Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 281
Wertheim (Mainfranken) - Teil (1)

Burg zu Wertheim, Wappen über dem Achteckturm:

Hoch über der Altstadt von Wertheim, schon von weitem sichtbar, liegt die Burg, ehemaliger Wohnsitz der Grafen von Wertheim, einem uralten Dynastengeschlecht in Franken. Noch als Ruine ist die Anlage beeindruckend und malerisch, nicht nur weil sie eine der ältesten und größten Steinburgen Süddeutschlands ist, sondern vor allem auch, weil sich die Wehranlagen und Wohngebäude sukzessiv den Hang hinauf aufbauen, um schließlich am höchsten Punkt im alten Bergfried zu gipfeln (erbaut ca.1100 AD, 25.30 m Höhe, 2.30 m Mauerstärke am Fuß). Vom dahinterliegenden Höhenzug ist die Burg durch einen gerundeten gigantischen schluchtförmigen Halsgraben im bloßen Sandsteinfels abgetrennt, über den früher in schwindelnder Höhe eine kleine Brücke führte. Flügelmauern verbanden die Burg mit der Stadt, die sich unter ihrem Schutze als planmäßig angelegte Kaufmanns- und Handwerkersiedlung am Flußufer entwickelte.

Durch eine Pulverexplosion 1619 werden Teile der Burg beschädigt. Zerstört wurde die herrliche Anlage, die vom frühen Mittelalter bis zur Renaissance immer weiter gewachsen war, im Dreißigjährigen Krieg, als im Oktober 1631 die schwedischen Truppen Wertheim besetzten. 1634 schossen kaiserliche Truppen die Burg Wertheim in Trümmer. Schließlich verließen die Schweden Wertheim, besetzten es aber 1647 erneut, im darauffolgenden Jahr, dem letzten Kriegsjahr, beschossen bayerische Truppen erneut die Burg. Seitdem ist sie unbewohnte Ruine, wurde als praktischer Steinbruch benutzt, bis sie im 19. Jh. im Zuge der romantischen Wiederentdeckung alter Burgruinen gesichert und vor dem endgültigen Verfall gerettet wurde. Eigentümer nach den Grafen von Wertheim waren die Häuser Stolberg-Wertheim, Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, seit 1995 die Stadt Wertheim, die die Ruine und den gigantischen Burggraben für kulturelle Veranstaltungen vor großartiger Kulisse und mit noch großartigerem Ausblick nutzt. Seit 1982 wurde die Burgruine mit erheblicher Unterstützung des Landes Baden-Württemberg saniert.

Der Achteckturm mit der "Schnecke" entstand im Jahre 1562. Dieser Treppenturm mit seinem schönem Portal verbindet Palas und Wohnbau miteinander. Damals wurden umfangreiche Umbaumaßnahmen durch Graf Ludwig zu Stolberg-Königstein-Wertheim und Rochefort (gest. 24.8.1574) vorgenommen. Er war der letzte Stolberg-Königsteiner, ehe mit seiner Tochter Anna, vermählte Gräfin Löwenstein, die Herrschaft Wertheim an das Haus Löwenstein überging, nachdem seine andere Tochter Verzicht geleistet hatte. Portal und Turm sind im Stile der Renaissance gehalten.

Das Wappen ist ein Allianzwappen von Stolberg-Wertheim und Wied-Runkel. Unter dem Wappen auf dem Sturz ist die Jahreszahl 1562 eingeschlagen sowie ein schönes Renaissance-Steinmetzzeichen. Als Stammvater der Grafen von Wertheim gilt Poppo I (gest. ca. 1212). Als Katharina von Wertheim den Grafen von Stolberg heiratete und ihr Bruder, der letzte Graf von Wertheim, Michael III, kinderlos 1556 verstarb, kam Wertheim an das Haus Stolberg.

Gesamtansicht des Portals am Treppenturm:

Literatur:
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
Siebmachers Wappenbuch, A 1,3 3A Fürsten. Die Fürsten des Heiligen Römischen Reiches, 1. Band, 3. Abteilung, 3. Reihe A.
Siebmachers Wappenbuch, M 1.3.1 Fürsten. Die mediatisierten Fürstengeschlechter in Deutschland, 1. Band, 3. Abteilung, Hoher Adel I
http://www.zuwied.de/heraldik.htm
http://www.wertheim.de/stadtinfo/bilder/wertheim.html
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 581-582

Burg, Treppenturm - Detail: Stolberg-Königstein-Wertheim - Detail: Wied-Runkel - ehem. Hofhaltung - Grafschaftsmuseum - Stiftskirche - Kilianskapelle

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