Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 282
Wertheim (Mainfranken) - Teil (2)

Burg zu Wertheim, Wappen über dem Achteckturm
Detail: Wappen der Grafen von Stolberg-Königstein-Wertheim:

Wappen der Grafen von Stolberg-Königstein-Wertheim:

Die drei Helme zeigen:

Burg zu Wertheim. Stadtseitiger Torbau.

Die Entwicklung des Stolberger Wappens
Die Grafen von Stolberg sind ein uraltes gräfliches Geschlecht aus dem Harz, welches in einer Linie 1742 den Reichsfürstenrang erreichte, welche aber wieder erloschen ist. In anderen Linien hingegen blüht die Familie fort. 1548 teilte sich das Haus Stolberg auf in eine rheinische Linie und eine Harzer Linie. Die rheinische Linie erlosch 1631. Die Harzer Linie teilte sich 1645 in die beiden Hauptlinien zu Wernigerode und zu Stolberg, von denen weitere Linien abzweigten: Es gab die Linien Stolberg-Gedern (nach Gedern bei Büdingen, ab 1677 zu Gedern, 1742 Reichsfürsten, 1804 ausgestorben und von Stolberg-Wernigerode beerbt), Stolberg-Ortenberg (Grafen und Fürsten, nach Ortenberg bei Büdingen, 1806 in Hessen-Darmstadt mediatisiert), Stolberg-Rossla (Grafen und Fürsten, nach Rossla bei Sangershausen benannt, 1706 von der Linie zu Stolberg abgezweigt), Stolberg-Stolberg (Grafen, 1645 abgezweigt) und Stolberg-Wernigerode (Grafen, 1645 entstanden durch Teilung der Harzer Linie).

1. Wappen: Stammwappen Stolberg:

2. Wappen: Wernigerode kommt ins Wappen:
Das Geschlecht der Grafen von Wernigerode gehörte zu den ältesten im Harz. Schon 1121 wird es erwähnt, als die Grafen ihren Sitz von Haymar/Haimar bei Hildesheim auf die Burg Wernigerode an einer wichtigen Straßenkreuzung im Harz verlegten. Die Grafen hatten neben ihren Grafschaftsrechten auch die Verwaltung des Reichsforstes im Nordostharz inne. 1343 erlangten sie die Grafschaftsrechte um Wernigerode von den Grafen von Regenstein. Weiterhin hatten sie die Vogteirechte der Klöster Ilsenburg und Drübeck inne. Lehnsherr von Wernigerode war ab 1268 der Markgraf von Brandenburg, ab 1381 das Erzstift Magdeburg, 1449 wieder Brandenburg. Mit dem Tode des kinderlosen Grafen Heinrich von Wernigerode am 3. Juni 1429 erlosch das Grafengeschlecht. Wernigerode kam durch Erbverbrüderung zwischen beiden Häusern (Erbvertrag) in den Besitz der Grafen zu Stolberg. Graf Botho wird dadurch "Graf und Herr zu Stolberg und Wernigerode". Stolberger und Wernigeroder Wappen wurden damals vereinigt. Nach Anfall der Grafschaft Wernigerode in der Mitte des 15. Jh. führen die Grafen von Stolberg ihr Wappen geviert:

Helmzier:

Bereits Albrecht Georg (1519-1587) und dessen direkte Vorfahren im Jahre 1431 führten den Schild geviert von Stolberg und Wernigerode, und darauf den Stammhelm. Graf Christoph zu Stolberg, Dompropst zu Halberstadt (1523-1581) führte dazu als Herzschild das Wappen der Dompropstei Halberstadt, in Blau einen goldenen Adler.

Keine Wernigeroder Helmzier?
Die alte Helmzier der Grafen von Wernigerode war übrigens eine rote Forelle balkenweise vor einem grünen (natürlichen) Pfauenstoß, bzw. nach einer anderen Darstellung eine rote Forelle balkenweise vor einem mit einem grünen (natürlichen) Pfauenstoß besetzten hohen Hut oder Schaft. Decken rot-silbern. Diese Helmzier wurde erstaunlicherweise nicht mit in das Stolbergsche Wappen aufgenommen. Grünenberg bildet eine Version mit zwei Helmen ab, von denen der zweite zwar Wernigerode repräsentieren soll, aber unrichtig ist:

