Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 36
Würzburg - ein heraldischer Leckerbissen

Heraldische Grüße von fünf Fürstbischöfen am Stift Haug

Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673)

Der Fürstbischof war auch Erzbischof von Mainz, daher in Rot das silberne Mainzer Rad (Feld 2 und 5), und Bischof von Worms (Feld 3 und 4, im schwarzen, mit goldenen Schindeln belegten Feld ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, das Bistum Worms ist 1805 erloschen).
Der Fränkische Rechen
(von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt) in Feld 1 steht bei allen Fürstbischöfen Würzburgs für das Herzogtum zu Franken.
Die rot-silbern gevierte schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft in Blau ist das alte Banner des Hochstifts Würzburg
. Hier ist sie in Feld 6 repräsentiert. Auch dieses Symbol ist in allen Wappen der Fürstbischöfe zu finden. Diese Standarte darf nicht verwechselt werden mit dem heutigen Stadtwappen der Stadt Würzburg: Es ist zwar das selbe Motiv, besitzt aber andere Farben: Das Stadtwappen von Würzburg zeigt in Schwarz eine schrägrechts gestellte Standarte mit rot-golden geviertem Tuch und silberner Stange.
Das Schönbornsche Stammwappen ist im Herzschild zu finden, in Rot auf drei silbernen Spitzen schreitend ein goldener bekrönter Löwe.

Fürstbischof Johann Hartmann von Rosenbach (1673-1675)

In Feld 2 und 3 das Stammwappen derer von Rosenbach: Silbern-schwarz geteilt, oben wachsend ein schwarzer Löwe, rot gezungt, golden gekrönt (nach Aschaffenburger Wappenbuch). Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Die Helmzier derer von Rosenbach wäre ein wachsender, doppelt geschweifter gekrönter Löwe zwischen zwei von Silber und Schwarz geteilten Büffelhörnern. Die Helmdecken wären schwarz-silbern. Dazu kämen die fürstbischöflichen Kleinode. Stattdessen hier ein einfacher Fürstenhut, rot und mit Hermelinstulp.

Die Familie von Rosenbach zählt zum Uradel, obwohl es erst ab dem 14. Jh. gesicherte Nachrichten über sie gibt. Stammsitz der Familie liegt in der Herrschaft Breuberg, später findet man sie in der Grafschaft Erbach. Nach Franken kamen die von Rosenbach erst relativ spät. Sie hatten Stellungen am Hochstift Würzburg inne (Oberamtmänner, Domdechanten, Domkantoren, Landrichter, Custos etc.) und profitierten insbesondere in der Reformationszeit durch sich durch Glaubenswechsel ergebende Vakanzen. Im Domkapitel und in der Verwaltung des Hochstiftes Würzburg findet man Vertreter der Familie. Mit Johann Hartmann von Rosenbach stellten sie einen Würzburger Fürstbischof. Im frühen 17. Jh. finden wir Angehörige der Familie in leitenden Positionen des Johanniterordens (z. B. Weiprecht von Rosenbach, Großprior des Johanniterordens, gest. 1607). 1806 starb die Familie aus.

Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach (1675-1683)

Feld 2: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 3: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Der Fürstbischof war auch Bischof von Bamberg. Feld 1 und 4 In Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg.
Der Herzschild zeigt das Stammwappen der Grafen von Dernbach: In Blau drei deichselförmig zusammengestellte goldene Seeblätter, begleitet von goldenen Schindeln (Aschaffenburger Wappenbuch). Das Schildbild wird auch als "Kleeblatt ohne Stiel" oder "mit den Spitzen ins Schächerkreuz gestellte Seeblätter" oder "Drei Herzen im Dreipaß gestellt, mit den Spitzen aneinanderstoßend" angesprochen.

