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Bernhard
Peter
Galerie:
Photos schöner alter Wappen Nr. 308
Mainz -
Erzbischöfe, Kurfürsten, Adelspaläste
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Das
Schloß in Mainz - Teil (1)
Baugeschichte
Ganz früher residierten die Mainzer Erzbischöfe in der Nähe des Domes. So ist dort noch eine Privatkapelle von ca. 1137 zu sehen. Die nachfolgende Residenz der Erzbischöfe war die Martinsburg direkt am Rheinufer, von Erzbischof Diether von Isenburg angelegt, 1478-1481 während seiner zweiten Regierungszeit (er war in der Tat einer der wenigen Erzbischöfe, die nicht durch Tod aus dem Amt schieden, wenigstens nicht beim ersten Mal) erbaut. Der Bau einer Burg war Teil einer Abmachung zwischen ihm, der Stadt und dem Domkapitel im Vorfeld seiner Wiederwahl. Die Martinsburg wurde nach Schäden 1552 im Stile der Renaissance restauriert und später noch erweitert. Erst 1807-1809 wurde die Martinsburg mit Erweiterungsbauten unter Napoléon Bonaparte während der französischen Besetzung der Stadt (1798 - 1814) abgerissen.
Soweit zum Vorgängerbau, der durchaus noch parallel genutzt wurde. Weiterhin stand den Mainzer Erzbischöfen noch eine weitere Residenz zur Verfügung, nämlich das Schloß zu Aschaffenburg, welches auch ausgiebig genutzt wurde. Also ganz obdachlos waren die Erzbischöfe nicht, während anderthalb Jahrhunderte an dem neuen Mainzer Schloß gebaut wurde.

Die Funktion der Martinsburg sollte das neue Schloß im Stile der Renaissance übernehmen. Das neue Schloß von Mainz, so harmonisch es auch heute sich dem Auge des Betrachters präsentiert, war aber in der Tat eine echte Schwergeburt:
Rheinflügel: Die ältesten Teile des Schlosses sind am Rheinflügel die acht südlichen Achsen. Sie wurden 1627 begonnen, im dreißigjährigen Krieg (hatte man keine anderen Sorgen?), Bauherr ist der Erzbischof Georg Friedrich von Greiffenclau (1626-1629). Er erlebte aber die Fertigstellung nicht mehr. Danach gab es eine größere Lücke: Sein Nachfolger, Anselm Casimir Wambolt von Umstadt (1629-1647), konnte den Bau auch nicht vollenden, vielmehr mußte er das halbfertige Gebäude zurücklassen und 1631 vor den Schweden im 30jährigen Krieg fliehen. Desgleichen kam man weder unter Johann Philipp von Schönborn (1647-1673) noch unter Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid (1673-1675) zu einem Ende. Erst unter Damian Hartard von der Leyen (1675-1678) konnte für diesen Teil 1678 Richtfest gefeiert werden. Nun wird der Bau nach Norden um weitere acht Achsen verlängert. Marmorne Portale werden dem Bau aus rotem Sandstein vorgesetzt.

Nordflügel: Der rechtwinklig angebaute Nordflügel wird danach unter Anselm Franz von Ingelheim (1679-1695) in den Jahren 1687/88 in Angriff genommen. Doch wieder kommt es zu einer unfreiwilligen Unterbrechung der Bauarbeiten, und die Kurfürsten (zwei weitere folgten in der Zwischenzeit auf den Erzbischofsthron) konnten ihren Repräsentationsbau immer noch nicht wie geplant vollenden. Denn 1688 besetzten die Franzosen Mainz (Pfälzischer Erbfolgekrieg), und man hatte andere Sorgen.
Nach fünf (!) weiteren Kurfürsten konnte endlich der letzte von ihnen, Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802), den Bau auch innen vollenden. Sein Vorgänger Johann Friedrich Karl von Ostein (1743-1763) vollendete den Außenbau des Nordflügels in den Jahren 1750-1752. Der Entwurf stammt von Anselm Franz Freiherr von Ritter zu Grünstein. Nach 1752 erfolgte die Innenausstattung, 1775/76 erst wird der große Akademiesaal im Nordflügel eingebaut.
Unfaßbar: Ab Grundsteinlegung waren runde 150 Jahre vergangen, 13 Kurfürsten hatten daran gebaut. Was würden wir erwarten? Ein Poutpourri aus Stilen und Modeerscheinungen, ein riesiges Mischmasch in der Architektur? Nichts dergleichen. Und das ist das eigentliche Faszinierende an diesem Schloß: Die lange Bauzeit, die ständig wechselnden Bauherren, die politischen und militärischen Wirren, all das ist ohne Einfluß auf die Formen geblieben, das Schloß ist eine klare Einheit und ist im Sinne und Stile der Renaissance bis zuletzt zu Ende gebaut worden und wirkt daher wie aus einem Guß, selbst als die Stadt außenherum mit Eifer barockisiert wurde und die Architektur mit der Zeit ging. Einziger Tribut an die schleppende Baugeschichte: Es kann nur gemutmaßt werden, daß ursprünglich wie in Aschaffenburg eine Vierflügelanlage entstehen sollte, wovon letztendlich nur zwei unterschiedlicher Länge realisiert wurden. Das tut der Schönheit der vorhandenen Flügel aber keinen Abbruch. Und gut, ab und zu mal eine Kartusche am Nordflügel, die Rocaille-Formen hat.

