Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 321
Festung Hohenneuffen

Hohenneuffen - Württemberger Festung über den Wolken

Den Hohenneuffen besteigt man hauptsächlich zum Wandern und wegen der guten Aussicht über weite Bereiche des Albrandes. Aber auch heraldisch ist er ein lohnenswertes Ziel, denn an den alten Mauern ist genau ein schönes altes Wappen der Württemberger Herzöge erhalten. Es ist geviert aus Württemberg, Teck, Reichssturmfahne und Mömpelgard.

Zuordnung im Detail

Württemberger Stammwappen: In Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander. Die Anzahl der Enden der Geweihstangen variierte im Laufe der Geschichte: 1228 ist eine Abbildung mit 4, 4, 4 bekannt, 1246 eine mit 5, 5, 4 und 1257 sogar eine mit 5, 5, 5. In der Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie auf 5, 5, 4 festgelegt. Ursprünglich Grafen von Württemberg, ab 1495 Herzöge von Württemberg. Die 3 Hirschstangen bleiben das Symbol der Württemberger bis 1952.
Herzöge von Teck: Schwarz-golden schräggeweckt (schräggerautet). Das ist eine Seitenlinie der Zähringer, die von ca. 1187 bis 1439 bestand. Den Zähringern gehörte am Nordrand der Schwäbischen Alb (Albtrauf, Landkreis Esslingen) die Burg Teck, nach der sich die Linie nannte. Aber schon 1386 verkauften die verarmten Herzöge von Teck ihr Stammland an Württemberg. 1439 starb der letzte Herzog von Teck ohne Erben. Als Graf Eberhard von Württemberg (Graf Eberhard im Bart) 1495 von Kaiser Maximilian I. zum Herzog erhoben wurde (auf dem Wormser Reichstag), bekam er auch den Titel der Herzöge von Teck verliehen. Heute steht der Titel der britischen Königsfamilie, d. h. Queen Elisabeth II zu, die ihn aber nicht offiziell führt.
Reichssturmfahne via Markgröningen. In Blau eine goldene Fahne mit Schwenkeln, belegt mit einem schwarzen Adler. 1336 kauft Ulrich III. die Stadt Markgröningen (heute Landkreis Ludwigsburg). Damit erwirbt er auch das Recht auf die Reichssturmfahne, denn das Grüninger Reichslehen war dem Träger der Reichssturmfahne vorbehalten. Das Präfix „Mark“ leitet sich von der Grenzlage an der fränkisch-alemannischen Mark ab. Im württembergischen Wappen erscheint die Reichssturmfahne ab 1495. Als Helmzier gehörte dazu ein schwarzer Adler. Residenz und Oberamt gingen im 19. Jahrhundert auf Ludwigsburg über, was darin zum Ausdruck kommt, daß Stadt und Kreis Ludwigsburg heutzutage Träger der Reichssturmfahne im Wappen sind.
Grafschaft Mömpelgard: In Rot zwei aufrechte, abgekehrte goldene Barben (Fische). Mömpelgard (Montbéliard) bezeichnet die linksrheinischen Besitzungen, die aufgrund des Heiratsvertrages vom 13.11.1397 zwischen Graf Eberhard III dem Milden für seinen Sohn Eberhard IV mit Henriette von Mömpelgard, der Enkelin von Stephan von Mömpelgard (gestorben 1397, ohne männliche Nachkommen), zur Grafschaft (später Herzogtum) Württemberg kamen. Diese Ansprüche wurden 1447 durch Graf Ulrich dem württembergischen Wappen beigefügt. 1473 wurde die Aufnahme des Mömpeldgarder Wappens im Uracher Vertrag festgelegt. Mömpelgard erwies sich politisch als wichtig, da hier der vertriebene Herzog Ulrich Zuflucht suchte, ehe er sein Land wiedergewinnen konnte. Das Haus Württemberg ging dieser Ansprüche erst im Pariser Vertrag von 1796 wieder verlustig, nachdem sie wenige Jahre zuvor (1793) durch französische Truppen besetzt und annektiert worden waren. Herzog Friedrich II. trat sie im Pariser Sonderfrieden offiziell an Frankreich ab und wurde mit umfangreichen Gebieten in Süddeutschland entschädigt. Bis 1817 sind die Barben im württembergischen Wappen zu finden. Heute liegt Mömpelgard im Département Doubs.

