Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 322
Bad Urach (1)

Das Portal der Stiftskirche St. Amandus in Bad Urach

Hier sehen wir eine Weiterentwicklung des Württemberger Stammwappens zum gevierten Schild: Graf Ulrich nahm 1447 erstmals das Wappen von Mömpelgard auf, dazu wurde der Schild geviert. In Rot zwei voneinander abgekehrte goldene aufrechte Barben (Fische). Mömpelgard (Montbéliard) bezeichnet die linksrheinischen Besitzungen, die aufgrund des Heiratsvertrages vom 13.11.1397 zwischen Graf Eberhard III dem Milden für seinen Sohn Eberhard IV mit Henriette von Mömpelgard, der Enkelin von Stephan von Mömpelgard (gestorben 1397, ohne männliche Nachkommen), zur Grafschaft (später Herzogtum) Württemberg kamen. 1473 wurde die Aufnahme des Mömpelgarder Wappens im Uracher Vertrag festgelegt. Mömpelgard erwies sich politisch als wichtig, da hier der vertriebene Herzog Ulrich Zuflucht suchte, ehe er sein Land wiedergewinnen konnte. Das Haus Württemberg ging dieser Ansprüche erst im Pariser Vertrag von 1796 wieder verlustig, nachdem die Gebiete wenige Jahre zuvor (1793) durch französische Truppen besetzt und annektiert worden waren. Herzog Friedrich II. trat die Gebiete im Pariser Sonderfrieden offiziell an Frankreich ab und wurde mit umfangreichen Gebieten in Süddeutschland entschädigt. Bis 1817 sind die Barben im württembergischen Wappen zu finden. Heute liegt Mömpelgard im Département Doubs. Über dem gevierten Schild wurde nur die Württemberger Helmzier geführt, aber noch nicht das Mömpelgarder Fischweiblein mit rotem Kleid und goldenem Gürtel, das kam erst später. Der gevierte Schild zeigt:

Die Helmzier ist die der Grafen von Württemberg: Auf jetzt noch ungekröntem Helm mit rot-goldenen Decken befindet sich ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit goldenem Band und goldenen Beschlägen, mit drei Straußenfedern (blau-silbern-rot) im Mundloch, hier genau von vorne gesehen, Schallöffnung nach hinten.

Württemberger Wappen am Portal der Amandus-Kirche in Bad Urach. Man achte auf die feingliedrige Helmdecke und die beiden Tiere in den Winkeln unter dem Schild. Das Portal auf der Südseite ist das sog. Brautportal, das frühere Fürstentor. Bad Urach war 1442-1482 Residenz des südwestlichen Teils der Grafschaft Württemberg. 1474 fand hier die Fürstenhochzeit von Graf Eberhard und Markgräfin Barbara Gonzaga di Mantua statt. Damals war es noch der Vorgängerbau, denn die Kirche in heutiger Form wurde erst 1475-1501 als dreischiffige Pfeilerbasilika erbaut. 1501 wurde das Kirchenschiff fertiggestellt. Die Innenausstattung stammt aus der Folgezeit. Der im rechten Bild sichtbare Turm war ursprünglich nur 45 m hoch, er wurde 1896-1898 auf 63 m vollendet, dabei wurden Türmerstube und Maßwerkgalerie gebaut. In diesen Jahren wurde die Kirche einer Restaurierung unterzogen. Im Innern sind reichlich Wappen zu sehen, 4 Totenschilde, 24 Grabdenkmäler und 20 Gedenkbilder für Verstorbene, die meisten mit interessantem und qualitätvollen Wappenschmuck. Daneben sehenswert: Wappen-Gewölbesteine, Kanzel aus dem Jahr 1501, Taufstein aus dem Jahr 1518.

Literatur:
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen1.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen2.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen3.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen4.htm
http://www.historisches-wuerttemberg.de/kultur/wappen/wappen5.htm
http://www.s-line.de/homepages/ebener/
http://www.s-line.de/homepages/ebener/Wappen.html#Wappen
Martin Hauff, Bad Urach, Stiftskirche St. Amandus, Verlag Schnell Steiner GmbH, Kunstführer Nr. 2465, Regensburg 2001. ISBN 3-7954-6349-1

Die Entwicklung des Württemberger Wappens

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