg (1475-1487)
Heinrich III. von Trockau (1487-1501)
Veit I. von Pommersfelden (1501-1503)
Georg II. Marschall von Ebneth (1503-1505)
Georg III. Erbschenk von Limburg (1505-1522)
Weigand von Redwitz (1522-1556)
Georg IV. von Rügheim (1556-1561)
Veit II. von Würtzburg (1561-1577)
Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (1577-1580)
Martin von Eyb (1580-1583)
Ernst von Mengersdorf (1583-1591)
Neidhardt von Thüngen (1591-1598)
Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609)

Literatur und Quellen:
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbuch.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4

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