Die beiden Helmzieren

Als Helmzier gehört zum Stammwappen Württemberg seit 1327 ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit goldenem Band und goldenen Beschlägen, zuerst von Ulrich III. 1327 auf seinem Reitersiegel geführt. Graf Eberhard der Jüngere (gestorben 1419) verwendet als erster die Straußenfedern (blau-silbern-rot) als Schmückung des Mundloches an dem Jagdhorn in seinem Siegel (Vergleiche die Abbildungen aus Urach: Dort ist deutlicher zu sehen, daß es sich um das Mundloch handelt). Die Helmdecken sind rot-golden. Die den Herzögen von Teck zugehörige Helmzier ist ein wie der Schild bez. Brackenkopf mit rot ausgeschlagener Zunge. Die Helmdecken sind schwarz-golden; der Helm ist ungekrönt.

Hohenneuffen - strategisch wichtiger Punkt über den Wolken

Die Bilder sind an einem Januarmontag aufgenommen und illustrieren gut die außergewöhnliche Lage des Hohenneuffen auf 743 m NN. Mächtige Mauern der Ruine in strahlender Wintersonne, tief unten die Ebene und Täler am Rande der Alb in der Nebelsuppe, kein Sonnenstrahl für Reutlingen, Tübingen oder Urach. Und hier oben erstrahlen die Kalkmauern der strategisch wichtigen Festung.

Die Geschichte des Hohenneuffen ist sehr lang. Die Wurzeln liegen ca. beim Beginn des Kaisertums der Staufer (Konrad III ab 1138), einem schwäbischen Adelsgeschlecht. Damit begann in Schwaben eine rege Bautätigkeit zur Befestrigung strategisch interessanter Orte, so auch am Rande der Alb (1. Bauphase). Der älteste namentlich faßbare Besitzer der mittelalterlichen Burg, von der nur noch Teile der Schildmauer (über 3 m dick) und der inneren Ringmauer erhalten sind, ist Manegold von Sulmetingen (erwähnt 1140). 1198 werden die Edelfreien von Neuffen erstmals erwähnt. Sie waren treue Anhänger des Stauferhauses. Heinrich I von Neuffen geleitete 1211/12 den damals 16jährigen Stauferkönig Friedrich II zur Königskrönung von Italien nach Schwaben. 1228 begleitet Heinrich von Neuffen den Stauferkaiser Friedrich auf seinem Kreuzzug ins Heilige Land. Im 13. Jh. ist ein Minnesänger Gottfried von Neuffen überliefert. Die tief untendrunter (335 m tiefer) liegende Siedlung Neuffen bekam 1232 das Stadtrecht. 1235 mußten die Mauern zum ersten Mal ihren Härtetest bestehen: Die Herren von "Nifen-Weißenhorn" befanden sich im Streit mit dem Kaiser, worauf die Burg Hohenneuffen von kaisertreuen Truppen belagert wurde, aber nicht eingenommen werden konnte. Vor Erfindung des Schießpulvers war dies auch wegen der Lage so gut wie unmöglich. Mit der Niederschlagung des Auftstands Heinrichs III. gegen Friedrich endet aber die politisch einflußreiche Ära der Herren von Neuffen.

Der Hohenneuffen wird 1301 württembergisch: Graf Eberhard I erwirbt die Burg von den Herren von Weinsberg, in deren Hände sie zwischenzeitlich durch Heirat gekommen war. Dabei diente die Burg nun vorwiegend als Ruhesitz von nichtregierenden Württemberger, z. B. für Graf Ulrich IV und Graf Eberhard d. Jüngeren.

Neue Belagerungen: Zwei weitere Angriffe konnte der Hohenneuffen bestehen: 1312 während der Fehde der Württemberger mit den schwäbischen Städten wurde die Burg von den Esslingern belagert, die Stadt Neuffen wurde eingenommen. 1442 wurde die Burg durch Truppen der Stadt Gmünd belagert.

Zweite Bauphase: Die Grafen von Württemberg bauten den Hohenneuffen im 14. und 15. Jh. weiter aus und verstärkten die Befestigungen. In dieser Zeit entstanden der Allewindeturm (was für ein passender Name für die Mauern in luftiger Höhe), weitere äußere Ringmauern und zwei Halbrundtürme im Vorfeld (nur. z. T. erhalten).

