Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 304
Mainz - Erzbischöfe, Kurfürsten, Adelspaläste

Der Schönborner Hof in Mainz

Der Schönborner Hof, seine Bewohner und sein Erbauer
Der Schönborner Hof reiht sich in die Abfolge edler Adelssitze in der Schillerstraße. Es handelt sich um den Familiensitz der Familie von Schönborn, die mit Johann Philipp von Schönborn (1647-1673) und Lothar Franz von Schönborn (1695-1729) gleich zwei Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten stellten. Es ist stilistisch eines der älteren Palais, der Stil ist Spätrenaissance, Baumeister ist Clemens Hinck. Man beachte die Ähnlichkeit der Fassaden von diesem Palais und dem "Römischen Kaiser" am Liebfrauenplatz, der Einfluß dieses Gebäudes auf den Schönborner Hof ist nicht zu übersehen.

Die Dreiflügelanlage wurde 1668-1670 für Philipp Erwein von Schönborn zu Freienfels-Eschbach (1607-1668) erbaut, Sohn von Friedrich Georg von Schönborn (gest. 1640) und Maria Barbara von der Leyen. Er war der Bruder des Kurfürsten Johann Philipp von Schönborn (1647-1673) und der Vater des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn (1695-1729). Mit ihm begann der beispiellose Aufstieg der Schönborns zu einer der wirtschaftlich erfolgreichsten und als Kunstmäzene wichtigsten Familien in Süddeutschland. Philipp Erwein von Schönborn war mainzischer Oberamtmann zu Steinheim, Erbschenk des Hochstiftes Mainz, kurmainzischer Geheimrat, Erbtruchseß des Hochstifts Würzburg. Aber nicht nur in kirchlichen Ämtern war er erfolgreich, sondern ihm und seinen Nachkommen wurde vom Kaiser den Titel des Panierherren verliehen, ferner wurde die Familie unter ihm reichsfrei. Philipp Erwein von Schönborn erwarb wichtige Familiengüter wie Gaibach (1650) und Heusenstamm (1661 zu Lehen), in beiden Orten entstanden Schönborn-Schlösser. Weitere Zukäufe vergrößerten den schnell wachsenden Grundbesitz und bildeten eine solide wirtschaftliche Basis für den wirtschaftlichen Erfolg der Familie.

Heute ist der Bauplatz durch die unmittelbare Nachbarschaft des brutal-wuchtigen Proviantmagazins von 1865 entstellt. Der Hof wurde nachträglich umgebaut, erst 1706, dann 1773 und 1798, zuletzt im 19. Jh. Zum Schönborner Hof gehörten einst ausgedehnte Gartenanlagen im Stile der Renaissance, die sich hinter dem Palais den Hang hochzogen, von denen aber als letzter Überrest nur eine Brunnenanlage ausgegraben wurde. Prinz-Karl-Kaserne und Proviantmagazin haben die Herrlichkeit im 19. Jh. zunichte gemacht.

Im Giebel das Stammwappen der Schönborns: In Rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender goldener Löwe mit blauer Krone.

Das Wappen wiederholt sich über der Tür:

und über einem Fenstersturz:

Beim letzten Umbau wurde dem Schönborner Hof ein weiteres Geschoß aufgesetzt, wodurch die charakteristischen Stufengiebel mit Rollwerk der Renaissance verlorengingen. Nach den Zerstörungen im WK II wurde diese Verunstaltung beseitigt und der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt. Heute ist hier in der Schillerstraße 9 das Ministerium des Inneren und für Sport untergebracht, weiterhin wird der Bau vom Institut Francais genutzt.

Literatur:
Baedeker: Mainz, Karl Baedeker-Verlag, 2004. ISBN 3-87954-074-8
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Siebmachers Wappenbuch.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6nborner_Hof_(Mainz)
http://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Erwein_von_Sch%C3%B6nborn

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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