Zwei Helme (nach Grünenberg, Wappencodex Tafel 24 Nr. 3):

Besondere Varianten
Daneben wurden noch Sonderformen des Stolbergschen Wappens überliefert:

3. Wappen vom 17.5.1548: Königstein kommt ins Wappen
Die Grafen von Königstein starben 1535 aus. Die Grafen von Stolberg waren an der Königsteiner Erbschaft beteiligt, was sich durch folgende Genealogie ergab: 1418 kamen die Herren von Eppstein an Königstein (Erbschaft von den Falkensteinern). 1433 hatten sich die Herren von Eppstein in die Linien Eppstein-Münzenberg und Eppstein Königstein aufgespalten. 1505 wurde ihnen der Grafentitel zugestanden. Die Herren von Eppstein-Münzenberg waren schon 1522 mit Gottfried XII im Mannesstamm ausgestorben. Das Geschlecht der Grafen von Eppstein-Königstein erlosch 1535. Das Erbe fiel an Stolberg und 1581 an Mainz, andere Teile an Hessen.

Über das neue, vermehrte Wappen erhielten die Grafen von Stolberg am 17.5.1548 in Augsburg einen bestätigenden Wappenbrief. Das Wappen ist aus sechs Feldern aufgebaut, der Schild ist geteilt und zweimal gespalten.

Dazu werden drei Helme geführt:

Variante
Eine leicht andere Anordnung der Felder bei ansonsten identischen Inhalten zeigt das Wappen auf einem Siegel von Graf Heinrich zu Stolberg, Königstein, Rutzfort (=Rochefort), Wernigerode, Herr zu Epstein, Müntzenberg, Breuberg und Agimont (1509-1572):

Die drei Helme zeigen die gleichen Kleinode wie oben beschrieben.

4. Wappen der Grafen von Stolberg-Königstein-Wertheim
Graf Ludwig v. Stolberg führte in der zweiten Hälfte des 16. Jh. ein etwas abweichendes Wappen, das die Grafschaft Wertheim, die er erworben hatte, mit repräsentiert. 1556 stirbt das Grafengeschlecht von Wertheim aus. Ihm folgt Ludwig Graf zu Stolberg-Königstein, der seinerseits nur wenige Jahre später, nämlich 1598, von einem seiner Schwiegersöhne, Graf Ludwig von Löwenstein, abgelöst wird. Das Feld Wertheim war also nicht bleibend im Stolberger Wappen. Wappen nach Erwerb der Grafschaft Wertheim:

Bei Spener ist der Stolberger Hirsch als Feld 5 abgebildet, bei Siebmacher als echter Herzschild. An der Burg zu Wertheim ist es ebenfalls ein echter Herzschild, so daß die historische Evidenz den Herzschild belegt.

Die drei Helme zeigen:

5. Wappen nach dem Erwerb von Hohnstein:
Das Wappen wird gespalten, vorne das Wappen Stolberg-Königstein von 1548, also wieder ohne Wertheim, hinten das Wappen Hohnstein. Heraldisch korrekt ist folglich eine mittige Spaltung. Um das Erbe der Grafen von Hohnstein wurde lange zwischen den Häusern Stolberg und Schwarzburg gestritten. Ergebnis war eine salomonische Lösung von Kaiser Rudolf II aus dem Jahr 1597, in der er beiden Häusern das Hohnsteinsche Wappen zubilligte. Deshalb finden wir die gleichen Elemente im schwarzburgischen Wappen wieder (siehe dort). Korrekter Aufbau wäre:

Gespalten:

Dazu werden drei Helme geführt:

Der Helm Klettenberg ist nicht vertreten, auch nicht in einer Kombination, er besäße ein Hirschgeweih, schwarz, silbern oder schwarz-silbern, und schwarz-silberne Decken.