Ein erstes Versagen der Befestigungen: 1519 wird der Hohenneuffen erstmalig erobert, durch österreichische Truppen. 15 Jahre lang war er in fremden Händen. 1525 wurde der Hohenneuffen im Bauernkrieg von aufständischen Bauern erfolglos belagert. Am 24.6.1534 wird die Burg dem zurückkehrenden Herzog Ulrich von Württemberg kampflos übergeben.

3. Bauphase: Ab 1543 wurde der Hohenneuffen verteidigungstechnisch auf den neuesten Stand gebracht: Die Herzöge Ulrich VI (1503-1550) und Christoph (1550-1568) bauten den Hohenneuffen zur Renaissance-Festung aus. Die Kommandatur im oberen Hof mit den Fürstenzimmern, Zeughaus, Schmiede, Remisen etc. ersetzten mittelalterliche Bauten. Die veralteten Ecktürme der mittelalterlichen Festung wurden durch Rundbastionen für Geschütze ersetzt (wachstubenturm, Schwarzer Turm und Neuffener Turm). Dabei wurde auch der Zugang auf die Nordseite verlegt, weil der alte Weg am Allwindeturm schlechter zu verteidigen war. Die Holzbrücke zur Burg wurde von zwei Halbrundtürmen und der Luwigsbastion geschützt. Kasematten und Kasernen entstanden. Im Vorgelände wurden Erdbastionen aufgeworfen.

Erneut in fremder Hand: Während des 30jährigen Krieges wurde der Hohenneuffen von Truppen des Kaisers unter Garf von Soges belagert. 15 Monate (!) hielt die Festung stand. Dann mußte sie aber 1634 übergeben werden, nicht weil der Proviant alle war o.ä., nein, die Festung war noch gut versorgt. Aber die Besatzung war zermürbt, und die anderen Landesfestungen waren bereits alle gefallen. 1639 wurde sie den Württembergern zurückgegeben.

4. Bauphase: Der schweizerische Ingenieur und Offizier Johann Anton von Herbort modernisierte unter Herzog Karl Alexander (1733-1737) die Festung und legte im Vorfeld Bastionen, Erdwälle und Gräben an, die Festungsarchitektur von Vauban stand Pate. Der Zugang wurde erneut modifiziert und mit einem kurzen Tunnelgang versehen, die Holzbrücke wurde durch eeinen Gewölbebogen aus Stein ersetzt. Herzog Karl Alexander starb vor der Vollendung, sein Finanzminister Jud Süß Oppenheimer wurde daraufhin auf der Festung inhaftiert und später in Stuttgart zum Tode verurteilt. Des Herzogs Nachfolger Karl Eugen baute anfangs noch lustlos weiter, dann waren ihm aber die Kosten für einen weiteren Ausbau zu hoch.

Unrühmliches Ende: 1720-1780 diente der Hohenneuffen nur noch als Brandwache (wegen des tollen Ausblicks) und Gefängnis für Staatsgefangene. 1792 verläßt der letzte Kommandant die baufällige Festung. 1796 wurde vom Landtag die Aufgabe beschlossen, 1801 wurde die Festung per Dekret endgültig aufgegeben und zum Abbruch freigegeben. Erst 1832 wurde beschlossen, den Rest zu erhalten; die Ruine wurde gesichert.

In neuerer Zeit erlangte der Hohenneuffen noch einmal Bedeutung: Am 2.8.1948 fand hier eine Dreiländerkonferenz statt zwischen Südbaden (vertreten durch Leo Wohleb), Württemberg-Baden (vertreten durch Reinhold Maier) und Württemberg-Hohenzollern (vertreten durch Viktor Renner), auf dem über den Zusammenschluß der drei Länder zu einem einheitlichen Bundesland Baden-Württemberg ("Südweststaat") beraten wurde, was 1952 durch Volksabstimmung demokratisch legitimiert und in die Tat umgesetzt wurde. 1988 tagte in Erinnerung an die Drei-Länder-Konferenz das Kabinett von Lothar Späth auf dem Hohenneuffen.

Literatur:
Siebmachers Wappenbuch.
Informationstafeln in der Burg Hohenneuffen
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen1.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen2.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen3.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen4.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen5.htm
http://www.s-line.de/homepages/ebener/
http://www.s-line.de/homepages/ebener/Wappen.html#Wappen
http://www.hohenneuffen.de, http://www.hohenneuffen.de/htdocs/geschichte.php?mainid=48
http://www.schloesser-magazin.de/de/objekte/hn/hnth.php

Die Entwicklung des Württemberger Wappens

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