Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 300
Mainz - Erzbischöfe, Kurfürsten, Adelspaläste

Der Alte Dalberger Hof in Mainz

Der Alte Dalberger Hof
Der alte Dalberger Hof am Ballplatz 1-3 ist nicht zu verwechseln mit dem jüngeren Dalberger Hof in der Klarastraße aus dem Barock. Beim alten Dalberger Hof, auch Königsteiner Hof genannt, handelt es sich im wesentlichen um ein Anwesen aus der Renaissance und dem Barock. Im Kern handelt es sich um ein sehr altes Gebäude (Hof zum Roten Haus), sogar ein Wohnturm aus der Zeit von 1462-1466 (errichtet von den Herren von Königstein-Eppstein, daher auch der Name des Hofes) mit gotischer Kapelle ist in die Anlage integriert. Im 17. und 18. Jh. wurde das Anwesen ausgebaut. Das Hauptgebäude stammt im wesentlichen von 1609-1614 AD und ist im Stil der Renaissance gehalten. Im 18. Jh. wurde es um ein Stockwerk aufgestockt. Das prächtig geschmückte barocke Portal trägt das Datum 1710. Ein Augenschmaus ist der zweistöckige Eck-Erker, der vom Typus her häufiger in Mainz anzutreffen ist.

1597 kam der Hof in den Besitz der Familie von Dalberg. Bis 1718 wurde der Hof von der Familie der Freiherren von Dalberg bewohnt. Danach siedelten sie in den Neubau an der Klarastraße um, einem wesentlich repräsentativeren und größeren Palais. Heute beherbergt der Alte Dalberger Hof das Institut Beatae Mariae Virginis, das Maria Ward Gymnasium der Englischen Fräulein. Sie beziehen diesen Hof 1846 (vollständiger Erwerb 1881). Die reine Mädchen-Schule wird von Maria Ward Schwestern geleitet.

Hauptportal des Alten Dalberger Hofes
Über der Tordurchfahrt ist ein riesiger Wappenstein mit einem Allianzwappen, gehalten von zwei gerüsteten Kriegern als Schildhaltern:

Das heraldisch rechte Wappen ist das der Freiherren von Dalberg, genauer das der Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg (Dahlberg). Geviert. Feld 1 und 4: Unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien (Kämmerer von Worms). Feld 2 und 3: In Gold ein schwarzes Ankerkreuz (Dalberg).

Die dazugehörigen Helmzieren wären: 1/4: Ein wie der Schild bez. Flug. 2/3: Ein goldener Flug, belegt mit jeweils einem schwarzen Ankerkreuz. Die dazugehörigen Helmdecken wären schwarz- gold und blau-gold. Aber das wird hier alles entbehrt.

Über das Geschlecht derer von Dalberg siehe die Ausführungen beim neuen Dalberger Hof zu Mainz.

Das heraldisch linke Wappen mit dem Lilienkreuz (Glevenkreuz) ist das Ward-Wappen, welches an der Wand der Tordurchfahrt wiederholt wird.

Innere Tordurchfahrt des Alten Dalberger Hofes
Dieses Wappen hat nichts mit den Dalbergs zu tun. Es ist auch fehlerhaft restauriert worden: Alles, was glänzen soll, wurde golden gestrichen. Dabei ist das Mainzer Rad in Feld 1 und 4 silbern, der Wormser Schlüssel in Feld 2 muß silbern sein, der Hintergrund des roten Drachens derer von Breidbach in Feld 3 muß silbern sein, am Hermelinstulp des Kurhutes hat Gold auch nichts verloren - aber eine zweite Farbdose zu öffnen war hier wohl zuviel verlangt.

Wappen des Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774): Geviert:

Warum dieses Wappen hier? 1752 kommen die ersten "Englischen Fräulein" (Fräulein M. Aloysia Hauck und Schwester Magdalena Schwarz) aus Fulda in Mainz an und ziehen in das Haus der Schulgründerin bei der Liebfrauenkirche. 1758 vermacht Peter Schick sein Haus der Schule. Der Kurfürst von Ostein reagiert auf eine Beschwerde der Welschnonnen, die eine Konkurrenzschule unterhalten, mit Ausweisung der Maria-Ward-Schwestern. Erst 1763/64 können sie unter dem neuen Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774) zurückkehren. Ihm verdanken sie also, daß sie wieder in Mainz tätig sein können. Deshalb ist sein Wappen hier angebracht.

Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774)
geb. 1707 in Koblenz
5.7.1763 Wahl zum Mainzer Erzbischof und Kurfürsten, wurde einer der wichtigsten Reformer auf dem Bischofsthron
13.11.1763 Bischofsweihe
1768 Bischof von Worms
1771 Eröffnung einer Lehrerakademie, Schulreform
1773 Aufhebung des Jesuitenordens, Vertreibung der Jesuiten aus Mainz, Durchbruch aufklärerischen Gedankenguts, Neuorganisation der Universität in Mainz
gest. 11.06.1774 in Mainz

Ward-Wappen in der Torwegspassage

Literatur:
Baedeker: Mainz, Karl Baedeker-Verlag, 2004. ISBN 3-87954-074-8
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
http://www.mws-mainz.de/dieschule/index.html
http://www.swr.de/fmh/archiv/2006/12/12/print.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Dalberger_Hof#J.C3.BCngerer_Dalberger_Hof
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4

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