Es gibt verschiedene Linien und Wappen der Dernbachs:

Fürstbischof Konrad Wilhelm von Wernau (1683-1684)

Das Stammwappen befindet sich in den Feldern 2 und 3: In Silber ein schwarzer Schrägbalken, belegt mit drei goldenen Kugeln. Das Stammwappen der Herren von Wernau ist seit 1938 auch das Ortswappen von Wernau bei Esslingen (Baden-Württemberg). Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg (1684-1698)

Das Stammwappen derer von Guttenberg findet sich in den Feldern 2 und 3. Es zeigt in Blau eine goldene Rose mit doppelter Blattlage und mit goldenem Butzen. Die selbe Rose taucht heute im Ortswappen von Guttenberg bei Kulmbach auf, allerdings über über einem roten Kreuz in Silber im Schildfuß. Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Anm.: Das Wappen derer von Guttenberg ist im alten Siebmacher offensichtlich falsch tingiert.

Zum Wappen Guttenberg würden gehören: Helmzier: Ein hermelingestulpter roter Hut, aus dem fünf rotbraune (natürliche) Rohrkolben wachsen. Helmdecken rot-silbern.

Die von Guttenberg sind eine der wichtigsten und prominentesten Familien Frankens, die stets eine Rolle als Bischöfe, Kanoniker, Gelehrte, Diplomaten und Heerführer gespielt haben. Und sie sind auch eine der ältesten Familien, sie stammen wie auch die Künsberg von den von Blassenberg (Plassenburg) ab, einem Ministerialengeschlecht der Andechs-Meranier, einst Vögte auf der Plassenburg bei Kulmbach. Die von Guttenberg gaben sich den neuen Namen mit dem Bau ihrer Stammburg, die ebenfalls in der Nähe von Kulmbach liegt. Im Kanton Gebirg stellten sie mit Achatz v. G., 1607, Georg Enoch v. G. 1660 und Marquard Carl Ludwig v. G. 1743 drei Ritterhauptleute. Mitglieder der Familie waren im Dienste von Kurmainz, Würzburg, Bamberg, Pfalz-Sulzbach und Brandenburg-Kulmbach tätig. Neben dem herausragendsten Mitglied der Familie, dem Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg, gab es viele kirchliche Würdenträger, Deutschordensritter, Malteserritter. Christoph Ernst v. G. tritt als Abt von St. Michael in Bamberg (1653-1729) hervor. Zwischen 1454 und 1847 stellten sie allein in Würzburg 26 Domherren. Sie waren ferner Erbmarschälle des Herzogtums Ostfranken. Die Burg Salzburg bei Neustadt ist heute im Besitz der Familie, wobei das angrenzende Rhön-Klinikum dem Engagement der Familie sehr viel verdankt.

Gesamtansicht des Portals:

Stift Haug wurde im wesentlichen unter Johann Philipp von Schönborn geplant und vom Baumeister Antonio Petrini ausgeführt. Am Portalgebälk sind alle fünf Fürstbischöfe mit ihren Wappen vertreten, die hier am Stift Haug Bauherren waren. Die Johannesfigur obendrüber wurde von Johann Wolfgang von der Auvera (1708-1756) 1738/39 geschaffen.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:

Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenklau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (dsgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779

Literatur:
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Alter Siebmacher
Aschaffenburger Wappenbuch
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.

Würzburg: Stift Haug - Hof Neulobdenburg - Hof z. Hl. Gallus - Haus Conti - alte Mainbrücke - Hof Erhard von Liechtenstein - Juliusspital - Festungstore 1 - Festungstore 2 - Festung Marienburg: Scherenberg - Festung Marienburg: Bibra, Wirsberg - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 1 - Festung Marienburg: Echter von Mespelbrunn 2 - Alte Universität - Hofgarten - Neumünster - Residenz - Palais 1 - Palais 2 - Neubaukirche - Bürgerspital - Stadtbefestigung - St. Peter - Priesterseminar - Grafeneckart

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Der Fränkische Rechen - Das Rennfähnlein
Die Wappen der Fürstbischöfe von Worms - Teil (1) - Teil (2)
Die Wappen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)

Die Entwicklung des Wappens der von Schönborn

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