Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 357
Meersburg - Kleinod am Bodensee und Residenz der Bischöfe von Konstanz

Neues Schloß in Meersburg, Platzfassade

Das Neue Schloß zu Meersburg ist in den Jahren 1710-1755 von Christoph Gessinger, Balthasar Neumann und Franz Anton Bagnato unter vier verschiedenen Konstanzer Fürstbischöfen erbaut worden. Heute sind hier das Schloßmuseum, die Städtische Galerie und das Dornier-Museum untergebracht. Über dem Eingang ist das Wappen des Vollenders des Schlosses angebracht, Fürstbischof und Kardinal Franz Konrad von Rodt (1750-1775). Es gibt übrigens in der Geschichte der Konstanzer Fürstbischöfe insgesamt drei aus der Familie von Rodt. Ein früherer hat sich heraldisch am Haus gegenüber des Schlosses verewigt, und ein weiterer folgte dem Vollender des Neuen Schlosses direkt nach.

Das Wappen des Fürstbischofs und Kardinals (roter Klerikerhut, 2x 10 (Anzahl für einen Bischof) Fiocchi in 4 Reihen, Krummstab und Schwert) Franz Konrad von Rodt (1750-1775) enthält folgende Komponenten:

Geviert mit Herzschild und einer eingepfropften Spitze:

Das Feld für das Stift Öhningen ist hier abweichend tingiert: In der eingebogenen Spitze hier in Blau zwei aus silberne Wolken hervorkommende natürliche Hände, einen aufwärts gerichteten silbernen Schlüssel mit beidseitigem Bart emporhaltend. Verschiedene Farbfassungen sind zu finden, in der Literatur wird die Feldfarbe (Siebmacher Bistümer, Gatz) als golden angegeben.

Beim Stammwappen Rodt war der Anstreicher wohl etwas nachlässig, er hat die roten und silbernen Partien gleich in Gold mit überpinselt. Die schwarzen "Ranken" haben nichts zu sagen - es handelt sich um eine Damaszierung der ansonsten inhaltsleeren (ledigen) Felder. Man hätte sie nicht gerade schwarz zu streichen brauchen, es genügt die Plastizität bei einer Damaszierung, zumal sie eh nur schmückendes Beiwerk ohne heraldische Aussage sind. So werden Mißverständnisse provoziert. Der Maler hätte seine Aufmerksamkeit besser den hier gold überpinselten roten und silbernen Feldern zugewandt. An der Gartenfront des Schlosses ist es wenigstens richtig gemacht.

Über dem Schild ein Fürstenhut, hinter dem Schild schräggekreuzt Krummstab und Schwert. Er war aber nicht nur Fürstbischof, sondern auch Kardinal, daher schwebt über allem ein roter Klerikerhut, dazu 2x 10 (eigentlich Anzahl für einen Bischof) Fiocchi in 4 Reihen.

Blick über den Schloßplatz auf die Fassade des Neuen Schlosses. Auch wenn zwei weitere Baumeister das Schloß vollendeten, trägt es dennoch überall die eleganten Züge Gessingers Konzeptes.

Zur Übersicht: Die Bischöfe von Konstanz
Burkhard II. von Randegg (1462-1466)
Hermann III. von Breitenlandenberg (1466-1474)
Ludwig von Freiberg (1474-1481, Bistumsstreit, Kandidat des Papstes)
Otto IV. von Sonnenberg (1474-1491, Bistumsstreit, Kandidat des Domkapitels und des Kaisers)
Thomas Berlower (1491-1496)
Hugo von Hohenlandenberg (1496-1531, 1526 Auszug aus Konstanz, Verlegung der Residenz nach Meersburg, Rücktritt 1529)
Johann von Lupfen (1532-1537)
Johann von Weeze (1537-1548)
Christoph Metzler (1549-1561)
Mark Sittich von Hohenems (1561-1589)
Andreas von Österreich (1589-1600)
Jakob Fugger (1604-1626)
Sixt Werner von Praßberg und Altensummerau (1626-1628)
Johann Constanz Graf von Waldburg-Wolfegg (1628-1644)
Johann Franz I. von Praßberg und Altensummerau (1645-1689)
Marquard Rudolf von Rodt (1689-1704)
Johann Franz II. von Stauffenberg (geb. 1658, reg. 1704-1740, Baubeginn des Meersburger Neuen Schlosses, auch Fürstbischof von Augsburg)
Hugo Damian von Schönborn (1740-1743, auch Fürstbischof von Speyer, Fortführung des Baues des Meersburger Neuen Schlosses)
Kasimir Anton von Sickingen (1743-1750, Fortführung des Baues des Meersburger Neuen Schlosses)
Kardinal Franz Konrad von Rodt (1750-1775, Vollender des Meersburger Neuen Schlosses)
Maximilian Christof von Rodt (1775-1800)
Karl Theodor von Dalberg (1800-1817, weitere Bischofsthrone in Worms, Regensburg und Mainz, Fürst von Aschaffenburg, Großherzog von Frankfurt)
Ignaz Heinrich von Wessenberg (Sonderstellung: 1817 Bistumsverweser bis zur Auflösung des Bistums 1821, nicht Bischof)

Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Konstanz

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