Doch warum die lange Bauzeit? Es waren nicht nur die militärischen und politischen Wirren. Zum einen war man eigentlich mit Residenzkapazität versorgt, man hatte die Martinsburg, von der man sich nicht radikal durch Abriß trennen wollte, man hatte Aschaffenburg. Zusätzlich investierte man Anstrengung und Ressourcen in die Ausstattung der Stadt mit repräsentativen Adelshöfen und freute sich an neuen Palais im Stile der Zeit. Und last but not least baute der Kurfürst ab ca. 1700 Schloß Favorite vor der Stadt gegenüber der Mainmündung (1793 bei der Belagerung durch die preußische Armee zerstört).

Lange konnte sich Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802) nicht an seinem fertigen Schloß erfreuen: Nur ein Vierteljahrhundert später schon werden die Kurfürsten vertrieben, der Kurstaat säkularisiert, und der schöne dreigeschossige Bau aus rotem Sandstein wird geplündert und als Kaserne, als Lazarett und als Lagerhalle genutzt. 1792 tagte hier der Jakobinerklub während der Mainzer Republik. 1903-1925 wurde das Schloß restauriert, wurde im WK II schwer beschädigt und brannte 1942 aus, wurde 1948-50 im Äußeren originalgetreu, im Inneren zweckmäßig wiederhergestellt. Heute sind hier Teile des Römisch-Germanischen Zentralmuseums untergebracht, einige wiederhergestellte Säle dienen repräsentativen Anlässen.
Das Schloß ist außen überreich mit heraldischen Symbolen ausgestattet. Zum einen haben wir die klassischen farbig gefaßten Wappenschilde, in Giebeln, über Portalen, an Balkongeländern etc. Zum andern haben wir wie in Aschaffenburg in den plastischen Bauschmuck eingearbeitete Motive, an Sockeln, über Fenstern, in Kartuschen. Dabei geht der Charakter des Wappens als solches zugunsten des Ornaments verloren; heraldische Motive sind willkommene Füllungen für von Ornamenten gerahmte Felder. Der Rheinflügel wird geprägt von Wappen von Greiffenclau und Wambolt von Umstadt, erstere am Sockel und im Erdgeschoß, letztere im ersten Stock. Die Bauten aus der Zwischenzeit zeigen das von-der-Leyen-Wappen. Der Nordflügel wird dominiert von den Wappen von Ingelheim und von Ostein, dazu ein Breidbach-Wappen am Balkon. Somit wird das schleppende und phasenweise Fortschreiten des Bauprozesses an den einzelnen Wappen ablesbar.
Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten:
In der Liste sind alle Kurfürsten, die heraldische Spuren am Schloß hinterlassen haben, dunkelrot markiert. Die früheren Kurfürsten finden wir eher am Rheinflügel, die späteren am Nordflügel, die früheren am Sockel bzw. im Erdgeschoß, die späteren in den oberen Etagen bzw. Giebeln. Das Mainzer Rad finden wir ubiquitär. Der Vollender des Innenausbaus, Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802), ist an den Fassaden nicht heraldisch vertreten.
Berthold von Henneberg
(1484-1504)
Jakob von Liebenstein (1504-1508)
Uriel von Gemmingen (1508-1514)
Kardinal Albrecht von Brandenburg (1514-1545)
Sebastian von Heusenstamm (1545-1555)
Daniel Brendel von Homburg (1555-1582)
Wolfgang von Dalberg
(1582-1601)
Johann Adam von Bicken (1601-1604)
Johann Schweikhard von Kronberg
(1604-1626) - Erbauer der Aschaffenburger Residenz
Georg Friedrich
von Greiffenclau (1626-1629)
- Beginn Rheinflügel, Sockel und Erdgeschoß
Anselm Casimir Wambolt von Umstadt (1629-1647) - 1. Stock Rheinflügel
Johann Philipp von Schönborn
(1647-1673)
Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid (1673-1675)
Damian Hartard
von der Leyen (1675-1678)
- Vollendung Rheinflügel und Verlängerung
Karl Heinrich von
Metternich-Winneburg (1679-1679)
Anselm Franz
von Ingelheim (1679-1695) -
Beginn Nordflügel
Lothar Franz von Schönborn
(1695-1729)
Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1729-1732)
Philipp Karl von Eltz (1732-1743)
Johann
Friedrich Karl von Ostein (1743-1763) - Vollendung Nordflügel
Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763-1774) - Ausbau Nordflügel
Friedrich Karl Joseph von
Erthal (1774-1802) - Vollendung Ausbau Nordflügel
Literatur:
Baedeker: Mainz, Karl
Baedeker-Verlag, 2004. ISBN 3-87954-074-8
Werner Schäfke: Der Rhein von Mainz bis Köln, eine Reise durch
das romantische Rheintal, DuMont Kunstreiseführer, DuMont
Verlag, Köln 2006, ISBN 978-3-7701-4799-1
Siebmachers Wappenbuch.
Otto Gruber: Wappen des
mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl.
Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen
Jahrgängen der "landeskundlichen
Vierteljahresblätter".
http://www.ccmainz.de/cms/index.php?id=51
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