Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 305
Mainz - Erzbischöfe, Kurfürsten, Adelspaläste

Die Zitadelle in Mainz, Peterstor

Die Mainzer Zitadelle liegt am südwestlichen Rand der heutigen Altstadt auf dem Jakobsberg. Das barocke Peterstor ist der Zugang zur Mainzer Zitadelle direkt unter dem Kommandantenhaus, welches wie ein Adelspalais errichtet und 1696 fertiggestellt wurde. Das Tor wird flankiert von zwei mächtigen Bastionen zu beiden Seiten, seiner Bedeutung als Eingang zur Kernfestung angemessen. Wuchtige vorkragende Quader aus rotem Sandstein vermitteln den Eindruck von Kraft und Stärke. Architekt des Peterstores ist der italienische Barockbaumeister Petrini, der in Würzburger Diensten stand. Würzburger Dienste? Nicht zu vergessen, daß der Bauherr Johann Philipp von Schönborn (1647 bis 1673) Fürstbischof sowohl von Mainz als auch von Würzburg war. Somit liegt die Verpflichtung eines Würzburger Baumeisters nahe. Über dem Tor, quasi mit der Zitadellenmauer verwachsen, liegt das spätere Kommandantenhaus, zwei seitliche Flügel und in der Mitte zurückspringend der mittlere Flügel, drei Stockwerke hoch, geschickt eingebunden in die Gesamtarchitektur.

Schon früher war dieser strategisch wichtige Hügel außerhalb der Stadtmauern befestigt worden, allerdings waren die Anlagen in der Mitte des 17. Jh. nicht mehr auf dem Stand der Technik, vor allem aber verfallen und nicht mehr stark genug. Um 1655 sorgte Kurfürst Johann Philipp von Schönborn nach dem Abzug der Franzosen für die Umwallung der gesamten Stadt mit Bastionen neuester Technik. Dabei wurde die alte Schweickhardtsburg (nach dem Kurfürsten Schweikhardt von Cronberg) von 1655 bis 1662 zur barocken Zitadelle in der heutigen Form ausgebaut. Danach war sie ein riesiges Viereck mit Spitzbastionen an jeder Ecke. Vor allem wurde sie im Gegensatz zu ihrem Vorgänger in Stein ausgeführt. Danach wurden steinerne Bastionen rings um die ganze Stadt gelegt, die Zitadelle einschließend, welche später noch durch Zwischenwerke und noch später durch weitere Außenforts ergänzt wurden.

Das Tor mit 20 m tiefer Torhalle wurde unter Johann Philipp von Schönborn (1647 bis 1673 in Mainz) errichtet, der Kommandantenbau erst unter seinem Namensvetter Lothar Franz von Schönborn (1694-1729 in Mainz) im Jahre 1696 vollendet. Das Peterstor wurde außen durch eine Zugbrücke über den jetzt aufgeschütteten Wallgraben und innen durch ein Tor verschlossen. Innerhalb befanden sich zur Verteidigung noch zwei zusätzliche Falltore, die ihre Funktion verloren, als der Kommandantenbau darüber errichtet wurde. Der Torweg ist geknickt, damit Kanonen nicht gerade hindurch feuern konnten.

Das Wappen ist das des Fürstbischofs Johann Philipp von Schönborn (1647-1673 in Mainz). Es wird von zwei Löwen gehalten. Johann Philipp war zugleich Fürstbischof von Würzburg (schon seit 1642) und Erzbischof von Mainz und führt sowohl das Mainzer Rad im Wappen, daher in Rot das silberne sechsspeichige Rad (Feld 1 und 4), als auch die Symbole Würzburgs. Später ab 1663 führte er auch den Wormser Schlüssel, der hier aber noch nicht bei dem relativ früh in seiner Amtszeit entstandenen Wappen auftaucht. Der Fränkische Rechen (von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt) in Feld 2 steht bei allen Fürstbischöfen Würzburgs für den Titel des Herzogs zu Franken. Die rot-silbern gevierte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft in Blau ist das alte Lehens-Banner für das Hochstift Würzburg. Hier ist sie in Feld 3 repräsentiert. Auch dieses Symbol ist in allen Wappen der Fürstbischöfe zu finden. Das Schönbornsche Stammwappen ist im Herzschild zu finden, in Rot auf drei silbernen Spitzen schreitend ein goldener bekrönter Löwe. Unter dem Wappen die Jahreszahl 1660, darunter eine Steinfratze.

Auf dem Torgiebel erinnert eine Figur des hl. Jakobus an das um 1050 errichtete Benediktinerkloster St. Jakob, das einst auf dem Gelände der Zitadelle stand. Heute sind in den kasernenartigen Gebäuden der Zitadelle viele Ämter der Stadt Mainz untergebracht.

Literatur:
Baedeker: Mainz, Karl Baedeker-Verlag, 2004. ISBN 3-87954-074-8
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Siebmachers Wappenbücher
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
http://www.festung-mainz.de, http://www.festung-mainz.de/zitadelle/rundgang/kommandantenbau.html

Die Wappen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
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Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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