Das Diplom vom 18.4.1597 und die erste Verzerrung:
Tatsächlich wird der heraldisch logische und korrekte Aufbau im Wappen von 1597 verzerrt: Bei der Kombination verschieben sich in der vorderen Hälfte die Proportionen bei den üblichen Darstellungen, so daß die Teilung des Schildes im oberen Drittel stattfindet und die zugrundeliegende Geometrie ein zwölffeldriger Schild ist, dessen Felder 4, 7 und 10 zu einem hochrechteckigen Feld vereinigt werden, in dem die Wernigeroder Fische zu liegen kommen. Desgleichen werden die Plätze 8 und 11 für Münzenberg und die Plätze 9 und 12 für Agimont genommen. Wernigerode, Münzenberg und Agimont werden also auf Kosten der übrigen Felder auf unheraldische Weise vergrößert. Aufbau nach dem Diplom von 1597:

Gespalten:

Dazu werden drei Helme geführt:

Auch diese Anordnung ist heraldisch unlogisch und fragwürdig, denn dem Stammhelm Stolberg gebührt eigentlich der Ehrenplatz in der Mitte, wie er ihn auch bislang innehatte, und es gibt überhaupt keinen heraldischen oder logischen Grund, warum er jetzt dem Kombinationshelm Eppstein-Hohnstein weichen muß und an den rechten Rand auf die zweite Position gedrängt wird. Dabei war Hohnstein übrigens nie in faktischem Besitz der Grafen von Stolberg.

Vielfach wird das Wappen aber noch weiter verzerrt dargestellt, mit einer Spaltlinie im linken Drittel oder so. Deshalb wird das Wappen auch als auf 4 Spaltungen zu fünf Pfählen beruhend beschrieben, wie im folgenden erläutert wird.

6. Wappen, Diplom vom 18.2.1742, Fürsten zu Stolberg-Gedern, weitere Verschiebung der Platzaufteilung und zweite Verzerrung:
Der Wappenschild entspricht dem Diplom von 1597 mit entsprechender Verschiebung der Feldgrenzen wie im folgenden beschrieben, wodurch die heraldischen Fehler zementiert und weiter verschlimmert wurden, Wegfall der Helme, Schildhalter zwei goldene Löwen, Wappenmantel und Fürstenhut.

Daraus hat sich im Laufe der Zeit folgende, heraldisch und logisch unrichtige Beschreibungsweise entwickelt, die nicht der historischen Entwicklung Rechnung trägt, sondern der Verschiebung der Proportionen durch graphische Bedürfnisse:

Viermal gespalten zu fünf Pfählen:

Die Elemente der Stolbergschen "Hälfte" werden also verbreitert, hinten wird das Hohnsteinsche Wappen zusammengequetscht. Diese Betrachtungsweise, egal ob darstellerisch oder beschreibend, illustriert den Verlust des Verständnisses der Herkunft der einzelnen Bestandteile und der einem Wappen innewohnenden Logik. Eigentlich ist diese Aufteilung heraldisch unbillig. Korrekter ist der Aufbau gemäß der Logik in der allerersten Beschreibung. Man findet jedoch meist Darstellungen, die der zweiten Beschreibung entsprechen.

Dieser Wappenschild wird später von den gräflichen Linien mit rotem, hermelingefütterten Wappenmantel geführt. Im Grunde war dieses Diplom von 1742 die Quelle allen Übels, denn die gräflichen Linien ahmten nun diese unbillige Felderaufteilung nach (s.o.), obwohl sie streng genommen die korrektere Aufteilung nach dem Diplom von 1597 führen müßten, denn nur der fürstlichen Linie war die verzerrte Aufteilung verliehen worden. Schlimm genug, aber nun verließen auch die gräflichen Linien das Konzept der mittigen Spaltung.

Diese Aufteilung wird aber nicht erst seit 1742 benutzt, wie das Beispiel von 1735/36 an der Rentkammer Wächtersbach belegt. Vielmehr trägt das Diplom einer bereits stattgefundenen Entwicklung Rechnung.

Seitens der Linie Wernigerode wurde übrigens das im Reichsgrafendiplom 1597 verliehene, heraldisch richtigere Wappen durch gräflichen Erlaß aus dem Jahre 1875 restituiert!

Literatur:
Werner Dettelbacher, Franken, DuMont Kunstreiseführer, 9. Auflage Köln 1980, ISBN 3-7701-0746-2
Eugen Schöler, Fränkische Wappen erzählen Geschichte und Geschichten. Verlag Degener 1992.
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Aschaffenburger Wappenbuch.
http://www.zuwied.de/heraldik.htm
http://www.wertheim.de/stadtinfo/bilder/wertheim.html
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere die Bände Grafen und Hoher Adel (Fürsten)
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1

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